Studie: Zigarettenschachteln ohne Logo halten vom Rauchen ab

In Australien sind Zigarettenschachteln ohne Logo seit kurzem Pflicht. Jetzt zeigt eine Studie, dass die graue Einheitspackung tatsächlich vom Rauchen abhalten kann.

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Australische Zigarettenschachtel: Fehlende Attraktivität

Hamburg - Ein Argument der Zigarettenindustrie, für ihre Produkte werben zu dürfen, ist die Markenbindung. Es gehe, so die Hersteller, nicht darum, Nichtraucher zum Rauchen zu verführen, vielmehr sollten die eigenen Kunden bei der Stange gehalten und Raucher anderer Marken zum Wechseln animiert werden.

Das Ende jeder Markenstrategie erleben die Hersteller derzeit in Australien, wo Zigaretten seit November 2012 in gleichermaßen hässlichen wie abschreckenden Einheitsschachteln verkauft werden müssen. Der Versuch ist weltweit einmalig. Und die Methode könnte Erfolg haben, das legt jetzt eine Studie des australischen Quit Victoria Cancer Council des Bundesstaats Victoria nahe, die gerade im Fachmagazin "BMJ Open" erschienen ist.

Wissenschaftler befragten in einer repräsentativen Telefonumfrage 536 Raucher. Die Forscher wollten unter anderem wissen, ob die Zigarettenkonsumenten nach der Einführung der mit Schockbildern versehenen Einheitsverpackung noch so zufrieden mit ihren Zigaretten waren wie zuvor, ob die Qualität des Produktes noch stimme und ob sie darüber nachdächten, das Rauchen aufzugeben. Da die Umfrage in einer Übergangsphase der rechtlichen Vorgaben stattfand, rauchten drei Viertel der Befragten bereits einheitlich verpackte Zigarette, der Rest noch die in Deutschland üblichen Markenschachteln.

Keine Marke, weniger Attraktivität

Die Raucher, die bereits logofreie Einheitsschachteln kauften, fanden die rigide Verpackungspolitik deutlich unterstützenswerter. Um zwei Drittel stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sie glaubten, die Zigaretten hätten gegenüber einem Jahr zuvor an Qualität verloren. Auch die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal täglich über das Aufhören nachgedacht zu haben oder dem Aufhören eine höhere Priorität im Leben einzuräumen, stieg deutlich an (81 Prozent), wenn die Raucher Zigaretten aus logofreien Schachteln rauchten.

Die Autoren sind noch vorsichtig bei der Interpretation ihrer Ergebnisse. Doch sie unterstreichen, dass allein durch das häufigere Nachdenken über das Aufhören die Wahrscheinlichkeit steige, dass Raucher auch den Versuch unternehmen.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass einheitliche Verpackungen für Raucher weniger attraktiv sind als Markenschachteln. Weil vor Australien aber noch kein Land ein so restriktives Schachteldesign vorgegeben hatte, gab es bisher keine Praxisstudien. Weil die einheitlichen Schachteln zeitgleich mit Schockbildern auf den Verpackungen eingeführt worden sind, können die Forscher nicht auseinanderhalten, welcher Teil der Anti-Raucher-Gesetze die gemessenen Effekte stärker beeinflusst.

dba

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Ja, aber
attika1962 23.07.2013
Ich kann das in diesem Artikel gesagt gut nachvollziehen. Was aber ist mit den zahllosen "Stopfern"? Bei denen spielt die Marke doch so gut wie keine Rolle. Oder hat man nur Leute gefragt die sich die Markenzigaretten leisten können und wollen?
2. Soso...
derigel3000 23.07.2013
"Wissenschaftler befragten"... Jetzt mal im Ernst: soll das "Wissenschaftler" der Meldung einen seriösen Anstrich verpassen? Immerhin wurde die Studie von einer Anti-Raucher-Organisation in Auftrag gegeben, ist somit nicht als neutral zu betrachten. Und im Übrigen: Wenn die "Schreckensbilder" auf den Packungen kommen, dann werden die Fluppen eben in ein Blech-Etui umgesiedelt.
3. Priming
robertfrunzke 23.07.2013
Der Umstieg auf andere Schachteln "primet" den Befragten für das Thema. Die Umfrage schöpft dabei nur noch die für das Thema Sensibilisierten ab. Das Ergebnis ist eigentlich kaum brauchbar. Und der Artikel hat mich dazu motiviert meine erste Zigarette heute zu rauchen.
4.
Indigo76 23.07.2013
Zitat von derigel3000"Wissenschaftler befragten"... Jetzt mal im Ernst: soll das "Wissenschaftler" der Meldung einen seriösen Anstrich verpassen? Immerhin wurde die Studie von einer Anti-Raucher-Organisation in Auftrag gegeben, ist somit nicht als neutral zu betrachten. Und im Übrigen: Wenn die "Schreckensbilder" auf den Packungen kommen, dann werden die Fluppen eben in ein Blech-Etui umgesiedelt.
Das heißt noch nicht, dass die Ergebnisse falsch sind. Vermutlich wäre die Studie nicht veröffentlicht worden, wenn das Ergebnis anders ausgefallen wäre, aber diese Vermutung ändert nichts an den Fakten. Es sei denn, sie werfen der Anti-Raucher-Organisation vor, die Ergebnisse gefälscht zu haben. Dafür sollten sie allerdings Beweise haben, sonst ist das Verleumdung!
5.
antilobby 23.07.2013
Seien wir alle ehrlich: die Staat hat gar kein Interesse daran dass weniger geraucht wird da sonst die Steuereinnahmen wegbrechen würden. All die Antirauchen-Aktionen dienen nur der Pflege der Moralmasken. Wenn die Staat wirklich das Rauchen beenden will, kann sie einfach die Herstellung und den Verkauf aller Tabakwaren verbieten, evtl. zeitlich gestaffelt a la Atomausstieg um den Klagen der Industrie und Handel aus den Weg zu gehen.
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