Niederlande: Legalisierung führt nicht zu mehr Sterbehilfe

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Beistand am Ende des Lebens: Ab wann ist Leid unerträglich?

Die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe führt einer niederländischen Studie zufolge nicht dazu, dass mehr Menschen durch die Hand eines Arztes sterben. Während mobile Sterbehelfer in Holland jedoch schon Hausbesuche machen, ist in Deutschland auch die Beihilfe zur Selbsttötung weiterhin verboten.

Amsterdam - In den Niederlanden hat die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe zufolge nicht dazu geführt, dass mehr Menschen auf diese Weise sterben. Das berichten Wissenschaftler der Universitätskliniken in Rotterdam und Amsterdam im britischen Medizinjournal "Lancet". Weniger als drei Prozent aller Menschen, die im Jahr 2010 in den Niederlanden starben, kamen demnach durch aktive Sterbehilfe oder ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung ums Leben. Dies entspreche dem Verhältnis vor der Legalisierung im Jahr 2002.

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler um Bregje Onwuteaka-Philipsen von der Freien Universität Amsterdam Stichproben aus den Sterberegistern der Niederlande aus den Jahren 1990, 1995, 2001, 2005 und 2010 ausgewertet. Demnach waren die Zahlen von 2010 vergleichbar mit den Daten aus den Jahren 1990 u 2001. Nach Einführung der rechtlichen Sterbehilfe-Regelung hatte die Zahl der Todesfälle tendenziell abgenommen, wie sich im Jahr 2005 zeigte, als nur 1,7 Prozent der Verstorbenen durch aktive Sterbehilfe oder assistierte Selbsttötung ums Leben kamen (294 von 9965 untersuchten Fällen).

Insgesamt ließen sich 2005 nach Angaben des niederländischen Gesundheitsministeriums mehr als 2300 Menschen ausdrücklich auf eigenen Wunsch vom Diesseits ins Jenseits befördern, das entspricht fast zwei Prozent aller Sterbefälle in dem Land. Durch das Beenden lebensverlängernder Maßnahmen starben im selben Jahr 21.300 Menschen (16 Prozent).

Sterbehilfe auch ohne die ausdrückliche Bitte darum

Die Studienergebnisse könnten Befürchtungen von Kritikern der aktiven Sterbehilfe abschwächen, dass durch die Legalisierung mehr Patienten gegen ihren Willen getötet würden. "Zwar können die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf andere Länder übertragen werden", schreiben die Autoren im "Lancet". "Aber sie können in der Debatte um eine Legalisierung zur Sterbehilfe wichtige Informationen liefern."

Die Niederlande hatten 2002 als erstes Land der Welt ein Sterbehilfegesetz verabschiedet. Danach ist Sterbehilfe und ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung nicht strafbar, wenn ein Patient aussichtslos krank ist und unerträglich leidet sowie mehrfach und ausdrücklich um Sterbehilfe gebeten hat. Ein zweiter Arzt muss konsultiert und jeder Fall bei regionalen Prüfungskommissionen gemeldet werden.

Sterbehilfe in anderen Ländern
Niederlande und Belgien
Die Niederlande waren das erste Land weltweit, das "aktive Sterbehilfe" erlaubt. Seit April 2002 dürfen Ärzte dort einem Schwerkranken eine tödliche Spritze verabreichen, wenn der Patient im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und es wünscht. Ein Kontrollausschuss aus einem Arzt, einem Juristen und Ethikexperten muss der Sterbehilfe zustimmen. Wenige Monate später folgte Belgien dem Beispiel mit einem ähnlichen Gesetz.

Schweiz
Die Schweiz hat eine vergleichsweise liberale Gesetzgebung. Der Staat nimmt die Beihilfe zur Selbsttötung hin, sie ist aber nicht ausdrücklich erlaubt. Laut Gesetz ist es strafbar, jemandem "aus selbstsüchtigen Beweggründen" beim Suizid zu helfen - solange dem Helfer aber kein selbstsüchtiger Beweggrund vorzuwerfen ist, wird er nicht bestraft. Mediziner dürfen einem unheilbar Kranken eine tödliche Dosis eines Medikamentes besorgen, die er dann selbst einnehmen muss.

Frankreich
In Frankreich dürfen die Ärzte einen unheilbar kranken Patienten "sterben lassen", sein Leben aber nicht aktiv beenden. Das heißt, der Patient darf auf eigenen Wunsch schmerzstillende Mittel bekommen, auch wenn sein Tod durch die Medikamente möglicherweise beschleunigt wird. Die Ärzte dürfen auch lebensverlängernde Maßnahmen - wie künstliche Beatmung - einstellen.

