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"Tatort"-Faktencheck: Können alle Gehörlosen so gut Lippen lesen?

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Saar-"Tatort": "Ohren werden doch eh überbewertet!" Fotos
ARD/ Manuela Meyer

Achtung, das im Auto geführte Telefonat wurde beobachtet: Ein Lippenleser hat alles mitbekommen. Damit begann der "Tatort", in dem Kommissar Stellbrink in der Gehörlosenszene von Saarbrücken ermittelt. Wie realistisch war der Krimi?

Im Saar-"Tatort" erfährt ein Gehörloser durch Lippenlesen von einem Verbrechen, Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) übt sich in Gebärdensprache und der vernachlässigte Bruder einer Gehörlosen grollt seiner Familie. Noch Fragen? Ja!

Können alle Gehörlosen so gut Lippen lesen?

Zu Beginn von "Totenstille" verfolgt Ben Lehner (Benjamin Piwko) das Telefonat eines Mannes, der eine Leiche verschwinden lassen will und sich allein in seinem Auto in Sicherheit wähnt. Doch Lehner liest von seinen Lippen.

Die Bloggerin Julia Probst wurde dadurch bekannt, dass sie bei der Fußball-WM 2010 und der EM 2012 Bemerkungen von Trainern und Spielern von den Lippen gelesen und getwittert hat. Sie hat an der "Tatort"-Folge "Totenstille" mitgearbeitet. "Die Fähigkeit zum Lippenlesen ist ganz unterschiedlich bei Gehörlosen ausgeprägt", schreibt sie in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE. "Lippenlesen ist etwas, was von vielen Faktoren abhängt, vor allem vom erworbenen Bildungsgrad und dem zusammenhängenden Wortschatz." Im Deutschen seien ohnehin nur etwa 15 Prozent ablesbar, da viele lautsprachlich ähnliche Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung existierten, etwa Mutter und Butter. Was Lehner demonstriert, sei eine überdurchschnittliche Begabung fürs Lippenlesen. Trotzdem halten sich inzwischen viele Fußballprofis die Hand vor den Mund, wenn sie während des Spiels reden.

Wie lange braucht man, um Gebärdensprache zu lernen?

Im "Tatort" eignet sich Stellbrink schnell einige Gebärden an. Das ist allerdings gerade mal mit dem Spanientourist gleichzusetzen, der stolz "dos cervezas, por favor" ordert. Und es soll nicht über folgendes hinwegtäuschen: Gebärdensprachen sind eigenständige, vollwertige Sprachen - es gibt weltweit viele verschiedene und zum Beispiel auch innerhalb Deutschlands Dialekte. "Wie bei jeder anderen Fremdsprache braucht man im Schnitt zwei, drei Jahre, um über die Phase des Smalltalks zu kommen", schreibt Probst. Fürs Erlernen sei es vorteilhaft, wenn man vorher schon sehr visuell denke.

Stellbrink-"Tatort" über Gehörlose
Wie lernen Gehörlose sprechen?

Einige der gehörlosen Protagonisten im "Tatort" reden auch und nutzen nicht ausschließlich Gebärdensprache. Menschen, die von Geburt oder vom frühen Kleinkindalter an taub sind, können durch die gleichen Techniken wie Hörende sprechen lernen: nachahmen, üben, korrigiert werden, üben. Nur müssen sie dabei stärker auf Visuelles achten. Probst schreibt: "Mein erstes Wort mit fast eineinhalb Jahren war 'Ball' - man hat mich auf die Kommode vor dem Flurspiegel gesetzt und mir vorgesprochen." In einem Blog-Eintrag zu der Frage beschreibt sie: Wie man das C ausspreche, habe sie erst kurz vor ihrem vierten Geburtstag begriffen: "dass es nämlich im Hals produziert wird aufgrund der Kehlkopfbewegung bei der Aussprache!"

Wie geht es Geschwistern von Gehörlosen?

Im "Tatort" spielt der Groll des größeren Bruders, der wegen seiner gehörlosen Schwester vernachlässigt wurde, eine große Rolle. Ist der Konflikt typisch? Die Studienlage dazu ist sehr dünn. Eine 2014 veröffentlichte Doktorarbeit aus Neuseeland fasst die vorliegenden Daten zusammen und ergänzt sie unter anderen durch sechs ausführliche Interviews mit inzwischen erwachsenen Geschwistern von Gehörlosen. Demnach stellt es Eltern sicher vor eine größere Herausforderung, auf die Bedürfnisse der hörenden und gehörlosen Kinder gleichermaßen einzugehen und die hörenden Geschwister können sich älteren Studien zufolge durchaus vernachlässigt fühlen. Elizabeth Ray kam in ihrer Arbeit jedoch zum Schluss: Die Erfahrung sei insgesamt positiv und sie würden verstehen, wenn das Geschwisterkind mehr Aufmerksamkeit erhält.

