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17. Januar 2013, 16:26 Uhr

Fäkalien-Transplantation

Ekel-Therapie heilt Darmkrankheiten

Von Jörg Blech

Die Therapie klingt ekelerregend - doch sie ist eine Hoffnung für viele chronisch Kranke: Ärzte haben Darmpatienten geheilt, indem sie ihnen Stuhlproben von gesunden Spendern verpflanzten. Künftig könnte eine Kapsel die Fäkalien-Transplantation ersetzen.

Pferdedoktoren nannten die Therapie "Transfaunierung": Einem Ross mit Darmkoliken flößt man eine Brühe ein, die man mit den Pferdeäpfeln eines gesunden Tieres angerührt hat. Was einst Pferden vorbehalten war, erobert nun die Humanmedizin.

In vielen Ländern gehen Gastroenterologen dazu über, bestimmten Patienten den Stuhl gesunder Menschen einzuflößen. Das verpflanzte Material enthält Milliarden nützlicher Darmbakterien, die den Empfänger wieder gesund machen sollen. Das jüngste Beispiel einer erfolgreichen Fäkaltherapie beschreiben Amsterdamer Ärzte um Josbert Keller jetzt im renommierten "New England Journal of Medicine".

In ihrer Studie ging es um Menschen, in deren Darm sich der berüchtigte Durchfallkeim Clostridium difficile ausgebreitet hatte. Das Bakterium entzündet die Darmwand und stellt Proteine her, die eine abführende Wirkung haben. Die Auszehrung kann tödlich enden, allein in Deutschland sterben jedes Jahr etwa 400 Menschen an einer Clostridium-Infektion.

Übertragung per Nasensonde

Ein Teil der Patienten in Amsterdam wurde herkömmlich behandelt, mit einem Antibiotikum, das die zählebigen Durchfallkeime bekämpfen sollte. Andere Probanden dagegen bekamen eine Stuhlprobe von gesunden Spendern aus der Verwandtschaft. Das Material wurde mit Salzlösung verflüssigt und schließlich mittels einer Nasensonde bis in den Darm gebracht.

Das Ergebnis: Vier von 13 mit Antibiotika behandelten Probanden wurden gesund. Die Fäkaltherapie dagegen heilte 15 von 16 Patienten. Als diese Daten bekannt wurden, brachen die Ärzte die Studie ab. Es schien ihnen unethisch, einem Teil der Probanden die Heilkraft des Stuhls länger vorzuenthalten.

Dem Ergebnis aus Amsterdam können viele ähnliche Erfolge zur Seite gestellt werden. Mehr als 200 Fälle haben Mediziner inzwischen beschrieben - die Erfolgsrate lag bei mehr als 90 Prozent. Und auch bei anderen Leiden, bei denen eine aus der Balance geratene Darmflora womöglich eine Rolle spielt, erproben Ärzte die Fäkaltherapie. Sie haben die Bakterien bereits Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Reizdarm und Fettleibigkeit) transplantiert.

Einige Kritiker fürchten jedoch, dass durch die Übertragung des Stuhls, dem Patienten neben den heilbringenden Bakterien gefährliche Erreger untergejubelt werden könnten. Doch um sicherzugehen, haben die Amsterdamer Ärzte das Material vor der Transplantation auf Parasiten, Bandwürmer und andere Krankheitserreger hin untersucht.

"Die natürliche Abneigung gegen die Fäkaltherapie" könne verringert werden, indem man den Patienten anonymes Material aus Spenderbanken anböte, schreibt der US-Arzt Ciarán Kelly in einem Editorial zum Artikel der Amsterdamer. Andere Forscher wie der Mikrobiologe Willem de Vos von der Universität Wageningen dagegen wollen die segensreichen Darmbakterien als unverfängliche Kapsel darreichen. Derzeit sucht de Vos nach Bakterienstämmen, die dafür besonders gut geeignet sein könnten.

Für all jene, die auf die Stuhl-Bank und die Fäkal-Pille nicht warten wollen oder können, hat der kanadische Gastroenterologe Michael Silverman eine "Do-it-yourself"-Anleitung im Magazin "Clinical Gastroenterology and Hepatology" veröffentlicht. Diese beschreibt, wie man seinen Darm eigenhändig rekolonisieren kann. Man benötigt, neben der Spende, Kochsalzlösung, Handrührgerät und Einlaufbeutel.

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