Großbritannien, Schweden, Norwegen
Auch in Großbritannien dürfen Ärzte einem Schwerkranken hohe Dosen an Schmerzmitteln verabreichen, selbst wenn sie damit in Kauf nehmen, dass der Patient schneller stirbt. In Schweden und Norwegen ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, lebensverlängernde Behandlungen einzustellen.

Griechenland, Polen
In Griechenland, wo die orthodoxe Kirche sehr stark ist, gilt Sterbehilfe als Beleidigung Gottes und ist streng verboten. Auch das katholische Polen hat Sterbehilfe unter Strafe gestellt - wer gegen das Gesetz verstößt, nimmt bis zu fünf Jahre Gefängnis in Kauf.

Quelle: AFP
Der Studie zufolge wurden allerdings nur 77 Prozent aller Fälle tatsächlich gemeldet. Im Jahr 2005 hatte es nach Angaben der Forscher in den von ihnen untersuchten Stichproben 45 Patienten (0,8 Prozent) gegeben, deren Leben ohne ihre ausdrückliche Zustimmung beendet worden war, im Jahr 2010 waren es 13 (0,2 Prozent).

In den Niederlanden sind seit März dieses Jahres zudem professionelle Sterbehilfe-Teams unterwegs. Sie ebnen Schwerstkranken und Lebensmüden den Weg in den Tod. Kritiker fürchten jedoch einen fließenden Übergang von Lebenskrise zu Lebensende - und eine Kommerzialisierung des Todes.

In Deutschland ist aktive Sterbehilfe gesetzlich verboten. Selbst die Beihilfe zum Suizid, die nach dem Gesetz straffrei bleibt, ist Ärzten hierzulande seit einem umstrittenen Beschluss des letzten Deutschen Ärztetags berufsrechtlich nicht mehr erlaubt.

Kürzlich schilderte die "Zeit" einen Fall von Sterbehilfe aus Belgien: Eine 43-jährige Frau, die einen Schlaganfall erlitten hatte, ließ sich bereits ein gutes Jahr später töten. Sie litt an Sehstörungen und war pflegebedürftig - konnte aber laufen, hören und kommunizieren. Besonders brisant war der Fall, weil die Patientin gleichzeitig ihre Organe spendete. Sie wurde im Operationssaal getötet, unmittelbar danach fand die Organentnahme statt.

