Strahlenchirurgie Mit unsichtbarer Kraft gegen den Tumor

Cyberknife oder Gamma-Knife: Strahlenchirurgen können mit modernster Technik Krebsherde operieren, ohne die Haut des Patienten zu verletzen. Doch die Therapie ist nur in bestimmten Fällen sinnvoll. Dann übernimmt die Krankenkasse häufig die Kosten.

Neues Cyberknife in München: Keine Wunderwaffe gegen Krebs
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Neues Cyberknife in München: Keine Wunderwaffe gegen Krebs

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Was ist ein Cyberknife?

Das Cyberknife ist ein Operationsroboter, mit dem Ärzte durch Photonenstrahlen im Körper operieren können. Die Photonen beschädigen die DNA von Zellen, so dass diese sich nicht mehr teilen können. Gutartige Tumoren vernarben in den Wochen und Monaten nach der Behandlung, bösartige zerfallen.

Wie funktioniert das Cyberknife?

Kern des Cyberknife-Verfahrens ist ein Linearbeschleuniger, der die Photonen erzeugt. Vor der Behandlung fertigen die Ärzte Computertomografie-Aufnahmen (CT) des Patienten an. Mit Hilfe dieser Bilder wird die Behandlung geplant: Ein Computer berechnet vorstellbare Lagen, die der Patient während der Bestrahlung einnehmen könnte.

Während der Bestrahlung, die typischerweise zwischen einer halben und einer Dreiviertelstunde dauert, überwachen zwei digitale Röntgenkameras die tatsächliche Lage des Patienten. Diese Information wird in Echtzeit mit den Planungsbildern abgeglichen und der Roboter korrigiert die Schwankungen.

Für viele Geräte muss der Tumor, falls er sich nicht im Kopf befindet, noch mit einem Marker versehen werden: Durch die Atmung kann sich ein Krebsherd zum Beispiel in Leber oder Lunge um bis zu mehrere Zentimeter bewegen. Würde der Roboterarm diese Veränderung nicht ausgleichen, würde statt des Krebsgewebes gesundes Gewebe bestrahlt und beschädigt werden.

Die neueste Variante des Cyberknife, die sogenannte Generation M6, die bisher weltweit nur in München zum Einsatz kommt, kommt in vielen Fällen ohne diesen Marker aus, der sonst in einem kleinen Eingriff in die Nähe des Tumors gebracht werden muss. Das M6 erkennt den Tumor ab einer gewissen Größe mit Hilfe der Röntgenkameras und kann diese Information an den Roboterarm mit dem Linearbeschleuniger weitergeben.

Sowohl mit dem Cyberknife als auch mit dem verwandten Gamma-Knife, mit dem Hirntumoren behandelt werden können, müssen die meisten Patienten nur einmal bestrahlt werden.

Welche Krankheiten können behandelt werden?

Mit dem Cyberknife können unterschiedliche Arten von Tumoren behandelt werden, gutartige ebenso wie bösartige. Allerdings sind nur ganz bestimmte Geschwulste für die Methode geeignet. Für die meisten Krebspatienten kommt eine Behandlung mit dem Cyberknife nicht in Frage. Ob die Therapie für einen Patienten geeignet ist, besprechen Strahlenchirurgen gemeinsam mit den anderen behandelnden Ärzten und dem Betroffenen.

Tumoren, die mit dem Cyberknife behandelt werden können, dürfen nicht zu groß sein und müssen gegenüber dem gesunden Gewebe um den Tumor herum deutlich abzugrenzen sein.

Zu den Diagnosen, bei denen das Cyberknife in Frage kommt, gehören zum Beispiel Akustikusneurinome, Meningeome, Metastasen im Gehirn und in der Wirbelsäule, Bronchialkarzinome und Metastasen in der Lunge sowie Leberzellkarzinome und Metastasen in der Leber. Im Einzelfall beraten die behandelnden Ärzte ihre Patienten zu der Möglichkeit, den eventuellen Einsatz des Cyberknife zu überprüfen.

