Kombinationspräparate: Ärzte debattieren über Therapie von Asthma

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Röcheln, Kurzatmigkeit, Enge in der Brust: Menschen mit Asthma haben empfindliche Bronchien. Bisher müssen viele Patienten zwei Medikamente inhalieren. Neue Studien zeigen, dass ein Inhalator mit beiden Wirkstoffen genügen könnte. Doch Ärzte sind sich über die Therapie nicht ganz einig.

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Corbis

Frau mit Inhalator: Kombinationstherapie bei Asthma bevorzugt?

Manchmal beginnt es mit einem Husten. Manchmal kommt das Röcheln aber auch, nachdem man das Regal vom Staub befreit hat oder nachdem man plötzlich dem Bus hinterherrennen musste. Mitunter kommt die Kurzatmigkeit aber auch aus heiterem Himmel. Menschen mit Asthma kennen das Gefühl nur allzugut: Eine verengte Brust, die Luft gelangt nicht tief in die Lunge.

Die Anfälle entstehen, weil die unteren Atemwege chronisch entzündet und überempfindlich sind. Asthma ist oft eng mit einer Allergie verbunden. Reize, die für Gesunde völlig harmlos sind, lassen bei Asthmatikern die Bronchien verengen.

Speziell für diese Patienten mit moderatem Asthma liegen jetzt die Ergebnisse zweier Studien (eine mit Industriebeteiligung, die andere nicht) vor, die möglicherweise die bisherige Therapie von Asthma beeinflussen könnten. An einer der beiden Studien, die jetzt in der ersten Ausgabe des neuen medizinischen Fachblatts "Lancet Respiratory Medicine" erschienen sind, ist der deutsche Pneumologe Klaus Rabe von der LungenClinic Grosshansdorf beteiligt. Er und seine Kollegen kommen zu dem Schluss, dass man das Risiko für schwere Asthmaanfälle mit Hilfe einer Kombinationstherapie senken kann.

Zwei Wirkstoffe - ein Inhalator

Bisher müssen Menschen mit Asthma in der Regel zwei Inhalatoren benutzen: Einen mit einem Kortison, den anderen mit einem sogenannten Beta-2-Sympathomimetikum. In der Regel wird der Kortikoid-Wirkstoff täglich inhaliert; das Beta-2-Sympathomimetikum wird je nach Schwere des Asthmas nur beim akuten Anfall, oder aber auch zusätzlich als Dauermedikament eingesetzt (eine Übersicht über die verschiedenen Medikamente bei der Asthmatherapie finden Sie hier).

Rabes Team untersuchte, wie effektiv eine Dauertherapie aus einer Kombination beider Wirkstoffklassen ist. Dabei setzen die Mediziner auf ein neues Prinzip, das seit einigen Jahren verfügbar ist und von manchen Ärzten bereits genutzt wird: SMART ("Single Inhaler for Maintenance and Reliever Therapie). Das heißt, mit Hilfe von nur einem Inhalator werden sowohl das ultrafein zerstäubte Kortikoid Beclometason als auch das Beta-2-Mimetikum Formoterol inhaliert: Dank einer speziellen, ins Inhaliergerät integrierten Technik, entstehen die ultrafeinen Beclometason-Partikel, die weit in die Randbereiche der Lunge gelangen und deshalb besonders wirksam sein sollen, so zumindest die Vorstellung. Für Dauer- und Notfalltherapie ist also nur ein Inhaliergerät nötig. "SMART ist kein neues Prinzip. Unsere Studie scheint aber die Übertragbarkeit des Prinzips in der Breite anzuzeigen", sagt Rabe.

Das Problem: Die tägliche Medikamentenmenge für die Dauertherapie ist höher, als bei der konventionellen Therapie. Diesen Einwand könnte jedoch das Resultat der zweiten Studie entkräften. Richard Beasley vom Medical Research Institute of New Zealand in Wellington und sein Team untersuchten die SMART-Kombitherapie aus dem Kortikoid Budesonid, das in seiner Wirkung etwa so schnell ist wie Beclometason, mit Formoterol. Die Mediziner kommen zu dem Ergebnis, dass unterm Strich nicht mehr Medikamente notwendig sind. Die Begründung: Es treten weniger schwere Attacken auf, die eine Bedarfstherapie erforderlich machen. "Die Ergebnisse für Budenosid-Formoterol sind meiner Meinung nach auf Beclometason und Formoterol übertragbar", sagt Rabe.

Nur für therapietreue Patienten geeignet

Allerdings stehen andere Experten dem Kortisonverbrauch beim SMART-Prinzip skeptisch gegenüber. "Ich befürchte, dass diese Aussagen nur für Patienten zutreffen, die das Therapieprinzip verstanden haben und zuverlässig umsetzen", sagt Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). "Dass Patienten nicht immer therapietreu sind, zeigt die Tatsache, dass es bereits jetzt unter den Asthmapatienten viele Beta-2 Sympathomimetika -Junkies gibt."

Auch Rabe räumt ein, dass das SMART-Prinzip für Menschen mit bestimmter Persönlichkeitsstruktur nicht geeignet ist. "Wer dagegen ein gutes Gefühl dafür hat, wann er seine Notfallmedikamente braucht, ist ein SMART-Kandidat."

Welte sowie sein Kollege Heinrich Worth vom Klinikum Fürth, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ist, können den Ergebnissen nicht viel Neues abgewinnen. "Es ist eigentlich ein alter Hut. Das wurde bereits vor Jahren von einem anderen Unternehmen für deren Medikamentenkombination aus Budenosid und Formoterol entwickelt", sagt Worth.

Allerdings fehlen in der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma noch die Aussagen zum SMART-Prinzip und deren Kombinationspräparaten. "Die Leitlinie der Fachgesellschaften wird derzeit überarbeitet", sagt Worth, der als Autor bei beiden Leitlinien beteiligt war. "Es ist davon auszugehen, dass die aktuellen Studien dann berücksichtigt werden." Ob sich allerdings bei der Nationalen Versorgungsleitlinie etwas ändern wird, sieht er als fraglich an. Leitlinien sind nicht bindende evidenzbasierte Empfehlungen für Ärzte.

Tobias Welte rät den Patienten, jeden Arzt - insbesondere auch bei einem Arztwechsel oder der Einholung einer Zweitmeinung - genau darüber zu informieren, welche Medikamente er wann und in welcher Höhe einnimmt. Auch das sei für die Therapieverbesserung wichtig.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur richtigen Therapie von Asthma finden Sie hier.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Da ist etwas dran
annex 07.03.2013
seit 6 - 8 Jahren nehme ich eine Kombination aus Beta-2 Sympathomimetika und Kortison. Ich hatte noch nie einen Anfall, Atemnot nur bei sportlicher Betätigung an schwül-warmen Tagen und mein Asthma hat sich insgesamt sehr verbessert. Aber neu ist diese Information nicht wirklich unter Asthmapatienten, zumindest bei denen, die ich über Asthmaschulungen kennen gelernt habe.
2. Auch Asthma ist verursacht durch Besetzungen
Christoph Bauer 04.05.2013
Da die Seelen Verstorbener keine eigene Energie mehr aufnehmen können, bekommen sie diese nur über die Meridiane eines noch lebenden Menschen. Sitzt ein Verstorbener auf dem Lungenmeridian, dann entsteht nach einiger Zeit Asthma oder auch andere Krankheiten, weil die Abwehrkräfte geschwächt sind.
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.

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