Geschlechtskrankheit Syphilis bleibt oft unerkannt

Ungeschützter Sex und ein paar Wochen später kurzzeitig Hautausschlag? Weil eine Syphilis-Infektion oft nur vorübergehend Beschwerden macht, bleibt sie häufig unerkannt. Das kann gefährlich werden.

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Eine komische Stelle am Mund, ein bisschen Ausschlag - das war's oft schon. Wer solche Symptome hat, kommt eher nicht auf die Idee, Syphilis zu haben. Die Infektionskrankheit ist nahezu aus dem Bewusstsein vieler Deutscher verschwunden, wie eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt: Auf die Frage, welche sexuell übertragbaren Krankheiten sie außer HIV kennen, nannten zufällig ausgewählte Erwachsene zwar Syphilis am zweithäufigsten - insgesamt kamen aber nur von 47 Prozent der Befragten auf die Erkrankung.

Seit 2010 stecken sich wieder mehr Menschen in Deutschland mit dem Bakterium Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis, an. Im Jahr 2015 waren laut dem Robert Koch-Institut (RKI) 6834 Menschen betroffen - knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkt der Erkrankte die Ansteckung nicht, kann Syphilis, auch Lues genannt, lebensbedrohlich werden. Wird sie rechtzeitig erkannt, genügt oft schon eine Penicillin-Injektion, um sie wieder loszuwerden.

Die Bakterien werden in der Regel beim Sex übertragen, entweder durch Geschlechtsverkehr oder Oralverkehr, erklärt Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit. Über winzige Verletzungen gelangt der Erreger in den Körper. "Die Wahrscheinlichkeit, sich bei ungeschütztem Sex mit einem Betroffenen anzustecken, liegt bei etwa 60 Prozent", sagt Brockmeyer.

Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis
DPA/ Charité Berlin

Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis

Männer besonders gefährdet

Statistisch gesehen sind vor allem Männer gefährdet, der Anteil der betroffenen Frauen lag 2015 nur bei 6,2 Prozent. Der größten Gefahr sind Männer ausgesetzt, die Sex mit Männern haben: Laut RKI steckten sich knapp 85 Prozent der Betroffenen bei sexuellen Kontakten zwischen Männern an.

Das Tückische: Hat man sich angesteckt, bemerkt man es - wenn überhaupt - erst viel später. Symptome treten nämlich erst zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung auf, erklärt Clara Lehmann, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Wird die Krankheit nicht behandelt, verläuft sie in drei Stadien: Zunächst bildet sich an den Geschlechtsorganen oder am Mund ein meist schmerzloses Geschwür. "Das heilt nach ein paar Wochen von selbst wieder ab", sagt Lehmann. Die Erreger verteilen sich aber unbemerkt im ganzen Körper. In diesem zweiten Stadium bekommen die Erkrankten meistens einen Hautausschlag und es bilden sich flache Knötchen in Hautfalten. Oft sind auch die Entzündungswerte im Blut erhöht, die Betroffenen haben Fieber und fühlen sich allgemein krank. "Auch das heilt wieder ab", so Lehmann, "und Betroffene merken oft nicht, dass sie Syphilis haben."

Antibiotika helfen

Im dritten Stadium, das ohne Behandlung mehrere Jahre nach der Infektion eintreten kann, schädigt der Erreger im schlimmsten Fall große Gefäße wie die Bauchaorta, sodass diese reißen kann. Auch innere Organe wie die Leber, Magen und Luftwege oder das Nervengewebe im Gehirn oder Rückenmark werden angegriffen. Mögliche Folgen sind Psychosen oder eine Demenz, wie Lehmann erklärt. Mediziner sprechen in solchen Fällen von der Neurosyphilis, die hierzulande allerdings nicht so häufig vorkommt.

Damit es so weit gar nicht erst kommt, muss eine Syphilis-Infektion frühzeitig behandelt werden. Dann genügt meist eine Penicillin-Spritze in den Gesäßmuskel, sagt Brockmeyer. Etwa sieben Tage später ist der Erkrankte nicht mehr ansteckend. In schweren Fällen spritzt der Arzt das Penicillin direkt in eine Vene.

Noch besser ist, sich vor der Ansteckung zu schützen: Beim Sex sollten deshalb stets Kondome verwendet werden, erklärt Christine Winkelmann, Leiterin des Fachreferats Prävention von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen der BZgA. Sie betont aber: "Die Nutzung von Kondomen reduziert das Risiko einer Ansteckung zwar, stellt aber keinen 100-prozentigen Schutz dar."

Doch seitdem die Angst vor HIV und Aids kleiner geworden ist, haben auch wieder mehr Menschen Sex ohne Kondome, sagt Lehmann. HIV-Patienten etwa können mit Medikamenten so behandelt werden, dass die Virusmenge im Körper sehr gering ist. So stecken sie ihren Partner bei ungeschütztem Sex nicht mehr an - Syphilis kann aber weiterhin übertragen werden.

Wichtig sei auch, Syphilis-Geschwüre bei einem anderen nicht zu berühren. Und nicht zuletzt gelte: Wer sich angesteckt haben könnte, sollte sich testen lassen. Das ist beim Arzt, aber auch in Gesundheitsämtern oder bei der Aids-Hilfe möglich.

hei/dpa



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