hei/dpa

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1. ===
Originalaufnahme 12.07.2012
"Die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe führt einer niederländischen Studie zufolge nicht dazu, dass mehr Menschen durch die Hand eines Arztes sterben." Stimmt. Denn den meisten Ärzten ist der juristische Weg zu kompliziert. Es ist viel einfacher, dem Patienten eine Überdosis Schwerzmittel zu verschreiben. Die Menschen sterben dann eben durch die Hand der Krankenpflerinnen und -pfleger. "Zahlen aus den Niederlanden legen diesen Verdacht nahe, die Zahlen für Euthanasie stagnieren, die für "palliative Sedierung" steigen stark. Quelle: Deutsches Ärzteblatt: Der Einsatz von Morphium: Zwischen Pflicht und Strafe (25.03.2011) (http://www.aerzteblatt.de/archiv/81691) "Eine jüngere Untersuchung von Murray et al. im British Medical Journal zeigt, dass zwischen 2001 und 2005 die Zahl der im Rahmen einer terminalen Sedierung in den Niederlanden Verstorbenen zu- und die an aktiver Sterbehilfe Verstorbenen abnahm. Dies legt nahe, dass die terminale Sedierung zunehmend als Alternative zur Sterbehilfe angesehen wird." Quelle: Terminale Sedierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Terminale_Sedierung)
2. Hilfe benötigt - dringend
BettyB. 12.07.2012
Wer sein Leben beenden will, bedarf der Hilfe. Erst einer ärztlich/psychologisch/sozialen Beratung und dann geeigneter Medikamente. Es sollte nämlich vermieden werden, dass Sterbenswillige Brücken oder Züge suchen, um sich ihren letzten Lebenswunsch zu erfüllen...
3.
Ingmar E. 12.07.2012
Zitat von OriginalaufnahmeStimmt. Denn den meisten Ärzten ist der juristische Weg zu kompliziert. Es ist viel einfacher, dem Patienten eine Überdosis Schwerzmittel zu verschreiben. Die Menschen sterben dann eben durch die Hand der Krankenpflerinnen und -pfleger.
Sie missinterpretieren die Zahlen. Es ist heutzutage einfach so, dass wir die Therapie früher beenden, also nicht mehr den 95jährigen noch versuchen zu retten, nur weil man irgendwann mal damit angefangen hat. Dann beginnen wir Morphin zu geben, aber nicht mit dem Ziel das Sterben zu verschnellern, sondern mit dem Ziel dass wir 100%ig sicher sind, dass der Mensch keine Schmerzen, auch wenn er sich nicht mehr äußern kann. Was den Menschen dann umbringt ist nicht das Morphin, sondern die Einstellung der Therapiemaßnahmen. Würden wir das Morphin geben und weiterhin Therapie betreiben, würde der Mensch trotz der Morphin-gabe nicht sterben, hätte halt dann andere Probleme mit der hohen Opioid-Dosis (Übelkeit,Verstopfung). Würde man die Therapie fortsetzen, würde man die Opioide niedriger dosieren, um sich nicht diese zusätzlichen Probleme einzuhandeln. Da man aber eh weiß dass der Mensch ohne Therapie bald stirbt, ist so eine Nebenwirkung wie eine Verstopfung für uns dann nicht mehr relevant, sondern es zählt eher das auf Nr.Sicher gehen bei den Schmerzen. Gerade weil sich diese MEnschen dann oft nicht mehr äußern können und die restlichen Anzeichen von Schmerzen (Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck) unsicher werden in der terminalen Phase. Ich bin ein Pfleger auf einer neurologischen Intensivstation, 1/3 der Deutschen sterben am Schlaganfall und dessen Spätfolgen. Was sie hier thematisieren ist mein tägliches Brot, und nur weil wir beim Therapieende auf Morphin umsteigen, betreibe ich noch lange keine Sterbehilfe unter der Hand. Ich bin eher der Meinung dass eine gute palliative Versorgung des Patienten, also Schmerzen zu beenden, keine Luftnot zuzulassen, für das psychische Wohlergehen zu sorgen, eine Sterbehilfe eher unnötig werden lassen. Die Menschen haben doch nicht Angst vor dem Tod, sondern vor einem Sterben mit Leid. Palliativmedizin kann aber das Leid extrem senken, wenn nicht gar komplett ausschalten, und dann kann der Sterbende diesen Vorgang auch ganz anders wahrnehmen. Ich seh keinen Grund diesen Vorgang zu verschnellern.
4.
großwolke 12.07.2012
Zitat von sysopDie Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe führt einer niederländischen Studie zufolge nicht dazu, dass mehr Menschen durch die Hand eines Arztes sterben. Während mobile Sterbehelfer in Holland jedoch schon Hausbesuche machen, ist in Deutschland auch die Beihilfe zur Selbsttötung weiterhin verboten. Sterbehilfe in Holland: Legalisierung führte nicht zu mehr Sterbehilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,844005,00.html)
Ich bin zwar erst Anfang 30, hoffe aber inständigst, dass dieses leidige Thema auch in Deutschland bald dahingehend gelöst wird, dass jeder darf wie er will. Zwei konsultierende Ärzte und ein prüfendes Amt, so wie der Artikel die Zustände in den Niederlanden beschreibt, das sollte doch wirklich reichen, um artikulationsfähigen Individuen ihre Überlebensrechte zu sichern. Sollte Alzheimer irgendwann zuschlagen, will ich ehrlich gesagt nicht erleben, wie ich sterbe, während der Körper, schmerzfrei und quietschvergügt, noch ein paar Jahre ohne mich weitermacht.
5. Beihilfe zum suizid ist in Deutschland straffrei!
gourge 12.07.2012
Zitat von sysopDie Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe führt einer niederländischen Studie zufolge nicht dazu, dass mehr Menschen durch die Hand eines Arztes sterben. Während mobile Sterbehelfer in Holland jedoch schon Hausbesuche machen, ist in Deutschland auch die Beihilfe zur Selbsttötung weiterhin verboten. Sterbehilfe in Holland: Legalisierung führte nicht zu mehr Sterbehilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,844005,00.html)
Mir ist unerklärlich, wie der "Spiegel" zu dieser Aussage kommt: die "Beihilfe zur Selbsttötung" ist in Deutschland definitiv straffrei, sie existiert juristisch nicht: Anstiftung (§ 26 StGB) und Beihilfe (§ 27 StGB) sind nur möglich bei einer vorsätzlichen und rechtswidrigen Haupttat, wie sich schon unmittelbar aus dem Gesetzestext ergibt. Der Suizidversuch ist in Deutschland aber definitiv nicht strafbar (der vollendete Suizid naheliegenderweise sowieso nicht - man kann keine Leiche bestrafen), und einen eigenen Tatbestand der "Suizidbeihilfe" bzw. "Anstiftung zum Suizid" gibt es nicht. Somit sind auch Anstiftung und Beihilfe zum Suizid straffrei. Strafbar ist in Deutschland allenfalls die Tötung auf Verlangen nach § 216 StGB, die sich aber grundlegend von Beihilfe und Anstiftung zur Selbsttötung unterscheidet.
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Arten der Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe
Der Tod eines Menschen wird absichtlich und aktiv herbeigeführt. Zum Beispiel, indem ein Arzt eine tödliche Dosis Medikamente verabreicht. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland verboten (Tötung auf Verlangen oder Totschlag oder gar Mord).
Passive Sterbehilfe
Lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel künstliche Ernährung werden auf Wunsch des Sterbewilligen eingestellt. Er erhält eine schmerzlindernde Behandlung, die Grundpflege und Seelsorge werden beibehalten. In Deutschland ist diese Form bei entsprechendem Patientenwillen straflos.
Indirekte aktive Sterbehilfe
Ein Arzt verabreicht einem Patienten auf dessen Wunsch hin schmerzlindernde Medikamente, zum Beispiel Morphin. Eine lebensverkürzende Wirkung wird in Kauf genommen, ist aber nicht beabsichtigt. Diese Form ist in Deutschland straflos, aber die Grenze zur aktiven Sterbehilfe ist fließend.
Assistierte Selbsttötung
Eine Person leistet Beihilfe zum Suizid, etwa durch Beschaffung eines tödlichen Mittels. Der Patient muss es selbständig einnehmen, bei der Handlung darf nicht einmal jemand seine Hand führen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Ärzten drohen theoretisch jedoch berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Approbation: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten", heißt es in Paragraf 16 der Muster-Berufsordnung, wie sie als Empfehlung vom Deutschen Ärztetag beschlossen wurde. Allerdings haben mehrere Landesärztekammern die Formulierung abgewandelt oder gar nicht in ihre Berufsordnungen übernommen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, kann sich laut SPIEGEL an keinen Fall erinnern, in dem es in den vergangenen Jahren wegen Sterbehilfe zum Entzug der Approbation gekommen wäre.
Patientenverfügung
In Deutschland haben Volljährige die Möglichkeit, in einer Patientenverfügung im Voraus schriftlich festzulegen, ob und wie sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten (Paragraf 1901a, Bürgerliches Gesetzbuch). Diese Angaben sind - sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind - für Ärzte verbindlich. Ausführliches Info-Material stellt das Justizministerium zur Verfügung.

