Stiftung Warentest Prüfer rügen aggressive Sensitiv-Zahnpasten

Süßes, Saures, Kaltes und Warmes werden bei schmerzempfindlichen Zähnen zur Qual. Stiftung Warentest hat 19 Sensitiv-Zahnpasten untersucht und stellt fest: Fast jede Zweite ist zu aggressiv. Manche schützten zwar vor Schmerzen - aber nicht vor Karies.

Zahnpasta für sensible Zähne: Viele reiben zu viel von der Zahnoberfläche ab
Stiftung Warentest

Zahnpasta für sensible Zähne: Viele reiben zu viel von der Zahnoberfläche ab


Wer seine Zähne übereifrig schrubbt, kann seinem Zahnfleisch schaden. Es zieht sich zurück und legt die Zahnhälse frei. Die Folge sind überempfindliche Zähne - vor allem Heißes und Kaltes, aber auch Süßes und Saures kann dann zur Qual werden.

Jeder vierte Deutsche leidet unter überempfindlichen Zähnen, freiliegende Zahnhälse sind die häufigste Ursache. Dann benötigen die Zähne eine besondere Pflege, viele Betroffenen setzen ihre Hoffnung auf Sensitivpasten. Doch nur wenige der Produkte halten, was ihre Werbung verspricht. Stiftung Warentest hat jetzt 19 Sensitiv-Zahnpasten getestet, lediglich acht der Cremes schnitten gut ab.

Zahnschmelz, die härteste Substanz im Körper, bedeckt vor allem die Zahnkrone und schützt das darunter liegende, relative weiche Dentin vor Schäden. Zum Zahnfleisch hin nimmt die Dicke des Zahnschmelzes ab. Zieht sich das Zahnfleisch zurück, lässt sich die schützende Schicht schnell abputzen und das empfindliche Dentin liegt frei. Umso wichtiger ist es, eine möglichst schonende Zahnpasta zu verwenden.

Abrieb: Billig-Zahnpasten überzeugen

Über den Abrieb entscheiden Form, Größe und Anzahl der Putzkörper. Da viele Menschen ohnehin mit zu viel Kraft putzen, sollte der Abrieb bei Sensitiv-Zahnpasten möglichst gering sein - ganz ohne geht es nicht, da sonst die Reinigungswirkung leidet. Zudem bleiben bei Produkten mit einem extrem niedrigen Abrieb Verfärbungen zurück. Nur zehn der 19 getesteten Zahncremes besaßen einen Abrieb, den die Stiftung Warentest als niedrig genug und damit als zahnschonend bewertete.

Freiliegende Zahnhälse: Das Dentin in Gefahr
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Freiliegende Zahnhälse: Das Dentin in Gefahr

Unter anderem die Zahnpasta "Colgate Total sensitive" enttäuschte die Prüfer. Trotz des Versprechens, "sensitiv" zu sein, hatte sie einen mittleren Abrieb. Obwohl der Anbieter mit "Schutz vor Schmerzempfindlichkeit" wirbt, konnten die Tester zudem keine Wirkstoffe gegen Schmerzen finden. Insgesamt unterschied sich die Zusammensetzung der "Colgate Total sensitive" kaum von der herkömmlichen "Colgate Total Original", heißt es im Testbericht.

Besser schnitten die preiswerten Produkte "Aldi Süd/ Friscodent Sensitive" und "Kaufland/ K-Classic Dental sensitiv" ab, die beide nur 44 Cent pro 100 Milliliter kosten. Gemeinsam mit der teureren "Sensodyne Fluorid" für 2,87 Euro konnten sie die Tester durch einen niedrigen Abrieb überzeugen, der auch noch Verfärbungen entfernt. Ebenfalls positive Bewertungen erhielten die günstigen Produkte "Aldi Nord/ Eurodont Soft & Sensitive" sowie "Müller/ Sensident Sensitiv", beide kosteten ebenfalls nur 44 Cent pro 100 Milliliter.

