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Krankenkassenreport: So gestresst sind Deutschlands Studenten

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DPA

Prüfungen, Nebenjob, Zukunftssorgen: Viele Studenten leiden

Jeder fünfte Student in Deutschland bekommt eine psychische Diagnose. Ein aktueller Krankenkassen-Report zeigt, dass vor allem Depressionen, Ängste und Erschöpfung zunehmen.

Prüfungsdruck, Zukunftsangst und finanzielle Sorgen: Mehr als jeder zweite Student in Deutschland steht einer Umfrage zufolge regelmäßig unter Stress. Ein Viertel fühlt sich sogar unter Dauerdruck, wie aus einem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Report der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Die Hälfte der Studentinnen und vier von zehn ihrer männlichen Kommilitonen leiden demnach unter stressbedingter Erschöpfung.

Zu den wichtigsten Stressauslösern gehören Prüfungen (52 Prozent), der Lernstoff (28 Prozent) sowie die Doppelbelastung von Uni und Nebenjob (26 Prozent). Ebenso sehr stresst viele die Angst vor schlechten Noten (26 Prozent) oder davor, keinen Job zu finden (23 Prozent). Jeden Fünften plagen finanzielle Sorgen.

Jeder fünfte Student bekommt psychische Diagnose

Für den Report mit dem Schwerpunkt "Gesundheit Studierender" wurden Arzneimittelverordnungen von 2014 sowie Diagnosedaten von 190.000 direkt bei der TK versicherten Studierenden von 2013 ausgewertet. Zudem befragte das Institut Forsa im März dieses Jahres 1000 repräsentativ ausgewählte Studierende zu ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten, zum Umgang mit Stress und digitalen Medien. Dieser "CampusKompass" wurde ebenfalls am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

Ihn habe überrascht, "wie stark das Alter angehender Akademiker für Erkrankungen wie Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen eine Rolle spielt", sagte TK-Vorstandschef Jens Baas. "Ab 30 können sie mit Belastungen schwerer umgehen." Dann spielten entscheidende Prüfungen, Fragen der Studienfinanzierung und womöglich auch Kinder eine treibende Rolle als Stressfaktoren.

Rund 21 Prozent der Studierenden erhielten dem TK-Report zufolge im Jahr 2013 eine psychische Diagnose - das war mehr als jeder Fünfte. Frauen sind demnach deutlich häufiger betroffen. Zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen gehören Depressionen, Ängste, Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie körperliche Beschwerden, die sich nicht unbedingt auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen.

Mehr als jeder vierte Hochschüler (27 Prozent) gab an, dass der Druck schon einmal so hoch war, dass er ihn mit den üblichen Entspannungsstrategien nicht mehr bewältigen konnte. Dem Gesundheitsreport zufolge nahmen 4,3 Prozent der Hochschüler psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Fast vier Prozent der angehenden Akademiker bekamen Antidepressiva verordnet - das sind nach Angaben der Krankenkasse 43 Prozent mehr als 2006.

Suchtpotenzial Internet

Die Stressfaktoren gleichen grundsätzlich denen früherer Generationen. Aber offenbar falle der Generation Smartphone, die jetzt auch an den Hochschulen angekommen sei, das Abschalten schwerer, so Baas. Der Umfrage zufolge lässt sich jeder Zweite von digitalen Medien ablenken, wenn eigentlich gelernt werden soll, drei Viertel bescheinigen dem Internet Suchtpotenzial.

Um Gesundheitsproblemen vorzubeugen, rät Baas Studenten das, was er auch anderen Versicherten empfiehlt - einen guten Umgang mit Stress, vernünftige Medien-, vor allem Computernutzung - und viel Bewegung. "Es ist schon erschreckend, dass nur drei Viertel der Studenten sagen, dass sie Sport für sich als wesentlich ansehen", so Baas, "aber ein Viertel eben nicht." Auch wer selbst in seiner Freizeit noch viel am Computer sitze, habe häufiger gesundheitliche Probleme als andere Studierende, die öfter "offline" seien.