Die Regelungen zur Sterbehilfe in Deutschland
Indirekte aktive Sterbehilfe
Beim Thema Sterbehilfe wird generell zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe sowie Beihilfe zur Selbsttötung unterschieden. Eine direkte, aktive Tötung, etwa mit einer Giftspritze, ist auch auf Verlangen strafbar. Erlaubt ist allerdings eine indirekte aktive Sterbehilfe: etwa der Einsatz von Medikamenten, deren Nebenwirkungen die Lebensdauer herabsetzen können. Die aktive Lebensverkürzung wird dabei als ungewollte, aber unvermeidbare Nebenwirkung billigend in Kauf genommen.
Passive Sterbehilfe
Unter passiver Sterbehilfe verstehen Juristen das "Zulassen des natürlichen Sterbens": Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Beatmung oder künstliche Ernährung unterlassen oder beendet. Auch eine Sterbebegleitung in Form von Beistand, Seelsorge und schmerzstillender Palliativmedizin gilt als passive Sterbehilfe.
Patientenwille
Wichtig ist es bei der passiven wie auch der indirekten aktiven Sterbehilfe, den Willen des Patienten zu kennen. Denn - vereinfacht gesagt - ist hier fast alles erlaubt, wenn es dem Willen des Patienten dient. Umgekehrt kann das passive Sterbenlassen eines Hundertjährigen eine Tötung sein, wenn dieser leben will.
Patientenverfügungen
Die neue gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung (Drittes Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts) wurde im Juni 2009 nach sechsjähriger Debatte vom Bundestag verabschiedet. Danach sind schriftliche Patientenverfügungen für Ärzte und Angehörige verbindlich, unabhängig vom Krankheitsstadium. Das heißt, dass die Verfügung auch befolgt werden muss, wenn der Kranke noch nicht die Sterbephase erreicht hat. Fordert der Patient die Einstellung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen, muss der Arzt dies umsetzen.
Beihilfe zum Suizid
Problematisch wird es bei der Beihilfe zur Selbsttötung. Das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht gibt jedem das Recht, aber nicht die Pflicht zu leben. Da somit in Deutschland eine Selbsttötung straffrei ist, ist auch die Beihilfe zur Selbsttötung straffrei, wenn sie vor der Tötung stattfindet - also ein Helfer dem Sterbewilligen etwa ein Glas mit Gift hinstellt, das dieser dann selbständig austrinkt.

Im Gegensatz zum Strafrecht verbietet das Standesrecht den Ärzten in Deutschland jedoch die Beihilfe zum Suizid. So dürfen die dafür geeigneten Wirkstoffe für diesen Zweck nicht verordnet werden, es handelt sich deshalb unter Umständen um einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Bundesärztekammer hatte außerdem bereits vor einiger Zeit erklärt, dass es sich bei einem ärztlich assistierten Suizid aus ihrer Sicht um Tötung auf Verlangen handele. Diese wird laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren geahndet (Paragraf 216, StGB).