200 Millionen Euro mehr Gröhe will Versorgung Sterbenskranker verbessern

Rund 900.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland - viele nach einem Prozess des Leidens. Ein Gesetzentwurf soll ihre Versorgung verbessern, vor allem auf dem Land. Für die Krankenkassen bedeutet dies Millionenkosten.

Mehr Halt: Vor allem auf dem Land ist die Versorgung Sterbenskranker schwierig
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Mehr Halt: Vor allem auf dem Land ist die Versorgung Sterbenskranker schwierig


Berlin - Sterbende sollen in Deutschland künftig weit besser betreut werden, vor allem auf dem Land. Ein neuer Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) soll Lücken in der Hospiz- und Palliativversorgung schließen, wie am Mittwoch aus Regierungskreisen in Berlin verlautete. Die Mehrkosten von bis zu 200 Millionen Euro pro Jahr sollen die gesetzlichen Krankenkassen tragen.

Bereits seit Jahren geben die Kassen immer mehr Geld für die Betreuung Sterbenskranker aus. So stiegen die Ausgaben für die immer größeren Teams aus Ärzten, Pflegern, aber auch Seelsorgern, die nach Hause kommen, von rund 2 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 264 Millionen im Jahr 2014. Für stationäre Hospize und ambulante Hospizdienste waren es 2008 noch 69 Millionen Euro, vergangenes Jahr 144 Millionen. Hinzu kommen die Kosten entsprechender Abteilungen in Krankenhäusern.

Vor allem auf dem Land fehlt es trotzdem noch immer an Angeboten, um die letzte Zeit von Sterbenskranken möglichst schmerzfrei und würdig zu gestalten. Gröhe befürwortet, dass das Gesetz im Herbst kommt, bevor der Bundestag die geplante Neuregelung für Sterbebegleitung und Sterbehilfe vornimmt, hieß es.

Wichtig sei ihm, dass klar werde, dass es neue Angebote gebe - und nicht vor allem Verbote. Gröhe lehnt, wie eine Mehrheit der Unionsfraktion, ärztlich assistierten Suizid ab. Nach den jüngsten Zahlen starben in Deutschland 2013 rund 893.000 Menschen.

Der Gesetzentwurf sieht folgende Schritte vor:

Hospize: Die Kassen sollen künftig für Erwachsene 95 Prozent statt der bisherigen 90 Prozent der Kosten zahlen. Es gibt zudem einen Mindestzuschuss, der von 198,45 auf 255,15 Euro pro Tag und Patient steigen soll.

Krankenhäuser: Bisher haben rund 15 Prozent der Krankenhäuser, die eine Palliativstationen haben, mit den Kassen vereinbart, dass diese die Kosten umfangreicher tragen. Die anderen Häuser müssen das in dem auch sonst gültigen Pauschal-Bezahlsystem abrechnen, was nach Regierungsangaben nicht reicht. Deshalb sollen die Kliniken künftig einseitig erklären können, dass sie eine solche Station aufbauen wollen. Die Kassen müssen die Behandlungen dann außerhalb des Pauschalsystems bezahlen.

Vernetzung: Medizinische und pflegerische Versorgung sollen besser vernetzt werden. Gerade in strukturschwachen Gebieten sollen die Angebote erweitert werden.

Die Kassen begrüßte die Pläne. "Gemeinsam müssen Ärzte, Kassen und die Politik dafür sorgen, dass es gute und flächendeckende Angebote gibt, um den Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu helfen", sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Demgegenüber bezeichnete die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Vorlage Gröhes als unzureichend. "Das grundsätzliche Problem in Deutschland löst der Gesetzentwurf von Gröhe nicht", sagte ihr Vorsitzender Eugen Brysch. Die Sterbenden in Pflegeeinrichtungen erhielten kaum Palliativbegleitung.

Deshalb müsse eine Pflegestufe für Sterbende in den Pflegeheimen eingeführt werden. Hier seien zusätzlich 600 Millionen Euro erforderlich, um für die jährlich 340.000 Sterbende in Pflegeheimen professionelle Sterbebegleitung anzubieten.

irb/AFP/dpa



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