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Gesundheit im Büro: Stehen ist so gefährlich wie Sitzen

Kollegen am Stehtisch: Schützt Stehen im Büro vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Zur Großansicht
Corbis

Kollegen am Stehtisch: Schützt Stehen im Büro vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Menschen, die viel sitzen, sterben früher - egal wie viel sie sich sonst bewegen, so glaubte man bislang. Doch nun zeigt eine große Studie: Körperliche Aktivität könnte sehr wohl einen wichtigen Schutz bieten. Bei der Büroarbeit zu stehen, gilt aber nicht.

Die Deutschen sitzen zu viel. Daran wird auch diese Studie nichts ändern - und trotzdem stellt sie Grundlegendes infrage.

So deutete bislang viel darauf hin, dass zu langes Sitzen schlecht für die Gesundheit ist - egal, wie viel Sport man sonst macht. Doch laut einer großen Untersuchung stimmt die Sitztheorie so gar nicht.

Melvyn Hillsdon von der University of Exeter und Kollegen haben Daten zu den Lebensgewohnheiten und dem Gesundheitszustand von gut 5100 Londoner Verwaltungsangestellten ausgewertet. Über 16 Jahre hinweg gaben die Probanden in regelmäßigen Abständen an, wie viel Zeit sie pro Woche etwa im Büro, im Auto oder in ihrer Freizeit im Sitzen verbringen.

Bis zum 31. Juli 2014 waren 450 Mitglieder der Gruppe gestorben. Konkret entdeckten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen den Sitzgewohnheiten und dem Sterberisiko der Studienteilnehmer. Das führen sie auf eine Besonderheit der Studiengruppe zurück: Mit im Schnitt 43 Minuten am Tag seien die Probanden insgesamt mehr als doppelt so lang zu Fuß unterwegs gewesen wie der Durchschnittsbrite, schreiben sie im "International Journal of Epidemiology".

Demnach könnte Bewegung doch einen Schutz vor den gesundheitlichen Folgen von ständigem langen Sitzen bieten. Andersherum formuliert: "Jede ruhende Position, in der der Energieverbrauch gering ist, könnte schädlich für die Gesundheit sein, sei es Sitzen oder Stehen", sagt Hillsdon.

Zweifel am Nutzen von Stehtischen

Zuvor hatten zahlreiche Studien darauf hingedeutet, dass langes Sitzen das Risiko für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes und manche Krebsformen erhöht und damit Lebensjahre kostet - und das unabhängig davon, wie viel man sich sonst bewegt. Die logische Konsequenz: Forderungen nach mehr hochfahrbaren Tischen und Stehpults in Büros wurden laut, Arbeitnehmer sollen zum Aufstehen animiert werden.

Die aktuellen Ergebnisse riefen nun Zweifel am Nutzen von höhenverstellbaren Tischen hervor, so die Forscher. Ärzte sollten künftig vorsichtig sein, Sitzen unabhängig von Bewegungsmangel als Risikofaktor für einen früheren Tod anzuerkennen.

Gleichzeitig sagt die Studie aber nichts darüber aus, inwiefern Stehtische bei konkreten Leiden, etwa im Rücken, hilfreich sein können. Auch müsse noch geklärt werden, wie genau sich langes Sitzen auf die Stoffwechselprozesse im Körper auswirkt. So hatten kleinere Untersuchungen (etwa hier und hier) gezeigt, dass sich die Art, wie Zucker im Körper verwertet wird, im Sitzen und Stehen oder Gehen unterscheidet.

Fest steht: Wer viel sitzt, sollte seine Position regelmäßig verändern, um einseitige Belastung im Rücken zu vermeiden. Auch Aufstehen, Herumlaufen oder ein paar Treppen zu steigen, kann dabei helfen. Insgesamt gilt: Bewegung, ausgewogene Ernährung und ein normales Körpergewicht bleiben die wichtigsten Voraussetzungen für ein möglichst langes und gesundes Leben.