Unter den als "gut" getesteten Produkten bildeten die teuren Zahnpasten "Elmex sensitive mit Aminfluorid" (4,25 Euro pro 100 Milliliter) und "Lacalut extra sensitive" (4,60 Euro pro 100 Milliliter) sowie das preiswertere Produkt "dm/ Dontodent sensitive" (44 Cent pro 100 Milliliter) die Schlusslichter. Sie besitzen laut Stiftung Warentest einen so niedrigen Abrieb, dass Verfärbungen nur ausreichend bis mangelhaft entfernt werden.

Kein Fluorid: Urteil mangelhaft

Neben einer besonders schonenden Behandlung der Zähne versprachen 17 der 19 Zahnpasten auch, die Schmerzempfindlichkeit der Zähne zu reduzieren. Ist der Zahnschmelz abgerubbelt, reichen viele kleine Kanälchen an die Zahnoberfläche, die im Dentin sitzen und direkt mit dem Zahnnerv verbunden sind. Liegen sie frei, kommt es bei Hitze, Kälte, Süßem und Saurem zu den typischen, ziehenden Zahnschmerzen.

Mehrere, spezielle Wirkstoffe können diese Schmerzen reduzieren. Außer der Colgate-Zahnpasta enthielten alle Produkte mindestens eine schmerzstillende Substanz, schreiben die Tester. In der Regel handelte es sich dabei um Kaliumverbindungen, die eine Weiterleitung der Reize zum Nerv verhindern.

Kritik erhielt jedoch die teuerste Zahncreme im Test, "Dr. Wolff/ Biorepair milde Zahncreme" für 5 Euro pro 100 Milliliter. Die Creme enthält ein Zink-Carbonat-Hydroxylapatit, das laut Anbieter dem natürlichen Hydroxylapatit entspricht, das einen Großteil des Zahnschmelzes bildet. Der Wirktoff der Zahnpasta soll so eine Schutzschicht aus künstlichem Zahnschmelz auf den freiliegenden Zahnhälsen bilden und die Kanälchen verschließen, verspricht der Anbieter.

Das Problem dabei: Das Zink-Carbonat-Hydroxylapatit eliminiert die Wirkung fast aller in Zahnpasten verwendeten Fluoriden. Diese jedoch sind in Zahnpasten essentiell, da sie den Zahnschmelz härten und vor Karies schützen. Die Prüfer bewerteten die Zahnpasta deshalb als durchgefallen. Auch bei den Produkten von Dr. Hauschka, Laverna und Elina fehlte das wichtige Fluorid, die Tester bewerteten sie ebenfalls als "mangelhaft".


Mehr auf SPIEGEL ONLINE: In früheren Tests hat Stiftung Warentest bereits Zahnseide und normale Zahnpasten untersucht.

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
huettenfreak 24.10.2013
1. Fluorid?
Dazu hört man ja geteilte Meinungen. Ich selbst nutze eine Zahnpasta ganz ohne Fluorid und habe trotzdem kein Karies. Ganz im Gegenteil, mein Zahnarzt lobt sogar den Zustand und die Festigkeit meiner Zähne. Was nun?
chriswalth 24.10.2013
2. fehlendes Fluorid
Könnte erstmal eine aufklärende Debatte über die problematische Rolle von Fluoriden stattfinden, bevor Produkte als "mangelhaft" deklariert werden, weil ihnen selbiges fehlt??
xxbigj 24.10.2013
3. optional
"Sensodyne Fluorid": Yeahh dann lohnt es sich ja doch mehr Geld auszugeben! Endlich mal ein sinnvoller Test!!! Dann kann ich ja in ruhe weiterputzen:)
Ursi 24.10.2013
4.
Ich benutze seit 15 Jahren Ajona (fluoridfrei) und habe keine Probleme mit meinen Beißern. Man sollte bedenken. Fluorid ist ein sehr gefährlicher Abfallstoff aus der Aluminium Produktion der früher auch als Rattengift benutzt wurde. ider immer noch benutzt wird? Google liefert hierzu zahlreiche Informationen die bitte nicht als Verschwörungstheorie zu verstehen sind. Auch meine Ernährung erfolgt fluoridfrei.
aurora 24.10.2013
5. Es geht viel besser ohne
Schrubben, Zahnpasta & Fluorid. Stichworte: "Solo-Prophylaxe" und "Xylit / Xylitol". Nachlesen!
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