Vor vier Jahren hatte ein TK-Gesundheitsreport gezeigt, dass Studenten insgesamt weniger gesundheitlich belastet sind, weniger Arztkontakte haben und weniger Arzneimittel verschrieben bekommen als ihre berufstätigen Altersgenossen. Beim Thema psychische Störungen entfielen auf diese Gruppe jedoch schon damals deutlich mehr Diagnosen und ein größeres Arzneimittelvolumen.

hei/dpa/AFP

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insgesamt 98 Beiträge
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    Seite 1    
1. Stress?
hansulrich47 01.07.2015
Stress ist fast immer selbst erzeugt. Wer sich zuviel zumutet, hat Stress. Vielleicht sollte man nicht alles für machbar und möglich halten? Sich mal gepflegt langweilen oder vor Prüfungen früher anfangen zu lernen? Das ist nicht schwer, man muss sich nur selbst überzeugen öfter 'nein, das brauch ich jetzt nicht' sagen.' emails nicht gleich beantworten ist 'ne gute Option. Und das smart phone ab und zu ausschalten. Aber das trauen sich nur Wenige.
2. gesamtrechnung
rroseselavie 01.07.2015
anstatt frühzeitig in die rentenkasse einzuzahlen, belasten die jungen leute die krankenkassen. wann macht die politik endlich eine wende in der bildungspolitik? volkswirtschaftlich wird sich das rechnen.
3. sehr merkwürdig...
Spiegelleserin57 01.07.2015
Aber offenbar falle der Generation Smartphone, die jetzt auch an den Hochschulen angekommen sei, das Abschalten schwerer, so Baas. Der Umfrage zufolge lässt sich jeder Zweite von digitalen Medien ablenken, wenn eigentlich gelernt werden soll, drei Viertel bescheinigen dem Internet Suchtpotenzial. Dann sollten sich diese Leute überlegen was ihnen wichtiger ist, ein Studium oder das Internet... Zeigt es nicht auch dass dann diese gestressten Leute sich entweder nicht entscheiden können oder sind sie für ein Studium ungeeignet?
4. Nicht ganz neu...
bluebill 01.07.2015
Auch zu meiner Studentenzeit gab es schon Stress, Prüfungsangst, Doppel- oder gar Dreifachbelastung (Studium, Job + Familie). Das war lange vor Internet und Smartfon. Dafür gab es andere Ablenkungen. Es war z.B. vollkommen unüblich, an Wochenenden zu Hause zu sitzen (und nicht nur an Wochenenden). Gut, war jetzt nicht soo schlimm, aber zum gemütlichen Nixtun sind wir auch kaum gekommen. Ein paar Wochen vor der nächsten Prüfungswelle haben wir angefangen, uns zu Lerngruppen zusammenzutun, haben den Stoff gewaltsam ins Kurzzeitgedächtnis gestopft - und sofort nach der Prüfung wieder vergessen, weil einen Tag oder nur ein paar Stunden später die nächste Prüfung anstand. Was man dabei fürs Leben gelernt hat? Eigentlich nichts, außer einem enormen Training fürs Kurzzeitgedächtnis. Das hat sich bis heute offenbar nicht geändert. Sämtliche Klausuren und auch alle mündlichen Prüfungen über alle Lehrfächer finden innerhalb von 1-2 Wochen nach Semesterende statt. Das ist einfach schlecht verteilt, optimiert für den Lehrbetrieb, aber nicht für die Lernenden. Daher dürfte der Hauptstress kommen, mal abgesehen von dem immer noch unzureichend geregelten Einkommen und den inzwischen noch schlechteren Jobaussichten. Das Internet hat damit wenig zu tun.
5. Das passiert
DDRBewohnerin 01.07.2015
wenn die verhätschelten Kinder, die keinen Druck, keine Aufgaben, keine Leistung zeigen sollen, die keine Erziehung mehr geniessen, die nur das tun sollen, was ihnen gefällt, auf einmal auf das richtige Leben treffen - sie sind ihm nicht gewachsen. Das wird noch besser. in Deutschland wachsen entweder Analphabeten oder verweichlichte und selbstständig lebensunfähige Kinder heran, oder beides.
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