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Kassenstudie: Neue Arzneien in Deutschland schnell verfügbar

In Deutschland finden innovative Medikamente einer Kassenstudie zufolge schneller als in anderen Ländern den Weg zum Patienten. Die Preise für die Pillen seien allerdings sehr hoch.

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Tabletten: Sind Medikamente in Deutschland zu teuer?

Ist patentgeschützte Arznei in Deutschland zu teuer? Das beklagen Krankenkassen immer wieder, zuletzt im großen Arzneiverordnungsreport 2014. Die Pharmaindustrie hingegen hält Preisvergleiche in Europa kaum für möglich, weil Packungsgröße, Mehrwertsteuer, Zwangsrabatte und Apothekergebühren in jedem Gesundheitssystem unterschiedlich sind.

Dass man die Preise sehr wohl vergleichen kann, zeigt nun eine große Studie des Gesundheitswissenschaftlers Reinhard Busse. Der Professor der Technischen Universität Berlin hat die Arzneimittelversorgung in Deutschland sowie in 15 anderen europäischen Gesundheitssystemen analysiert.

Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel (in US-Dollar): Jährlich steigende Kosten Zur Großansicht
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Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel (in US-Dollar): Jährlich steigende Kosten

"Nirgendwo sonst stehen neue Arzneimittel so schnell und umfassend für die Behandlung von Krankheiten zur Verfügung wie in Deutschland", sagte Busse am Montag in Berlin. Die Studie entstand im Auftrag des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen.

Preise für innovative Medikamente ein Jahr frei

Das hohe Versorgungsniveau mit Arzneimitteln bezahle Deutschland allerdings mit hohen Arzneimittelausgaben, erklärte Busse. Im europäischen Vergleich liege das Preisniveau im oberen Mittelfeld. Verglichen hat der Wissenschaftler die Preise der Pillen allerdings nach den in den jeweiligen Ländern stattfindenden Rabatt- und Erstattungsbetragsverhandlungen.

GKV-Vizevorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg monierte, dass Pharmahersteller in Deutschland in den ersten zwölf Monaten nach der Zulassung eines neuen, innovativen Arzneimittels den Preis selbst bestimmen könnten. Es sei "nicht einzusehen, dass die Beitragszahler ein Jahr lang jeden beliebigen Preis finanzieren müssen, den sich ein Pharmaunternehmen ausdenkt".

Kritik an der Studie gab es von der Pharmaindustrie. "Deutschland hat längst keine Vorreiterrolle mehr, wenn es um die Versorgung der Patienten mit neuen Arzneimitteln geht", erklärte Birgit Fischer, Geschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA). In Deutschland gebe es keine wissenschaftlich neutrale Nutzenbewertung von Arzneimitteln. Vielmehr habe der Spitzenverband der Krankenkassen eine dominierende Stellung bei Bewertung und Preisfindung. Zudem sei das Preisniveau in Deutschland unter den europäischen Durchschnitt gefallen.

nik/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Schwierig
dialogischen 15.06.2015
Es wäre unfair, dieser neuen Studie zu unterstellen, sie sei so voreingenommen und akademisch dämlich wie der Arzneiverordnungsreport. Allerdings lassen die Lobhudeleien und die unterschwellige Propaganda des Artikels für noch mehr Kassenmacht gegen die Patienten Ähnliches erwarten. Mir fehlt z.B. der Hinweis auf Innovationen, die den deutschen Patienten nicht oder nicht mehr erreichen, aber in anderen Ländern zur Verfügung stehen.
2.
dia_bolika 15.06.2015
Ich vertehe dan Artikel so, dass in D alles zum Maximalpreis zunächst mal ausprobiert werden kann, während in anderen Ländern ein Kosten/Nutzen-Berachtung derartige "Innovationen" (vulgo: alter Wein in anderen Schläuchen) am Markt keine Chance haben. Und der Pharmaindustire ist es peinlich, es fällt ihr aber kein rechtes Gegenargument ein. Und so barmt sie über fehlende Neutralität. Das ist schlicht zynisch, siehe http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-01/sawicki-entlassung-iqwig
3. Schnell? Soll das ein Witz sein?
ohne_mich 15.06.2015
Meine Frau und viele tausende anderer Patienten mit Gastroparese (Magenlähmung) warten händeringend auf eine Freigabe von MCP mit 1mg/Tropfen - nachdem Deutschand auf EU-Druck *ganz* schnell dabei war, die üblichen 4mg/Tropfen-Präparate ersatzlos zu verbieten und somit tausende von Menschen in eine nicht zu stopfende Behandlungslücke gestürzt haben. Schnelle Zulassung? Hier? Gibt es scheinbar nur für Mittel, bei denen die Preisspannen für alle Beteiligten hoch genug sind!
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Gesundheit: Die Pokerspieler im System
Chronologie der Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.


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