Sierra Leone WHO zieht Mitarbeiter aus Ebola-Labor ab

Nachdem sich einer ihrer Helfer mit Ebola infiziert hat, zieht die Weltgesundheitsorganisation drastische Konsequenzen: Sie hat ihre Mitarbeiter aus einem Labor in Sierra Leone abberufen. Die Ansteckungsrate unter den Helfern gilt als beispiellos.

Helfer in Schutzbekleidung in Monrovia (Archivbild): Beim aktuellen Ebola-Ausbruch haben sich auch viele Ärzte und Pfleger infiziert
REUTERS

Helfer in Schutzbekleidung in Monrovia (Archivbild): Beim aktuellen Ebola-Ausbruch haben sich auch viele Ärzte und Pfleger infiziert


London - Die Ebola-Epidemie trifft nicht nur die Bevölkerung vor Ort, sondern auch außergewöhnlich viele Ärzte und Helfer. Auf einen Fall hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jetzt drastisch reagiert. Nachdem sich einer ihrer medizinischen Helfer mit dem gefährlichen Virus infiziert hatte, rief die Organisation ihre weiteren Mitarbeiter aus dem Labor in Kailahun im Osten Sierra Leones zurück. Dort wurden Proben auf den Erreger untersucht.

"Das ist eine vorübergehende Maßnahme, um für das Wohlergehen unserer verbliebenen Mitarbeiter zu sorgen", sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation Christy Feig der Nachrichtenagentur Reuters. "Nach unserer Überprüfung werden sie wieder zurückkehren." Am Sonntag hatte die WHO bestätigt, dass sich einer ihrer ausländischen Mitarbeiter in Sierra Leone mit dem Virus infiziert hat.

Insgesamt haben sich bei der Ebola-Epidemie in Westafrika laut WHO bislang mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt. Mehr als 120 von ihnen seien gestorben, teilte die Organisation am Dienstag in Genf mit. Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern gibt es demnach etliche Gründe.

Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. "Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler", erklärte die WHO.

Infizierter Brite erhält möglicherweise ZMapp

Zu den infizierten Helfern zählt auch ein 29-jähriger britischer Krankenpfleger, der von Sierra Leone nach London ausgeflogen wurde und dort jetzt im Royal Free Hospital im Stadtteil Hampstead behandelt wird. Der Brite könnte nach Darstellung des Gesundheitsministeriums in London möglicherweise mit dem Medikament ZMapp behandelt werden, dessen Mengen sehr begrenzt sind.

Die britischen Behörden stünden mit der Weltgesundheitsorganisation im Kontakt, um an dieses oder ein ähnliches noch nicht zugelassenes Medikament zu kommen. "Einige Dosen könnten für uns zur Verfügung stehen", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Dienstag.

Die Entscheidung, ob das noch im Experimentierstadium befindliche Mittel angewandt wird, müssten die Mediziner gemeinsam mit dem Patienten treffen. Die Behandlung mit ZMapp gilt als vielversprechend. Die Medizin erhielten bislang unter anderem zwei infizierte US-Helfer, die beide wieder als gesund gelten.

Ein spanischer Geistlicher und ein liberianischer Mediziner starben jedoch trotz einer Behandlung mit ZMapp an den Folgen einer Ebola-Infektion. Noch lässt sich deshalb nur schwer abschätzen, wie gut das Mittel wirkt. "Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass es bisher kein Medikament gibt, dessen Wirkung gegen Ebola erwiesen ist", sagte der Sprecher in London.

Uno: Gestrichene Flüge erschweren Kampf

Nach den Worten des Uno-Sonderbeauftragten für die Bekämpfung von Ebola, David Nabarro, weitet sich der Ausbruch in Westafrika immer noch aus. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine "globale Partnerschaft" nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, betonte die Uno in einer Mitteilung. Die vielen gestrichenen internationalen Flüge nach Westafrika würden den Kampf gegen die Epidemie stark behindern.

Durch die schlechte Anbindung werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte der Uno-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr, bei einer Pressekonferenz in Freetown. Die Uno sei bereit, Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie erheblich auszuweiten. "Aber dies ist nur möglich, wenn die Flüge wieder aufgenommen werden."

