Der Bedrohung durch Krebs sind die Deutschen sich bewusst. Sie werden von ihrer Krankenkasse zur Früherkennung eingeladen, Frauen werden regelmäßig vom Gynäkologen auf die Brustkrebsvorsorge hingewiesen, in Fernsehspots machen Prominente auf die Darmkrebsuntersuchung aufmerksam. Prominente Plätze in der Todesursachenstatistik für Tumorkrankheiten unterstreichen die Bedeutung der Vorsorge.
Doch Deutschlands Krebsmediziner machen sich Sorgen um die Behandlung ihrer künftigen Patienten. Sie fürchten, der demografische Wandel könne die Versorgungsstrukturen überfordern. Um die Veränderungen der nächsten Jahre besser einschätzen zu können, hat die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse sie am Donnerstag in Berlin vorstellte.
Wissenschaftler des Greifswalder Instituts für Community Medicine durchforsteten für die Analyse zahlreiche Datenbanken, um eine Bestandsaufnahme der Versorgung von Krebspatienten heute und eine Vorhersage für die Situation 2020 erstellen zu können. Die wichtigsten Ergebnisse:
Die Greifswalder Forscher widerstehen der Versuchung, aus ihren Studienergebnissen Rezepte für die Gesundheitspolitik abzuleiten. Stattdessen formulieren sie Fragen für die Forschung, die beantwortet werden müssen, um Krebspatienten in Deutschland in den nächsten Jahren angemessen behandeln zu können.
Die Wissenschaftler wüssten gerne mehr darüber, in welchem Stadium der Krebserkrankung die Diagnose bei den Patienten gestellt wird, und ob es dabei regionale Unterschiede gibt. Für Mecklenburg-Vorpommern wollen die Forscher der Universität Greifswald analysieren, wie sich die zukünftig benötigten Krankenhaustage für Krebspatienten auf die Klinikkapazitäten auswirken müssten.
Aus Sicht der Krebsmediziner der DGHO, den Auftraggebern der Studie, ist die Frage entscheidend, wie viele Ärzte tatsächlich Krebspatienten behandeln. Den Medizinern geht es auch um die Zahl der Medizinstudienplätze und Berufspolitik. Von diesem Interesse kann allerdings die gesundheitspolitische Diskussion profitieren, falls die Onkologen weitere Studien finanzieren. Zum Beispiel gibt es erst wenige Daten darüber, warum bestimmte Patienten stationär oder ambulant behandelt werden oder wie lange Krebskranke überhaupt begleitet werden. Die Greifswalder Studienautoren hoffen hierfür auf weitere Daten, zum Beispiel aus den gerade erst beschlossenen deutschlandweiten Krebsregistern.
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