Arbeitsrecht: Kein Hitzefrei für Büro- und Bauarbeiter

Bei mehr als 30 Grad schwindet die Konzentration. Ein Grund für Hitzefrei ist das allerdings nicht - das Arbeitsrecht kennt nicht einmal das Wort. Deshalb gilt: trinken, Pausen einlegen und nach Möglichkeit körperliche Anstrengungen vermeiden.

Bauarbeiter in Frankfurt: Kostenloses Wasser und Sonnensegel als Schutz Zur Großansicht
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Bauarbeiter in Frankfurt: Kostenloses Wasser und Sonnensegel als Schutz

Hamburg - Hitzefrei! Bei zu hohen Temperaturen können Schüler jubeln, davon profitieren auch die Lehrer - sie haben damit eine Ausnahmestellung unter Deutschlands Angestellten. Denn für Arbeitnehmer gibt es kein Recht auf Freizeit, wenn das Thermometer steigt und die Arbeit zur Qual wird. Allerdings müssen Arbeitgeber darauf achten, dass die Beschäftigten der Hitze nicht schutzlos ausgesetzt sind.

Welche Vorschriften gibt es für Temperaturen am Arbeitsplatz?

Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen. In besonderen Fällen, zu denen auch Sommertage zählen, müssen Beschäftigte aber auch bei Temperaturen von bis zu 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen.

Wie müssen Beschäftigte geschützt werden?

Die Arbeitsstättenrichtlinie schreibt vor, dass die Firmen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden einen Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung anbringen müssen. Dies können etwa Jalousien sein. Falls es trotzdem unerträglich heiß bleibt, sollten Beschäftigte ihren Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten.

Körpertemperatur
Was ist normal?
Der Körper hält seine Kerntemperatur in engen Grenzen zwischen 36,0 Grad Celsius und 37,5 Grad Celsius. Darüber sprechen Mediziner bis 38,0 Grad von erhöhter Temperatur. Alles über 38,0 Grad gilt als Fieber. Oberhalb von 40 Grad droht der Tod. Unterhalb von 33 Grad ist der Körper unterkühlt.
Regulation
Gesteuert wird die Körpertemperatur vom Hypothalamus im Gehirn. Diese Region steuert neben der Temperatur zum Beispiel auch den Blutdruck und den Schlaf. Die Kerntemperatur ändert sich je nach Tageszeit, Schlaf und Wachheit und bei Frauen im Rhythmus des Menstruationszyklus. Wärme produziert der Körper, indem er Energie verbrennt, zum Beispiel in der Muskulatur. Droht er auszukühlen, kann der Körper durch eine verminderte Durchblutung der Haut den Wärmeverlust bremsen.

Überschüssige Wärme gibt der Körper auf verschiedenen Wegen ab. Mittels Konvektion verliert der Körper Wärme an die ihn umströmende Luft. Der Körper strahlt Wärme nach außen ab (Radiation) und verliert schließlich Wärme durch die Verdunstung (Evaporation) von Wasser auf der Haut. Diese letzte Methode ist die effektivste: das Schwitzen. Mehr als zwei Liter Schweiß kann der menschliche Körper stündlich produzieren. Das birgt allerdings auch die Gefahr des Austrocknens und eines unausgeglichenen Elektrolythaushaltes, denn der Schweiß enthält neben Wasser große Mengen an Natrium und Kalium.
Fieber
Mit Fieber reagiert der Körper auf Infektionen oder Entzündungen. Dazu wird im Hypothalamus im Gehirn der Sollwert für die Körperkerntemperatur verstellt. Fieber ist also etwas anderes, als eine Überhitzung des Körpers. Während der überhitzte Körper versucht, die steigende Temperatur zu senken, ist die erhöhte Kerntemperatur beim Fieber gewollt.

Wie genau die Körperkerntemperatur verstellt wird, ist nicht vollständig bekannt. Im Hypothalamus sitzen Nervenzellen, die teilweise auf Wärme beziehungsweise Kälte reagieren. Bei Infektionen und Entzündungen werden im Körper Stoffe freigesetzt, sogenannte Pyrogene, die auf diese Nervenzellen wirken. Spritzt man gesunden Versuchspersonen diese Pyrogene, steigt ihre Körpertemperatur, bis sie Fieber haben. Normalerweise steigt die Temperatur nicht höher an als etwa 41 Grad. Wie der Körper das Fieber bremst, ist weitgehend unklar.
Hitzschlag und Sonnenstich
Beim Sonnenstich wird das Gehirn von der Hitze geschädigt. Die Überhitzung des Kopfes reizt die Hirnhäute, schlimmstenfalls schwillt das Gehirn an. Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen, wobei der restliche Körper nicht überhitzt. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder und Menschen mit Glatze.

Heizt sich dagegen der gesamte Körper auf, kommt es schlimmstenfalls zum Hitzschlag, bei dem letztendlich auch das Gehirn anschwillt. Vorstufen sind der hitzebedingte Kreislaufzusammenbruch und der durch die Hitze ausgelöste Krampfanfall.
Was können Schwangere tun?