Bei der Ebola-Epidemie sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone mehr als 1440 Menschen gestorben. Angesichts der Notlage hatte die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf vor wenigen Wochen alle ausgereisten Kabinettsminister und hochrangige Beamte dazu aufgefordert, zurück in das Land zu kommen. Alle Mitarbeiter, die sich dieser Anweisung widersetzt haben, wurden laut der Nachrichtenagentur AP entlassen. Wie viele von diesem Schritt betroffen waren, ist allerdings noch nicht bekannt.

irb/AP/dpa/Reuters

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kraichgau12 26.08.2014
1. Who
tja,man könnte ja annehmen,das die Weltgesundheitsorganisation soweit organisieren kann, das mitsamt ihrer freiwilligen Helfer Schutzausrüstung eintrifft...könnte man,aber nach 4 monaten Berichten über die Situtation sieht es zunehmend danach aus, das die WHO im Grunde das Problem darstellt...ausser Konferenzen und Absichtserklärungen kommt keine grosse Hilfe. Die 240 Mediziner waren auch zumeist lokale Kräfte,die ohne die WHO auskommen mussten,welche sich vor allem auf "Koordination" und indirekte Hilfe konzentriert ich denke,diese Aufgabe sollte besser in militärische Hände gelegt werden...
silverhair 26.08.2014
2. Falsche Voraussetzungen
@#1 Heute, 18:40 von kraichgau12 Who tja,man könnte ja annehmen,das die Weltgesundheitsorganisation soweit organisieren kann, das mitsamt ihrer freiwilligen Helfer Schutzausrüstung eintrifft..... ich denke,diese Aufgabe sollte besser in militärische Hände gelegt werden... ---- Zwei Dinge .. 1) Die WHO ist keine Organisation mit einem gewaltigen Apparat, sie ist ein Zusammenschluss der Mediziner der westlichen Länder, und damit primär auf "locales Personal" immer angewiesen! 2) der Virus dürfte sich in militärischer Umgebung richtig freuen. Militärs betreiben eine monokultur wo immer alles gleichzeitig betrieben wird - und damit die Ansteckungsgefahr um ein vielfaches höher ist als anderswo. Und natürlich haben militärs absolut keine Ausbildung in Seuchenbekämpfung, sie sind ja wohl eher zur Ausrottung von Menschen (Waffen) ausgebildet und nicht zum Lebenerhalten gegen einen Feind den sie nicht erschießen können! Prinziell sollte man da eher mal ganz schnell darüber nachdenken das ALLEN Staaten mal ihr nationalistisches Gehabe abgenommen wird, und das wichtige Organisationen zwangsweise aus den Haushalten der Staaten bezahlt werden nach BIP .. sagen wir mal 10% , den Gesundheit und Überleben sind kein "nationales Problem" - sie sind ein die gesamte Menschheit gleich betreffendes .. und wir können uns Krankheiten auf diesem Planetan, einfach nicht mehr erlauben!
Newspeak 26.08.2014
3.
Die vielen gestrichenen internationalen Flüge nach Westafrika würden den Kampf gegen die Epidemie stark behindern. Wofür gibt es die ganzen Militärtransportmaschinen? Zivile Flüge erhöhen doch eher das Risiko einer Verbreitung der Seuche. Die WHO agiert offenbar doch nicht so professionell, wie angenommen.
mrotz 26.08.2014
4.
Es ist richtig, die Flugverbindungen einzustellen. Ansosnten sollten Militärmaschinen die Flugverbindungen aufrecht erhalt, die dann nur medizinischem Personal offen steht. mfg
kraichgau12 26.08.2014
5. @silverhair
lassen wir mal den links-armee-hassenden gutmenschen modus aussen vor es gibt in den regionen nur die wahl der organisation mittels zwang und GENAU dafür ist das militär weltweit bestens geeignet ebenso ist logistik eher eine frage der disziplin statt des freundlich-wirren "wir haben gute absichten,aber keine ahnung", das ihres gleichen meist ausmacht 10% weltweit zwangseinziehen,nur um eine UN-Organisation,die ohnehin jedes Jahr durch die "Zwangsspenden"(D nr 2 weltweit)gemästet in New York sitzt und endlose Generationen nutzloser Theoretiker-Bürokraten mästet? was diese Organisation wirklich im Ernstfall erreichen kann,sieht man doch genau jetzt.....ich habe aus Palistan noch ungute Erfahrungen mit UN und WHO, meist gabs hilfsbereite Helfer,die im Grunde Ihr eigenes Zeug mitbringen mussten.....weil die WHO eher daran interessiert ist,ihr werbebudget hoch zu halten
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