Herz-Kreislauf-Erkrankungen So viel Schaden richtet eine Zigarette pro Tag an

In Deutschland wird jeder achte Todesfall durchs Rauchen verursacht. Wie schädlich schon eine einzige Zigarette pro Tag ist, haben Forscher jetzt ausgerechnet. Eine ist keine? Weit gefehlt.

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Zigaretten sind in Deutschland nicht mehr so beliebt, wie sie es mal waren - aber noch immer rauchen etwa jeder vierte Mann und jede fünfte Frau. Pro Jahr sterben 121.000 Menschen hierzulande an den Folgen des Rauchens, berichtete kürzlich das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Das entspricht 13,5 Prozent aller Todesfälle.

Die Mehrzahl der Raucher versucht irgendwann, sich die Zigaretten abzugewöhnen. Manchmal ist das Ziel dabei auch, die tägliche Menge zu reduzieren, in der Hoffnung, dass ein, zwei oder vielleicht auch fünf Zigaretten pro Tag kaum Schaden anrichten.

Eine im Fachblatt "BMJ" veröffentlichte Studie verdeutlicht jedoch, dass es bei Zigaretten keine unerhebliche, keine sichere Menge gibt. Menschen, die nur eine Zigarette pro Tag rauchen, haben demnach bereits ein erheblich höheres Risiko, eine gefährliche koronare Herzkrankheit (KHK) zu entwickeln oder einen Schlaganfall zu erleiden. Bei einer KHK sind die Blutgefäße, die das Herz versorgen, verengt oder zum Teil verschlossen, was unter anderem in einem Herzinfarkt münden kann.

Ein Team um Allan Hackshaw vom University College London wertete Daten von 141 Studien aus, die in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt wurden und sich mit dem Zusammenhang von Rauchen und Herzkrankheiten beschäftigten. So führten sie Informationen über mehrere Millionen Studienteilnehmer zusammen.


Wer hat's bezahlt?

Die Studie wurde von der privaten Stiftung Cancer Research UK finanziert.


Männer, die täglich eine Zigarette rauchen, haben demnach bereits ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko für eine KHK sowie ein um 45 Prozent erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls gegenüber männlichen Nichtrauchern. Für Frauen steigt das Risiko einer KHK mit einer täglichen Zigarette um 57 Prozent und das eines Schlaganfalls um 65 Prozent gegenüber Nichtraucherinnen.

Die Forscher verglichen das Risiko der Wenig-Raucher mit jenem von Rauchern, die eine Schachtel (20 Zigaretten) am Tag konsumierten. Dabei zeigte sich, dass eine Zigarette weit mehr Schaden anrichtet, als bloß ein Zwanzigstel des Schadens einer täglichen Packung. Sie ist stattdessen für ein Drittel bis die Hälfte des erhöhten Risikos der täglichen Zigarettenschachtel verantwortlich.


Wie groß ist das Risiko für den Einzelnen?

Was bedeutet es konkret, wenn das Risiko für eine koronare Herzkrankheit für Raucher einer täglichen Zigarette um 45 Prozent (Männer) beziehungsweise 57 Prozent (Frauen) gegenüber Nichtrauchern erhöht ist?

Das hängt vom Risiko des Einzelnen ab, welches unter anderem auch durch Alter, Blutdruck, Blutfettwerte, Diabetes und das Geschlecht beeinflusst wird. Ein Beispiel anhand eines bekannten Risikorechners für KHK: Ein 50-jähriger Nichtraucher mit durchschnittlicher Gesundheit hätte demnach ein Risiko von etwa 14 Prozent, in den folgenden zehn Jahren eine KHK zu entwickeln. Würde er täglich eine Zigarette rauchen, läge es dagegen bei 20 Prozent. Bei einer gleichaltrigen Frau würde das Risiko entsprechend von acht auf gut zwölf Prozent steigen.


"In Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es keine sichere Menge an Zigaretten. Raucher sollten aufhören, anstatt die Menge zu reduzieren", schreibt Kenneth Johnson von der University of Ottawa, Kanada, in einem begleitenden Kommentar im "BMJ".

Krebs und COPD: Warum 20 Zigaretten trotzdem viel schädlicher sind als eine

Die Ergebnisse bedeuten im Umkehrschluss aber nicht, dass es egal ist, ob man fünf oder 20 Zigaretten raucht und deshalb unbekümmert vom Wenig- wieder zum Viel-Raucher werden kann.

Denn Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern kann auch Krebs und die schwere Lungenkrankheit COPD verursachen. Und hier sind 20 Zigaretten täglich deutlich schädlicher als eine oder fünf.

Und was ist mit E-Zigaretten?