Details zur Studie
So lief die Studie ab
Daten von 3720 Männern und 1412 Frauen aus der Whitehall II Studie wurden ausgewertet. Für die Untersuchung protokollieren Forscher seit 1985 die Lebensgewohnheiten und den Gesundheitszustand der zu Beginn der Studie 35 bis 55-Jährigen, die alle im öffentlichen Dienst in London arbeiten, aber unterschiedliche Aufgaben und Karrierestufen erreicht haben.
Die Sitzgewohnheiten wurden erstmals zwischen 1997 und 1999 erfasst und in den folgenden Jahren immer wieder überprüft. Die Forscher wollten jeweils von den Studienteilnehmern wissen, wie viele Stunden sie pro Woche beispielsweise auf der Arbeit sitzen, im Auto, vor dem Fernseher oder am heimischen Schreibtisch.
In die Studie wurden nur Probanden einbezogen, die zu Beginn keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten und ansonsten so gesund waren, dass sie normal zur Arbeit gehen konnten. Sonstige Einflussfaktoren auf das Sterberisiko wie Rauchen, Alkoholkonsum und Ernährungsweise wurden in der Berechnung berücksichtigt.
Das sind die Ergebnisse
Im Studienverlauf von 16 Jahren starben 450 Probanden. Die Forscher fanden allerdings bei keinem einen Zusammenhang zwischen der Sitzdauer und der Lebensdauer - egal, ob sie in die Studie einrechneten, wie viel sich die Probanden insgesamt bewegt hatten oder nicht.
Da die Teilnehmer in der untersuchten Gruppe im Vergleich zur britischen Gesamtbevölkerung körperlich überdurchschnittlich aktiv sind, vermuten die Forscher einen Schutzeffekt durch Bewegung. Das widerspricht bisherigen Studien, die zum Ergebnis kamen, dass auch Sport Menschen, die jeden Tag stundenlang am Schreibtisch sitzen, nicht vor einem früheren Tod schützen kann.
Das kann die Studie nicht
Wie alle epidemiologischen Studien lässt sich kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Sitzen, der Bewegungsdauer und dem Todeszeitpunkt nachweisen. So wäre etwa denkbar, dass sich nicht das Sitzen an sich auf die Gesundheit auswirkt, sondern dass Menschen, die auf der Arbeit viel sitzen, mehr Stress haben - und Bewegung sie vor Stressreaktionen schützt.
Da Probanden für die Studie befragt wurden, ergeben sich auch daraus Unsicherheiten. Das Ergebnis kann durch ungenaue Angaben verfälscht werden, etwa, weil die Befragten sich bewusst oder unbewusst aktiver und gesünder darstellen, als sie es tatsächlich sind. Auch, dass nur Arbeitnehmer einer Branche befragt wurden, ist eine mögliche Fehlerquelle, auch, wenn die Gruppe in diesem Fall sehr groß war und unterschiedliche Gesellschaftsschichten abdeckt.
Wer hat's bezahlt?
Die Studie wurde vom britischen Medical Research Council, der British Heart Foundation, der Stroke Association, dem National Heart Lung and Blood Institute sowie dem National Institute on Aging finanziert. Außerdem hat das National Institute for Health Research die Auswertung der Daten mit finanziert.
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jme

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Für Atheisten
blinkmichnichtan 14.10.2015
sind diee sogenannten Wissenschaftler die wahren Götter. Die Hauptsache, sie bleiben im Gespräch und haben ihre Daseinsberechtigung. Ich kenne auch eine tolle Weisheit: Sitzt der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist.
2. Rettung zum Schluss
Bueckstueck 14.10.2015
Die einzig brachbare Information findet sich im letzten Absatz. Alles andere ist fürs Individuum belanglos. Auch Bürogummis und Bleistiftspitzer sollen sich regelmässig am Arbeitsplatz bewegen, wenn ihnen was an Beschwerdefreiheit liegt. Sterben tun sowieso alle.
3. Publish or perish!
steffen.ganzmann 14.10.2015
Der medizinische Sinn von Stehpulten ist nicht, sich mehr zu bewegen, sondern die Wirbelsäule ihre natürliche Doppel-S-Form einnehmen zu lassen ...
4. @blinkmichnichtan
Paddel2 14.10.2015
Ihr Kommentar macht mich fassungslos. Haben Sie denn keine Ahnung von Statistik? Wissen Sie nicht, was Kausalität bedeutet und wie man Aussagen zu Risikofaktoren richtig lesen muss? Aus den bisherigen Studien konnte abgeleitet werden, dass Sitzen ein Risikofaktor ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Sitzen selbst das Problem ist, sondern dass die eigentliche Ursache beim Sitzen vorliegt. Aus diesem Grund werden weitere Studien ins Leben gerufen, die das Problem weiter eingrenzen sollen. Aus Unwissenheit Leistungen anderer zu entwerten ist ein beschämendes Vorgehen. Der Wissenschaft ist es zu verdanken, dass wir heute besser und länger leben!
5.
_betablogger 14.10.2015
Die Überschrift ist reißerisch und falsch. Das Ergebnis der Studie ist nicht, dass "Stehen gefährlich" sei, sondern dass in dieser Studie keinerlei Einfluss der Sitzgewohnheiten auf die Mortalität gefunden wurde. Dies wird darauf zurückgeführt, dass sich die Probanden der Studie überdurchschnittlich viel bewegten. Die Überschrift könnte also lauten: Ein Plus an Bewegung hebt negative Effekte vielen Sitzens auf.
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