Stiftung Warentest Gute Noten für Krankenkassen-Terminservice

Einen Termin beim Facharzt zu ergattern ist für viele Patienten eine lästige und unerfreuliche Angelegenheit. Deshalb bieten manche Krankenkassen ihren Mitgliedern einen Terminservice an. Doch wie gut funktioniert die Dienstleistung wirklich? Stiftung Warentest hat die Hotlines ausprobiert.

Wartezimmer: Einige Krankenkassen vermitteln Termine beim Facharzt
dapd

Wartezimmer: Einige Krankenkassen vermitteln Termine beim Facharzt


Es war ein kleiner Sturz vom Fahrrad. Nichts Schlimmes eigentlich. Doch am nächsten Tag schmerzt die Hüfte. Eine Woche später ist es noch immer so. Sollte ich vielleicht doch zum Arzt? In Situationen wie diese zögern viele Menschen. Zum einen wissen sie oft nicht, zu welchem Facharzt sie dann gehen sollen, zum anderen kennen sie die Antwort der Sprechstundenhilfe meist schon: "Wie wäre es mit einem Termin in vier Wochen?"

Facharztpraxen sind häufig überfüllt, einen Termin zu ergattern, ist keine leichte Sache. Selbst wenn die Beschwerden akut sind, wird man mitunter vertröstet. Dem BKK Bundesverband zufolge warteten Versicherte im Schnitt 24 Tage auf einen solchen Termin.

Dabei bieten viele Krankenkassen einen Terminservice an, der ihren Mitgliedern einen schnelleren Draht zum Facharzt ermöglichen soll. "Einen Arzttermin vereinbaren? Wir erledigen das für Sie!" So wirbt etwa die TKK auf ihrer Website. Wie gut sind diese Service-Versprechen? Dieser Frage ist die Stiftung Warentest nachgegangen und hat insgesamt 80 Testpatienten bei 16 Krankenkassen, die den Service anbieten, nach Hilfe suchen lassen.

Fünf Testkunden je Krankenkasse nahmen den Service in Anspruch und berichteten hinterher detailliert über ihre Erfahrungen. Sie wollten jeweils einen Termin bei einem Orthopäden und bei einem Neurologen haben. Als Beschwerden gaben sie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder ein sogenanntes Karpaltunnelsyndrom an, bei dem Schmerzen im Handgelenk auftreten.

Alle Testkunden riefen unter gleichen Anfangsbedingungen an: Weder hatten sie eine Überweisung vom Hausarzt noch einen bereits bestehenden Termin beim Facharzt. Jeder Testpatient rief die entsprechende Hotline seiner Krankenkasse an und ließ darüber einen Termin beim Facharzt vereinbaren.

20 Tage Wartezeit im Schnitt

Laut Stiftung Warentest dauerte es im Schnitt 20 Tage vom erstem Anruf bis zum Facharzttermin - also vier Tage kürzer als man sonst durchschnittlich dafür veranschlagen muss. Der Zeitgewinn sei für gesetzlich Versicherte in Wahrheit sogar noch etwas größer, schreibt Stiftung Warentest (Finanztest, Ausgabe 10/2012), da in der vom BKK Bundesverband angegebenen durchschnittlichen Wartezeit auch Privat- und Akutpatienten einbezogen seien, die eine deutlich geringere Wartezeit haben.

Auf einen Termin beim Orthopäden warteten die Testanrufer demnach durchschnittlich knapp 13 Tage. Der Besuch beim Neurologen ließ mit 26 Tagen etwas länger auf sich warten. Besonders erfreulich verlief der Dienst für Mitglieder der mhsplus, die durchschnittlich nur 14 Tage auf einen Facharzttermin warten mussten. Im Gegensatz dazu waren es bei der DAK Gesundheit 26 Tage. Der Stiftung Warentest zufolge könnten aber auch andere Faktoren die Wartezeit beeinflussen, etwa eine geringere Arztdichte in ländlichen Regionen.

Der Stiftung zufolge bieten 12 der 16 getesteten Krankenkassen auf ihrer Website den Dienst ohne jegliche Einschränkungen an - also ohne Überweisung vom Hausarzt und ohne bereits vorhandenen Termin. Allerdings konnten nur drei dieser Kassen allen fünf Testpatienten einen Termin beim Facharzt vermitteln. Das waren die DAK Gesundheit, die mhplus sowie die Siemens BKK.

Die restlichen neun Kassen ließen manche der Testpatienten trotz Versprechen auflaufen und verlangten am Telefon entweder eine Überweisung vom Hausarzt oder einen bereits vorhandenen Termin. So konnten einige Krankenkassen wie etwa die Deutsche BKK oder die Novitas BKK sowie die TKK oder die IKK Südwest nicht allen fünf Tespatienten einen Facharzttermin vermitteln. Dennoch fällt das Fazit der Prüfer insgesamt positiv aus. In 42 von 60 Fällen kam die Vermittlung eines Termins beim Facharzt zustande.

Die restlichen 20 Testanrufer konnten demzufolge keinen Termin bekommen, da sie nicht die notwendigen Voraussetzungen erfüllten. Sie waren jeweils Mitglied in einer Kasse, die den Service nur mit Einschränkungen anbot - im Gegensatz zu anderen Kassen aber keine falschen Versprechen auf der Internetseite machte.

cib



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
überversorgter 21.09.2012
1. Beutelschneiderei
Die Kosten werden nicht erwähnt: 30 EUR für den frühesten Termin, der Rest staffelt sich. Da werden die Kassen sich weiter die Taschen füllen und der "mündige" Patient sieht es auch noch als "Serviceleistung".....
areyoushure? 21.09.2012
2. Wie lustig ist das denn?
Gute Noten? Nur ein Bruchteil der Kassen können allen Patienten einen Termin anbieten? Das reicht in SPON. für eine gute Note?
starsnake 22.09.2012
3. unnötig
Der Service kostet das Geld der VERSICHERTEN und ist so überflüssig wie in Kropf. Warum sollte eine Arztpraxis einen Termin vergeben, nur weil jemand von der Kasse anruft. Wenns voll ist ist es voll, oder bekommt der Doktor ein Extrahonorar ? Gruß
Mathesar 22.09.2012
4. ...
Zitat von starsnakeDer Service kostet das Geld der VERSICHERTEN und ist so überflüssig wie in Kropf. Warum sollte eine Arztpraxis einen Termin vergeben, nur weil jemand von der Kasse anruft. Wenns voll ist ist es voll, oder bekommt der Doktor ein Extrahonorar ? Gruß
Wenn es so überflüssig ist, dann würden es die Versicherten nicht nutzen. Und bei der DAK zum Beispiel wird mit dem Versicherten und einem Arzt der Krankenkasse der Terminwunsch besprochen und die medizinische Notwendigkeit festgestellt. Und mit einer guten Begründung bekommt man auch bei vollen Terminkalendern einen früheren Termin.
Katzenliebhaber 22.09.2012
5.
Zitat von überversorgterDie Kosten werden nicht erwähnt: 30 EUR für den frühesten Termin, der Rest staffelt sich. Da werden die Kassen sich weiter die Taschen füllen und der "mündige" Patient sieht es auch noch als "Serviceleistung".....
Muss der Patient bei Inanspruchnahme der Serviceleistung Gebühren an die Kasse bezahlen?
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