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Ambra Reichert (Jessica Jaksa) hat es, Ben Lehnert nicht: ein Cochlea-Implantat (CI). Dabei handelt es sich um eine ins Ohr implantierte Prothese. Ein CI eignet sich nur für Menschen, deren Hörnerv intakt ist, denn es übersetzt den Schall in elektrische Impulse, die dann vom Nerv weitergeleitet werden.

Die medizinische Leitlinie zum CI empfiehlt, es bei Kleinkindern, die vor oder während des Spracherwerbs ertaubt sind, möglichst frühzeitig zu implantieren. Sie hätten dann die besten Chancen, das Hören zu lernen. Mit der OP allein ist es allerdings nicht getan, anschließend folgt eine Reha, bei der der Sprachprozessor des CI eingestellt und das Hören geübt wird. Wie bei jedem operativen Eingriff, kann es auch bei der Implantation Komplikationen geben, zum Beispiel werden in sehr seltenen Fällen Gesichtsnerven verletzt oder das CI kann abgestoßen werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Eingriff.

Manche Gehörlose lehnen Cochlea-Implantate ab. Ein Fachartikel von 2010 und die Reaktionen darauf verdeutlichen die Konfliktlinie. In einem Aufsatz im Fachblatt "Nervenheilkunde" beschäftigten sich die zwei Autorinnen mit der Frage, ob gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein CI hätten. Sie argumentierten, dass es bestehe und man Eltern im Fall dieser Gesundheitsfrage sogar das Sorgerecht entziehen könne, um die Implantation durchzuführen. Diese Meinung wurde heftig kritisiert. Beispielsweise schrieb der Gehörlosen-Bund in einer Stellungnahme: "Viele Gehörlose wollen taub bleiben. Die Gehörlosigkeit ist Teil Ihrer Identität, die eng mit dem Gebrauch der Gebärdensprache verknüpft ist. Denn neben der Sprachgemeinschaft besteht auch eine Kulturgemeinschaft, die als Bereicherung der Gesellschaft anzusehen ist."

Probst betont, dass man das CI kritisch und realistisch bewerten solle. Es werde allzu oft als Wunderheilmittel beworben, was es aber nicht sei. "Nicht der Gehörlose ist das Problem, sondern die fehlende Barrierefreiheit", schreibt sie.

Das Hören mit dem CI hat auf jeden Fall Grenzen, "diese sind individuell sehr verschieden", heißt es in einer Broschüre der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft.

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Dorn und Lessing in Weimar
Ist das noch ein Krimi? Nora Tschirner als Kommissarin Dorn und Christian Ulmen als Kollege Lessing lassen mit lässiger Eleganz die üblichen "Tatort"-Ermittlerstanzen ins Leere laufen - und das ausgerechnet im Einflussgebiet des MDR, wo man sich früher schwer tat mit Humor und Subversion. Die beiden sind leider höchstens einmal im Jahr in Weimar im Einsatz und müssen sich dann immer Beschimpfungen vom Gebührenzahler anhören. Im Frühjahr folgt endlich ihr dritter Fall. Auch wenn Krimi-Spießer zürnen: Dürfen gerne regelmäßiger in Erscheinung treten.

Murot in Hessen
Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr - Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge "Schwindelfrei" von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge "Im Schmerz geboren" 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Nach der letzten Folge, in der der reale Schauspieler Tukur auf den fiktiven Murot traf, gab es reichlich erzürnte Anrufe beim HR. Doch der verspricht: Es wird experimentell bleiben, ein weiterer Tukur-"Tatort" ist in Planung.

Tschiller in Hamburg
Wer ist der Größte im "Tatort"-Land? Til Schweiger schielt mit seinem Kommissar Nick Tschiller und seinen Actionblockbusterkrimis ganz eindeutig auf diese Spitzenposition. Beim letzten Doppel-"Tatort" nach dem Jahreswechsel holte man sogar Schlagerstar Helene Fischer ins Boot, um neue Quotenrekorde aufzustellen. Haute aber nicht hin, der Zweiteiler kam beim Publikum schlecht an. Da konnte selbst Schweiger mit Panzerfaust nicht viel anrichten, und auch der begnadete Sidekick und heimliche Hamburg-"Tatort"-Star Fahri Yardim als Kommissar Yalcin Gümer hielt die Zuschauer nicht. Die Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers und deren Zuschauerzahlen sind für Schweiger weiter entfernt denn je. Mal sehen, wie der im Februar startende Kino-"Tatort" ankommt.

