Steigende Lebenserwartung Wie alt kann der Mensch werden?

Forscher streiten darüber, ob der Mensch irgendwann ein Höchstalter erreicht. Eine Studie mit hochbetagten Italienern spricht dagegen: Ist man erst einmal 105, kann das Leben noch ziemlich lange dauern.

Porträt einer 93-Jährigen
Getty Images

Porträt einer 93-Jährigen


Das Risiko, innerhalb des nächsten Jahres zu sterben, nimmt einer Studie zufolge ab einem Alter von 105 nicht weiter zu. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Science". Es hatte Daten von mehreren Tausend hochbetagten Italienern ausgewertet. Die Ergebnisse befeuern die Debatte, ob es für Menschen ein Höchstalter gibt.

"Unsere Daten zeigen, dass bei der Lebenszeit des Menschen bislang keine feste Obergrenze in Sicht ist", sagte Studienautor Kenneth Wachter von der University of California in Berkeley einer Uni-Mitteilung zufolge. Unabhängige Experten warnen aber vor vorschneller Euphorie.

Unter Forschern ist umstritten, ob das Sterberisiko bei Menschen im hohen Alter ein konstantes Level erreicht. Die Natur zeigt jedoch, dass so etwas durchaus möglich ist. Bei Lebewesen wie Insekten, Würmern oder Hefe sinkt im hohen Alter sogar das Risiko, in absehbarer Zeit zu sterben.

Ab 80 werden die Aussichten besser

Wachter und seine Kollegen nutzten für ihre Untersuchung Daten des italienischen Statistikamts Istat. Diese berücksichtigen alle italienischen Frauen und Männer, die zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 31. Dezember 2015 ein Alter von 105 Jahren oder mehr erreicht hatten. Geburts- und Sterbeurkunden dokumentierten das Alter bei allen Personen, was für eine hohe Qualität der Daten spricht.

Anschließend bestimmten die Wissenschaftler das Sterberisiko. Die Analyse ergab, dass bis zu einem Alter von 80 Jahren die Wahrscheinlichkeit exponenziell ansteigt, im nächsten Jahr beerdigt zu werden. Grund dafür sind mit dem Alter steigende Risiken beispielsweise für Krebs oder Herzinfarkte. Bei noch älteren Menschen hingegen nimmt das Sterberisiko nur noch langsamer zu - bis es den Forschern zufolge ab einem Alter von 105 Jahren gar nicht mehr ansteigt, sondern konstant bleibt. Das Risiko besteht weiter, nimmt aber nicht mehr zu.

Wie lässt sich das erklären?

Laut Wachter und seinem Team könnte es sein, dass extrem alte Menschen besonders gute medizinische Versorgung genießen. Zudem würden generell gebrechliche Menschen früher streben, robuste aber extrem alt werden.

"Wenn es ein gleichbleibendes Niveau des Sterberisikos gibt, dann gibt es auch kein Limit für das Alter", sagt auch der französische Demografie-Experte Jean-Marie Robine, der nicht an der Studie beteiligt war, laut einem Artikel im Fachblatt "Nature". Der älteste bekannte Mensch, die 117-jährige Japanerin Chiyo Miyako, könnte also theoretisch noch einige Jahre vor sich haben.

Robine gibt allerdings auch zu bedenken, dass unveröffentlichte Daten aus Frankreich, Japan und Kanada keine eindeutigen Hinweise auf ein gleichbleibendes Sterberisiko im hohen Alter liefern. Ihm zufolge bräuchte man eine Auswertung, die weltweite Daten berücksichtigt.

Auch andere Forscher zweifeln in dem "Nature"-Artikel an der Aussagekraft der neuen Studie. Die Hinweise auf ein gleichbleibendes Sterberisiko seien "marginal". So seien Daten von weniger als 100 Menschen eingeflossen, die älter als 110 Jahre alt waren. Andere Experten nennen die Schlussfolgerungen der Studie biologisch unplausibel.

"Es begegnen einem grundsätzliche Begrenzungen", sagte Jay Olshansky, ein Experte für Biodemografie an der Universität von Illinois in Chicago. So gebe es im Körper Zellen, die sich nicht teilen, wie etwa Neurone. Solche Zellen verkümmerten und stürben mit fortschreitendem Alter ab. Das setze der Lebenszeit der Menschen natürliche Grenzen. Die Diskussion geht weiter.

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irb/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
leander.1991 03.07.2018
1. Grandioser Unsinn...
mit dem weiter die irrsinnigen Lebenszeitprognosen der Versicherer zu Allgemeingut werden sollen. Gut für deren Profit halt, wer früher stirbt ist halt selber schuld. Realität: Die Lebenserwartung wird mit zunehmender Altersarmut, schlechterer Pflege/medizinischer Versorgung "Nutzloser" wieder sinken, dahin dreht Global der Wind. Zudem wurden Umweltgifte weiter optimiert, so das man sie heute nicht mehr als störend wahrnimmt wie ehedem als es noch stank wenn etwas nicht in Ordnung war.
ideologiefreier-Realist 03.07.2018
2. Wieder solch ein unnützer Kommentar,
Zitat von leander.1991mit dem weiter die irrsinnigen Lebenszeitprognosen der Versicherer zu Allgemeingut werden sollen. Gut für deren Profit halt, wer früher stirbt ist halt selber schuld. Realität: Die Lebenserwartung wird mit zunehmender Altersarmut, schlechterer Pflege/medizinischer Versorgung "Nutzloser" wieder sinken, dahin dreht Global der Wind. Zudem wurden Umweltgifte weiter optimiert, so das man sie heute nicht mehr als störend wahrnimmt wie ehedem als es noch stank wenn etwas nicht in Ordnung war.
in dem es nur um die bösen Konzerne etc. geht. Er hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun. Hier geht es um eine mögliches, biologisches Höchstalter von Menschen. Haben sie das nicht verstanden?
Siggi_Paschulke 03.07.2018
3.
Ich dachte erst, das Foto zeigt den gealterten Rolf Eden :-)
franxinatra 03.07.2018
4. Spätestens wenn das Sehvermögen abnimmt
Kann das Alter doch schon zur Qual werden. Dann baut das Gehör ab, die sozialen Kontakte erodieren. Machen solche Forscher keine Altenpflege, oder sind das wieder nur Erfüllungsstudien???
cherrypicker 03.07.2018
5. Was für ein Blödsinn!
"Wenn es ein gleichbleibendes Niveau des Sterberisikos gibt, dann gibt es auch kein Limit für das Alter" -- wer so etwas sagt, hat offensichtliche weder von Statistik noch von Infinitesimalrechnung eine Ahnung. "Gleichbleibendes Risiko" impliziert, dass die Wahrscheinlichkeit lediglich nicht mehr zunimmt. Läuft die Zeit gegen unendlich, ist man dennoch mit Sicherheit tot. Realiter dürfte der Exitus wesentlich früher eintreten. Fakt ist, dass außer der Französin Jean Calment kein Mensch nachgewiesenermaßen älter als 120 Jahre alt geworden ist und dieser Rekord ist seit über 20 Jahren ungebrochen. Wie lässt sich daraus bitte ein "Trend zur Unsterblichkeit" ablesen?
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