Gesundheit

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Kampf gegen Pharmakonzern

Hilfsorganisationen wollen Patent auf 1000-Dollar-Pille kippen

Ein Medikament könnte Hunderttausenden das Leben retten, ist aber viel zu teuer. Ärzte ohne Grenzen will nun vor dem Europäischen Patentamt das Monopol des Herstellers auf das Hepatitis-C-Mittel Sovaldi anfechten.

AP

Das Pharmaunternehmen Gilead stellt das Hepatitis-C-Medikament her

Dienstag, 11.09.2018   16:42 Uhr

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Die Organisationen Ärzte ohne Grenzen und Ärzte der Welt haben vor dem Europäischen Patentamt in München Einspruch eingelegt gegen ein Patent auf den Wirkstoff Sofosbuvir (Markenname Sovaldi), das der US-Pharmakonzern Gilead hält. Die Arznei, die seit 2013 auf dem Markt ist, heilt sehr zuverlässig eine Hepatitis C. Unbehandelt löst die Infektionskrankheit schwere Leberschäden aus. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben daran jedes Jahr 399.000 Menschen.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen könnten 90 Prozent der Hepatitis-C-Patienten, die mit Sofosbuvir behandelt werden, in zwölf Wochen geheilt werden. Doch die Arznei ist so teuer, dass sie als 1000-Dollar-Pille in die Geschichte einging. Regierungen und Anbieter seien dadurch "in vielen Ländern gezwungen, den Zugang zu dem Medikament zu beschränken und nur für Menschen mit fortgeschrittenen Formen von Hepatitis C zu gewähren", schreibt Ärzte der Welt in einer Pressemitteilung.

52 Euro statt 43.000 Euro

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In Europa verlangt Gilead nach Angaben der Organisation für eine zwölfwöchige Therapie bis zu 43.000 Euro. In Ländern, in denen Sofosbuvir nicht von Patenten geschützt ist, koste die Behandlung dagegen dank des Wettbewerbs nur rund 52 Euro.

Durch das europäische Patent hat Gilead aber eine Monopolstellung und kann hohe Preise für den Wirkstoff bestimmen. Ein Sprecher des Europäischen Patentamts betonte, dass es in der Verhandlung nicht um eine politische Dimension der Debatte gehe, sondern nur darum, ob das Patent aus rein technischer Sicht zu Recht vergeben wurde. Am Donnerstag und Freitag soll in München verhandelt werden, für Donnerstag sind außerdem Proteste mit weiteren Organisationen vor dem Patentamt geplant.

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Nach Angaben der WHO sind weltweit rund 71 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert. Im europäischen Raum sind es 15 Millionen Menschen, etwa 112.500 Erkrankte sterben jedes Jahr an Folgeerkrankungen wie Leberkrebs oder Leberzirrhose.

hei/dpa

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