Falke in Norddeutschland
Für immer Punk: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke hört linksradikalen Hardcore, ist immer nur in Absteigen zu sehen und trägt zum Schlafen wie zum Ermitteln ein fadenscheiniges Ramones-Shirt. Erst war er in Hamburg unterwegs, dann musste er Til Schweiger die Stadt überlassen und zog ins norddeutsche Umland ab. Als Bundespolizist kümmert er sich um extrem aktuellen Problemstoff: Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend. Zwischendurch gab es ein paar schlechte Folgen, aber zuletzt lieferte Möhring aus Salzgitter den besten "Tatort" zum Thema Flüchtlinge überhaupt. Nach dem Ausstieg von Petra Schmidt-Schaller übernimmt jetzt Franziska Weisz die Rolle der Co-Ermittlerin. Trotz schwieriger Zeiten eines der interessantesten TV-Reviere.

Boerne und Thiel in Münster
Der Prof und der Proll: Seit 2002 ermitteln Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Frank Thiel zwischen Keksdynastien, Kartoffelkönigen und Spargelkaisern. Der eine Snob und eng verbandelt mit der Münsteraner Honoratiorenschaft, der andere St.-Pauli-Fan und Outsider. Eine Kombination, mit der anfangs gekonnt grotesker Humor in den "Tatort" geschmuggelt wurde, der erschöpfte sich in den letzten Jahren aber in Gag-Kanonaden. Zwei Fälle im Jahr, fast immer von neuen Quotenrekorden flankiert. Mit den letzten Folgen hat man endlich wieder einen härteren Ton angeschlagen.

Voss und Ringelhahn in Franken
Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zu einander passen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich werden Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt. Ab Mitte April, vielversprechend.

Brix und Janneke in Frankfurt
Wie sind die denn drauf? So ausgeglichen wie Paul Brix (Wolfram Koch, l.) und Anna Janneke (Margarita Broich, r.) geht sonst niemand in Fernsehkrimideutschland zur Arbeit. Gute Laune als Alleinstellungsmerkmal, ein interessanter Dreh. Statt Reibung die geballte Aufmerksamkeit für den jeweiligen Fall. Brix war früher bei der Sitte, Janneke hat zuvor als Psychologin gearbeitet: Eine gute Ergänzung, um in die harten, kranken und doch oft auch heiter verdrehten Fälle des hessischen "Tatorts" hinabzusteigen. Auch nicht schlecht: der Gewitter-Chef (Roeland Wiesnekker), der auf den schönen Namen Riefenstahl hört, hehe. Im Mai absolvierten Brix, Janneke und Riefenstahl ihren ersten Fall - bester Neuzugang im "Tatort"-Kosmos seit langer Zeit.

Rubin und Karow in Berlin
Er ein Schwein, sie eine Schlampe: Im Gegensatz zu den einstigen sonnigen Haupstadt-Cops Ritter und Stark sind "Tatort"-Nachfolger Mark Waschke als Robert Karow und Meret Becker als Nina Rubin mit extrem schwarzen Strich gezeichnet. Während Karow in der ersten Episode krumme Geschäfte mit der Drogenmafia laufen hat, vergnügt sich Rubin bei SM-Spielchen in den Hinterhöfen von Kreuzberger Hipster-Bars. Neben krassen Charakterzeichnungen gibt es im radikal modernisierten Berliner "Tatort" vor allem stimmige Hauptstadtimpressionen. Zwei Folgen pro Jahr, das Debüt macht Lust auf mehr.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund
Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt– würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Beim Start 2012 ein bisschen gewollt, jetzt die Elite des deutschen Fernsehkrimis.

Eisner und Fellner in Wien
Der doppelte Espresso: Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Major Moritz Eisner mürrisch, praktisch, gut. An die 5000 Tassen Mokka und andere starke koffeinhaltige Getränke hat er seitdem in sich hineingeschüttet. Seit 2011 wird er von Adele Neuhauser als Bibi Fellner unterstützt, einer (meistens) trockenen Alkoholikerin mit Hang zur Halbwelt am Prater. Wien, düster und kalt wie ein kleiner abgestandener Schwarzer. Zwei Einsätze im Jahr, immer tut's weh, selten enttäuscht's. 2014 gab es den Grimme-Preis.

