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27. Februar 2013, 18:25 Uhr

Narkolepsie

Schweinegrippe-Impfstoff könnte Risiko für Schlafstörung erhöhen

Der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix könnte bei Kindern und Jugendlichen das Risiko erhöhen, an der Schlafstörung Narkolepsie zu erkranken. Eine neue Studie erhärtet den Verdacht aus früheren Untersuchungen. Das Serum wurde auch in Deutschland eingesetzt.

30 Millionen Menschen ließen sich weltweit impfen, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO im Sommer 2009 die höchste Alarmstufe ausgerufen hatte, um vor der Schweinegrippe H1N1 zu warnen.

Nach der Grippewelle erkrankten in Finnland ungewöhnlich viele Kinder und Jugendliche an der seltenen Schlafstörung Narkolepsie. Studien untermauerten den Verdacht, der auch in Deutschland verwendete Grippeimpfstoff Pandemrix des britischen Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline (GSK) könne mit dem Auftreten der Schlafstörung zusammenhängen. Jetzt bestätigt eine britische Studie ähnliche Beobachtungen aus anderen Teilen Europas.

Demnach steige nach einer Pandemrix-Impfung das Risiko für eine Narkolepsie-Erkrankung auf das 14Fache an. Das berichten Forscher der britischen Health Protection Agency (HPA) im "British Medical Journal". Das Team um die Epidemiologin Elizabeth Miller hatte 75 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 18 Jahren untersucht, die seit Anfang 2008 an Narkolepsie erkrankt und in speziellen Schlafzentren behandelt worden waren. Elf von ihnen wurden mit Pandemrix geimpft, bevor sich die ersten Symptome der Schlafstörung zeigten. Ihre Ergebnisse hätten Einfluss auf künftige Zulassungsverfahren und den Einsatz von Impfstoffen bei Pandemien, so die Mediziner.

Hersteller hält Datenlage für unzureichend

"Wir wollen dieser Sache wirklich auf den Grund gehen und mehr über eine mögliche Rolle von Pandemrix bei der Entstehung von Narkolepsie erfahren", sagte ein Sprecher des Impfstoffherstellers GSK am Mittwoch. Zugleich stellte er klar, dass nach Ansicht des Unternehmens "die verfügbaren Daten unzureichend seien, um die Wahrscheinlichkeit für einen kausalen Zusammenhang zwischen Pandemrix und Narkolepsie einschätzen zu können".

Die Studienleiter räumen zwar ein, dass das Risiko möglicherweise überschätzt wurde, weil geimpfte Kinder schneller in spezialisierte Schlafkliniken eingewiesen wurden und sich daraus unterschiedlich schnelle Diagnosen ergeben hätten. Einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und Schlafstörung sehen sie dennoch als wahrscheinlich an: Das erhöhte Risiko für Narkolepsie nach einer Impfung gegen H1N1 deutet auf einen kausalen Zusammenhang hin, schreiben die Forscher.

Die Entstehung von Narkolepsie ist nicht vollständig geklärt. Eine Schlüsselrolle spielt das Hormon Hypocretin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus mitsteuert. Betroffene schütten nur geringe Mengen des Botenstoffs aus. Offenbar zerstört das Immunsystem die Zellen, die ihn produzieren. John Shneerson, Mitautor der britischen Studie, hält es für möglich, dass Pandemrix eine solche Autoimmunreaktion gegen diese Zellen ausgelöst haben könnte, die bei genetisch anfälligen Kindern zu Narkolepsie geführt hat. Bei anderen Impfstoffen wurde ein solcher Zusammenhang nicht beobachtet, betonen die Mediziner. Sie schätzen, dass rund ein Viertel der Europäer durch genetische Veranlagung ein erhöhtes Risiko für die Schlafstörung hat.

In Deutschland leiden nach Schätzungen 40.000 bis 50.000 Menschen an Narkolepsie. Die Krankheit geht mit ständiger Müdigkeit, plötzlichem Einschlafen und oft mit einer Kataplexie einher, bei der die Muskeln bei starken Gefühlsregungen erschlaffen.

Lesen Sie hier über eine von Narkolepsie Betroffene, der regelmäßig die Beine wegsacken und die Augen zufallen: "Mein Hirn ist bei hundert Prozent, nur die Muskeln reagieren nicht."

twn/Reuters

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