Mundgesundheitsstudie So gesund sind Deutschlands Zähne

Weniger Karies, weniger Entzündungen: Die Deutschen pflegen ihre Zähne heute wesentlich besser als noch vor 20 Jahren. Größere Sorgen bereitet nur noch die Parodontitis.

Zahnpflege
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Morgens und abends putzen, am besten auch noch die Zahnzwischenräume reinigen: Was die Ratschläge für eine gute Zahnhygiene angeht, sind Kindern Erwachsenen in Deutschland voraus. Jedes zweite Kind und jeder dritte Erwachsene kennen die Empfehlungen zur Zahnpflege und geben ein gutes Putzverhalten an.

Zu diesem Ergebnis kommt die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie, die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) am Dienstag in Berlin vorgestellt haben. Das grundsätzliche Fazit fällt sehr positiv aus: Die Deutschen pflegen ihre Zähne heute wesentlich besser als noch vor 20 Jahren.

Auch was den Westen und den Osten Deutschlands angeht, konnten die Forscher keine Unterschiede mehr feststellen. Bei Kindern und jungen Erwachsenen hat sich die Situation demnach in den vergangenen 25 Jahren angeglichen. "Die Mundgesundheit ist so gut wie nie", sagte KZBV-Chef Wolfgang Eßer.

Für die mittlerweile fünfte Mundgesundheitsstudie seit 1989 wurden zwischen Oktober 2013 und Juni 2014 bundesweit mehr als 4600 Menschen befragt und untersucht.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Karies: Der Studie zufolge sind acht von zehn der 12-jährigen Kinder (81,3 Prozent) heute kariesfrei. Damit habe sich der Anteil der 12-Jährigen ohne Zahnfäule in den Jahren 1997 bis 2014 praktisch verdoppelt.

Als Ursachen für den Kariesrückgang gelten regelmäßige Kontrollen und die Versiegelung der Backenzähne. Kinder ohne eine solche Behandlung, bei der Rillen und Vertiefungen auf dem Zahn versiegelt werden, sind im Schnitt dreimal häufiger von Karies betroffen.

Auch bei den jüngeren Erwachsenen zwischen Mitte 30 und Mitte 40 ist der Anteil der Zähne mit Karies seit 1997 um 30 Prozent gesunken. Die Teilnehmer in der Altersgruppe hatten durchschnittlich an 4,9 Zähnen schon mal Karies.

Parodontitis: Im Hinblick auf die Entzündung des Zahnhalteapparats sind die Studienautoren kritischer. Parodontitis müsse noch entschiedener bekämpft werden, heißt es. Den Daten zufolge wird der Behandlungsbedarf bei Entzündung des Zahnhalteapparats ansteigen - allerdings vor allem aufgrund der alternden Gesellschaft.

Die durch Bakterien verursachte Erkrankung des Zahnbettes kann jedoch auch junge Menschen treffen, wie die Zahlen zeigen. Sie ist bei Erwachsenen Hauptgrund für einen Zahnverlust, auch wenn sich die Zahl der Parodontalerkrankungen bei den 35- bis 44-Jährigen halbiert hat.

Einer Parodontitis geht oft eine Entzündung des Zahnfleisches voraus, sie betrifft aber größere Teile des Zahnfleisches und den darunter liegenden Knochen. Experten schätzen, dass etwa acht Millionen Menschen in Deutschland eine Parodontitis haben, die behandlungsbedürftig ist. Vorbeugen können eine gute Pflege von Zähnen und Zwischenräumen sowie regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt.

Zahnverlust und Prothesen: Auch ältere Menschen haben deutlich bessere Gebisse als noch vor Jahren. Bei den Senioren zwischen 65 und 74 sei heute nur noch jeder achte völlig zahnlos. Im Jahr 1997 sei es noch jeder vierte gewesen, so die Studie.

Die Menschen in der Altersgruppe besitzen zudem heute im Durchschnitt fünf eigene Zähne mehr als noch im Jahr 1997. Während sie damals im Schnitt nur noch 10,4 der bis zu 32 Zähne im Mund hatten, sind es heute immerhin 16,9. Unter pflegebedürftigen älteren Menschen sei Karies allerdings weiter verbreitet und sie hätten auch weniger eigene Zähne, kritisiert der Bericht.

Die Studie zeige, "dass die Vorsorge funktioniert und die Bedeutung der Mundgesundheit bei den Patienten steigt", lautet das Fazit von Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Die Vorsorge erreiche aber längst noch nicht alle Bevölkerungsschichten.

Zwar haben auch Kinder mit einem vergleichsweise niedrigen Sozialstatus heute wesentlich gesündere Zähne als noch vor 20 Jahren. "Menschen mit Pflegebedarf oder in sozial schwierigen Lebenslagen profitieren aber nicht im gleichen Maße wie die Breite der Bevölkerung."

irb/AFP/dpa



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