Batic und Leitmayr in München
Die ewigen Junggesellen: Seit 1991 sind Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr im Einsatz. Früher gab es die eine oder andere mit den Fällen verbundene Affäre, heute sind sich die beiden Burschen offensichtlich selbst genug. Sehr zärtlich und verschworen untereinander, gegen den Rest der Welt wird trocken ausgeteilt. Drei Fälle im Jahr, auch nach weit über 20 Jahren besitzen die beiden eine hohe Treffsicherheit. Haben gerade eine junge Profilerin und einen Ermittlerbubi an die Seite gestellt bekommen. So kann es noch 10 Jahre weitergehen.

Borowski in Kiel
Der Weltenwandler: Als Klaus Borowski ist Axel Milberg am besten, wenn er in Parallelkosmen von Psychopathen hinabsteigt – vielleicht weil Borowski selber nah am Wahnsinn gebaut ist. Seit 2003 dabei, stand bis 2009 sinnigerweise unter der Beobachtung einer Polizeipsychologin; 2011 übernahm Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die bislang allerdings noch mit der Betreuung überfordert scheint. Zwei bis drei Fälle im Jahr. War früher beim Publikum recht unbeliebt, hat mit spektakulären Folgen wie der über Crystal Meth aber in der Zwischenzeit kräftig zugelegt.. Der vielleicht klügste Ermittler im "Tatort"-Land."

Ballauf und Schenk in Köln
Das Ehepaar: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk standen lange für den guten alten Soziokrimi – kein Thema, das von den beiden nicht warmherzig wegermittelt und wegerklärt wurde. Schenk hat zu Hause eine Frau, die man noch nie gesehen hat. Aber mal ehrlich: Was kann die schon gegen seine große Liebe Ballauf ausrichten? Seit 1997 dabei, drei bis vier Fälle im Jahr. Nachdem Anfang 2014 Assistentin Franziska grausam aus dem TV-Revier gemordet wurde, geht es bei den Kölnern düsterer und unversöhnlicher zu. Steht den beiden "Tatort"-Oldies eigentlich ganz gut.

Blum und Perlmann in Konstanz
Mutter Courage und der Schnösel: Seit 2004 geben Eva Mattes als Klara Blum im Fairtrade-Look und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann im gut sitzenden Anzug das Gespann der Gegensätze. Sie guckt traurig bis empört, er gelangweilt bis genervt. Zwei bis drei Fälle im Jahr, waren am Anfang ziemlich gut, heute scheinen beide oft nur noch den Feierabend herbeizusehnen. Den bekommen sie bald: 2016 wird das Bodensee-Revier abgewickelt.

Odenthal und Kopper in Ludwigshafen
Die WG-Stoffel: Früher war Ludwigshafen das Labor des "Tatort". Hier gab es die schönsten amourösen Eskapaden und die verwegensten Storys – samt Ausflug ins All. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ist seit 1989 im Einsatz, Andreas Hoppe als Mario Kopper stieß 1996 dazu. Die offen lesbische Schauspielerin Folkerts durfte ihre Odenthal leider keine langlebige lesbische Liebe erleben lassen. Kämpft sehr mit sich, nach vielen öden Episoden kommt langsam wieder Bewegung in Personenführung.

Lindholm in Hannover und Umgebung
Die Frau von heute: Seit 2002 ist Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm in Niedersachsen unterwegs und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff der modernen weiblichen Ermittlerin. WG-erfahren, hochschwanger während brisanter Ermittlungen, später brachte sie Kind und Karriere gut zusammen. Lindholm ist die personifizierte Selbstoptimierung, im Herzen konservativ, aber offen für Experimente. Kurz: die Ursula von der Leyen des "Tatort". Früher zwei bis drei Episoden im Jahr, jetzt nur noch eine. Nicht immer großartig, niemals langweilig.

Flückiger in Luzern
Der Leisetreter: Nachdem Stefan Gubser als Reto Flückiger bereits einige Male als Gast bei Kollegin Klara Blum in Konstanz ermittelt hatte, bekam er 2011 ein eigenes Revier in Luzern. Bringt eine leise Note in den zur Hysterie neigenden "Tatort". In der desaströsen ersten Folge stand ihm noch Sofia Milos als Abby Lanning zur Seite, dann übernahm Delia Mayer als Liz Ritschard die weibliche Sidekick-Rolle. Sie spielt die erste offen lesbische Ermittlerin im "Tatort"-Verbund. Zwei Folgen im Jahr, sorgen oft für unaufgeregte Kontrapunkte.