Weil viele Raucher trotz wiederholter Anläufe nicht von der Nikotinsucht loskommen, werden E-Zigaretten als mögliche Alternative diskutiert. Immerhin fallen diverse Schadstoffe, die beim Verbrennen herkömmlicher Zigaretten entstehen, bei E-Zigaretten nicht an. Bisher sind Forscher jedoch uneins, wie sie die Produkte einschätzen sollen. Das zeigt sich auch bei der aktuellen Veröffentlichung.

"Auch wenn E-Zigaretten weniger krebserregende Substanzen mit sich bringen, setzen sie Nutzer großen Mengen besonders kleiner Feinstaubpartikel und anderer Gifte aus, die das Risiko von Herzkreislauferkrankungen deutlich erhöhen", schreibt Johnson im "BMJ"-Kommentar. Die Produkte seien keineswegs sicher und sollten nicht empfohlen werden, ist sein Fazit.

Hackshaw und seine Kollegen führen dagegen an, dass E-Zigaretten Rauchern beim Aufhören helfen können. Sie halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die Produkte ähnlich schädlich sind wie das Rauchen von ein, zwei gewöhnlichen Zigaretten pro Tag.

insgesamt 149 Beiträge
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Grundrechte 25.01.2018
1. Diese menschenfeindliche Arroganz
bei den Statements zu den E-Zigaretten: Jedes Raucherleben, das zumindest e-wechselt, ist in erster Linie ein gerettetes Leben. Ignorante Statements von Institutionsangehörigen zeugen von unerträglicher Überheblichkeit gegenüber Menschen, die entweder nicht können oder wollen, aber willens wären, den Wechsel zu wagen. Wenn da nicht diese eindimensionalen Ansagen unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Autorität wären.
ImZweifel 25.01.2018
2. Na und?
Die meisten Raucher sind durch Vernunftsgründe eh nicht erreichbar, da wird auch diese neue Studie nicht viel bewegen. Nur aber, wer das Recht zur Unvernunft hat, ist wirklich frei. Also lasst sie doch.
hoppelkaktus 25.01.2018
3. Ich übernehme Verantwortung, ich bin bereit...
In einer übervölkerten Welt trage gerade auch ich, als überzeugter, leidenschaftlicher Raucher von täglich etwa 10 Zigaretten, in verantwortungsvoller Weise dazu bei, dass das Gedränge und wimmelnde Geschiebe auf diesem Planeten nicht noch viel rascher zur unbequemen Plage für die Menschheit als solche, aber auch den Rest der belebten Natur werde. Denn großherzig mache ich ja durch mein kalkuliertes (von mir also ganz bewusst in Kauf genommenes!) verfrühtes Ableben, zusammen mit so vielen anderen, die aus lächerlichen Gründen vorzeitig ins Gras beissen, ein bisschen Platz in dieser Welt, in der sich die viel zu viel gewordenen Menschen doch ohnehin schon jeden Tag qualvoll gegenseitig auf den Zehen stehen. Und, jaa: das ist Altruismus, ihr Säcke! Versteht ihr? Ich rauche und sterbe drum vermutlich viel schmerzhafter und jünger als die meisten gesünder lebenden: für EUCH ALLE. Nicht die Sucht ist schuld, dass ich vom Glimmstengel nicht ablasse, sondern höhere individuelle Moral plus Erwägungen im Geiste eines sublimen Gemeinsinns sind der wahre Treibsatz meines selbstschädigenden Tabakqualmens. Also ALTRUISMUS! nicht SUCHT! Klar?? - So, und nach so viel Aufregung brauch ich jetzt erst mal eine zum Durchziehen. Huch, mir flattern ja richtig die Hände. Mal jemand hier Feuer? Danke.
user124816 25.01.2018
4.
woher kommen denn die "besonders kleinen feinstaubpartikel" und was dind die "anderen gifte" bei e-zigaretten rauchen? ohne die information sind das für mich nur geschöpfte behauptungen.
ronald1952 25.01.2018
5. Wieviel Todesfälle,
Unfälle, Unfälle mit Verletzten oder gar Toten werden jedes Jahr durch Alkkohol verursacht? aber wie üblich sind mal wieder nur die Raucher daran. Habt Ihr eigendlich alle Angst vor der Alk-Lobby? Wieviel werden jedes Jahr mit wieviel Promille erwischt, die Dunkelziffer garnicht mit eingerechnet.Geht in die Krankenhäuse und fragt da mal wegen der Alkohol-Kranken und deren langwierege Behandlungen?Es ist wirklich Scheinheilig immer nur auf den Raucher und deren Leiden Herum zu reiten.Darüber sollten die Forscher mal so Nachdenken,aber mal Ehrlich wieviel trinkt Ihr Forscher eigendlich so pro Tag, an Bier, Schnaps, Sekt je nach Laune? schönen Tag noch,
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