Schwangere, stillende Mütter oder Mitarbeiter, die mit einem Attest gesundheitliche Probleme belegen können, können vom Arbeitgeber die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen verlangen. Falls der Arbeitgeber nicht für Kühlung sorgen kann, haben sie ein Recht auf Freistellung an den extrem heißen Tagen.

Wie schützen sich Menschen, die im Freien arbeiten?

Draußen arbeitende Menschen müssen vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Mützen bereitstellen. Auch eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen - langfristig droht sonst die Augenkrankheit grauer Star, die sogenannte Katarakt.

Was ist bei zu hoher Ozonbelastung?

Falls die Ozonwerte überschritten oder Sommersmog gemeldet wird, müssen Firmen den Empfehlungen der Behörden folgen. Insbesondere müssen schwere Arbeiten dann begrenzt werden. Das Umweltbundesamt liefert Messdaten und Verhaltenshinweise.

Können Arbeitszeiten angepasst werden?

Falls es vom Betrieb her möglich ist, empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Anpassung der Arbeits- und Pausenzeit an die Hitze. So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden.

Was kann man vorbeugend tun?

Die Hitze lässt sich nicht vermeiden - wohl aber ein zu sorgloser Umgang damit. Firmen sollten ihre Mitarbeiter schulen. Darin sollte es nicht nur um das richtige Verhalten bei Hitze gehen, sondern auch um Erste Hilfe im Fall von Hitzeerkrankungen wie einem Sonnenstich.

Hilft ein Ventilator gegen die Hitze im Büro?

Bei Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Grenze hilft häufig nur noch ein Ventilator. Allerdings warnten Forscher im vergangenen Jahr, dass die Ventilatoren bei über 35 Grad Celsius sogar dazu führen könnten, weiter zu überhitzen. Bei gesunden Menschen scheint nichts gegen einen Ventilator zu sprechen.

Lesen Sie mehr über die Hitzewelle in Deutschland: Abkühlung dringend gesucht +++ "Herr Schaffner, neuen Aufguss bitte!" +++ Babys gehören immer in den Schatten

dba/AFP

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insgesamt 58 Beiträge
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1.
Hans58 19.06.2013
Zitat von sysopBei mehr als 30 Grad schwindet die Konzentration. Ein Grund für Hitzefrei ist das allerdings nicht - das Arbeitsrecht kennt nicht einmal das Wort. Deshalb gilt: Trinken, Pausen einlegen und nach Möglichkeit körperliche Anstrengungen vermeiden. Sommerhitze: Im Büro gibt es kein Hitzefrei für Arbeitnehmer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/sommerhitze-im-buero-gibt-es-kein-hitzefrei-fuer-arbeitnehmer-a-906724.html)
Ausgeblendet wurden im Artikel die schwerbehinderten Menschen. In den meisten Vereinbarungen etc. ist folgender Passus aufgenommen: An Tagen mit extremen Wetterlagen (z.B. große Hitze, Föhn, Smog, große Kälte, Schnee- oder Eisglätte) sowie bei ungünstigen Arbeitsplatzverhältnissen (z.B. Baustellenlärm, Rammarbeiten in unmittelbarer Nähe der Dienststelle u.ä.), die sich nicht vermeiden lassen, soll schwerbehinderten Menschen, denen die jeweilige Wetterlage oder die ungünstigen Arbeitsplatzverhältnisse besondere Erschwernisse bereiten, in angemessenem Umfang Dienstbefreiung erteilt oder eine Erleichterung in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit gewährt werden.
2. Über 35 Grad Celsius
MatthiasBerlin 19.06.2013
sagen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten in Punkt 4.4 eindeutig: "Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne - technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), - organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder - persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung), wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet."
3. Früher war alles besser
z_beeblebrox 19.06.2013
Als Schüler jobbten wir im Hochsommer in Düsseldorf bei der LVA (Rentenkasse). Dort im kühlen Keller ordneten wir die "Fleppen" (neue Rentenbescheide) in die jeweiligen Akten ein. Der Vater eines Mitjobbers war Arzt bei der LVA. Morgens um 10 Uhr schaute der immer aufs Thermometer. War dieses über einem Limit (etwa 24 Grad) gabs ab 1 Uhr Hitzefrei für alle Angestellten (BüroarbeiterInnen) in der LVA. Für uns Schüler war das immer in Jubeltag und ab ins Freibad. Später, beim Praktikum im Hochsommer in der Gießerei und Schmiede eines Maschinenbauunternehmens durften die Jungs dort selbst bei Temperaturen in der Halle von über 60 Grad am Hochofen oder am Schmiedegesenk schuften. DIE bekamen NIE Hitzefrei, die bekamen vom Betrieb kostenlos einen leicht gesüßten kalten Tee - thats all.
4.
z_beeblebrox 19.06.2013
Zitat von MatthiasBerlinsagen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten in Punkt 4.4 eindeutig: "Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne - technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), - organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder - persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung), wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet."
Dann dürfte diese Woche in Deutschland gar nix mehr gehen. Tuts aber nicht - und nu? Diese ganzen TR sind was für die Tonne. Hält sich doch keiner dran.
5.
minoru 19.06.2013
"So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein...." In Spanien nennt man das siesta, was man in Deutschland immer mit Faulheit verwechselte.
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