Wo in Deutschland ist eine Therapie mit dem Cyberknife möglich?

Neben dem Cyberknife-Zentrum in München gibt es die Methode noch in Güstrow, Bochum, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln und Erfurt. Das Gammaknife zur Behandlung im Kopfbereich gibt es in Krefeld, Aachen, Frankfurt und Hannover.

Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung die Kosten für die Cyberknife-Therapie?

Kommt eine Therapie in Frage, besprechen die Behandlungszentren mit den Patienten, ob die Behandlung im Rahmen eines Abkommens mit gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern ohne Prüfung bezahlt wird. Im Zweifelsfall müssen Patienten bei ihrer Kasse oder Versicherung nachfragen.

Was kostet die Behandlung mit dem Cyberknife?

Die Therapiekosten unterscheiden sich je nach Art der Behandlung. Typische Kosten liegen in der Größenordnung von 7000 bis 10.000 Euro.

Was sind die Grenzen der strahlenchirugischen Therapie?

Es gibt Studien, die für bestimmte Patienten Vorteile der Behandlung mit dem Cyberknife gegenüber anderen Verfahren belegen. Unter Umständen ist die strahlenchirurgische Therapie sogar günstiger als andere Eingriffe. Das bedeutet aber nicht, dass im Cyberknife behandelte Patienten länger überleben als anders behandelte Betroffene.

Mit dem Cyberknife ist es nicht möglich, zuvor unbehandelbare Tumoren zu heilen. Die Methode ermöglicht lediglich in bestimmten, von den behandelnden Ärzten vorsichtig auszuwählenden Fällen eine andere Operationsmethode, die für den Patienten schonender oder angenehmer sein kann.

Welche Nebenwirkungen hat die Behandlung mit dem Cyberknife?

Die möglichen Nebenwirkungen hängen davon ab, wie groß der behandelte Tumor ist und wo er sitzt. Manche Patienten klagen über Müdigkeit oder Übelkeit. Wird zum Beispiel eine Geschwulst in der Prostata behandelt, kann es auch nach der Behandlung zu Beschwerden etwa beim Wasserlassen oder zu Verengungen der Harnröhre kommen. Wird ein Tumor im Kopf bestrahlt, kann sich die Schleimhaut im Mund oder in der Speiseröhre entzünden, wird die Lunge behandelt, kann das Lungengewebe mit einer Entzündung reagieren. Bei Patienten, deren Tumor mit einem Marker versehen werden muss, bringt dieser Eingriff eigene Risiken mit sich.

Schließlich besteht bei jeder Form der Strahlentherapie das Risiko, durch die Behandlung selbst einen Tumor zu verursachen.

insgesamt 2 Beiträge
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cyberralf 29.01.2013
1. Unvollständige Auflistung der Zentren
Ich finde es sehr schade, dass der Autor so schlecht recherchiert hat und nur 5 von derzeit 7 CyberKnifes in Deutschland aufzählt. Ich finde es schon erwähnenswert, dass in den Metropolstädten Hamburg (http://www.ckhh.info) und in Frankfurt/Main (http://www.radiochirurgie-frankfurt.de/) ebenfalls die Cyberknife-Behandlung angeboten wird. Grüße aus Hamburg, Ralf Paqué
spmc-121975598324089 31.01.2013
2. Behandlungserfolg und Diagnostik
Strahlenchirurgie, die eigentlich Stereotaxie oder Radiochirurgie genannt wird, ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bereich der Krebstherapie. Um präzise zu bestrahlen, ist es besonders wichtig, den Krebs vorab genau darzustellen, mit PET/CT und MRT, um auch zu wissen wo die „Strahlenchirurgie“ erfolgen muss, genau dies fehlt aber im Artikel zu den „Heilern“. Dieser Aufwand ist viel wichtiger für den Behandlungserfolg des Patienten als ein Arzt, der sich ein Cyberknife (entwickelt im Jahr 2002) kauft. Deshalb erstatten die Kassen auch kaum diese Therapie.
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