Lürsen und Stedefreund in Bremen
Die ewigen Spontis: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund liefern sich ein schönes Wechselspiel. Wenn der Jungspund es zu wild treibt, setzt sie ihr strenges Gesicht auf, wenn die Chefin allzu viel Spaß hat, macht er den Miesepeter. Schnoddrig lösen die beiden auf diese Weise politisch aufgeladene Fälle. Links, launig, manchmal ein wenig zu laut. Sie ist seit 1997 dabei, er seit 2001. Zwei bis drei Fälle im Jahr. Immer gut – solange es den Kommissaren schlecht geht.

Lannert und Bootz in Stuttgart
Die Geschundenen: Richy Müller als Thorsten Lannert und Felix Klare als Sebastian Bootz sind prima Kerle. Der eine mit tragischer Undercover-Ermittler-Vergangenheit, der andere als ehrenhaft gescheiterter Ehemann. Sie liefern gute, korrekte Ermittlerarbeit – der manchmal aber die gute, korrekte Inszenierung fehlt. Seit 2008 im Einsatz, zwei bis drei Folgen im Jahr, da geht noch was.

Stellbrink und Marx in Saarbrücken
Der Zarte und die Harte: Seit 2013 ermitteln Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx in Saarbrücken. Er ist ein kiffender Gefühlsmensch, sie eine rabiate Analysemaschine. Man mag es in Saarbrücken in Sachen Charakterzeichnung eben gerne ein bisschen schlichter. Startete als Comedy-Krimi, wird jetzt langsam ernster. Zwei Folgen im Jahr, immer noch die große Baustelle der "Tatort"-Reviere.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Elisabeth Brück
FranzW 25.01.2016
Auf Bild 4 ist nicht Elisabeth Brück (mittlerweile blond statt rothaarig) sondern Kassandra Wedel abgebildet, die die Ex-Freundin des Hauptverdächtigen darstellt. Auch das Elisabeth Brück diemal "nur im Hintergrund" agiert kann ich nicht ganz nachvollziehen; Ihre Rolle hat zwar etwas weniger Raum als in früheren SR-Tatorten, dafür wurde Ihre Figur aber auch etwas weniger überzeichnet, was ich besser finde. Insgesamt hatte die Story ein paar Schwächen und hat damit das durchaus vorhandene Potential der Grundidee nicht ausgespielt. Schlecht fand ich ihn aber nicht.
2. unglaubwürdig
projektraum 25.01.2016
war für mich, dass sich "Ben", obwohl er früher Judo etc lernte u den Kommissar früher schon gekonnt auf die Matte brachte, dann so tatenlos dem Messerangriff gegenüberstand...
3. Anekdötchen:
totti85 25.01.2016
Ich saß vor einiger Zeit mit einem Freund und seiner fast gehörlosen Frau in einem italienischen Restaurant. Während ich mich mit dem Freund über "Jungs-Themen" unterhielt, schien seine Frau zunächst etwas abwesend, begann aber urplötzlich laut zu lachen. Folgendes war geschehen: Sie folgte durch Lippenlesen dem Gespräch zweier Kellner. Der eine kam mit einem Salat aus der Küche, schaute drauf und fragte dann den anderen: Ist das Schimmel oder Käse? Der andere zuckte mit den Schultern. Daraufhin der erste: "ich lege einfach ein Salatblatt drüber!" Merke: Nicht nur Fußballer sollten besser aufpassen, was sie auf dem Platz sagen. :o)
4. sehr anstrengend
Gunter 25.01.2016
Ich fand es sehr anstrengend dem Tatort zu folgen. Ich kann leider keine Gebärdensprache. Trotzdem war nur 1/3 untertitelt. Den Rest sollte man irgendwie erraten? Mir ist das nicht gelungen.
5. Unerhört: Lord Helmchen ermittelt
ed_tom_bell 25.01.2016
Den Saar-Tatort mag ich nicht so gern. Das Thema "Gehörlose" fand ich ja durchaus interessant. Mir ist hier aber vieles zu aufgesetzt. Schon Stellbrink/Striesow, mit seinem Motorröllerchen und Helm, geht mir auf die Nerven. Das ist alles so gewollt ulkig und kauzig und dabei so flach,dass es einfach nur nervt. Ich habe ihn tatsächlich bis zum Schluss durchgehalten, war aber mehrmals knapp davor abzuschalten. Nochmal werde ich mir den Saar-Tatort nicht antun.
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