Zahnersatz von Tchibo: Ärzte warnen vor Billig-Dritten

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Strahlendes Lächeln zu kleinen Preisen? Tchibo nimmt eine Rabattkarte für Zahnersatz ins Sortiment. Hergestellt werden die künstlichen Kauleisten in einem Labor auf den Philippinen. Zahnärzte warnen: Die Billigware birgt Risiken.

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Zahnersatz von Tchibo

Hamburg - Beim Sport den Zahn ausgeschlagen, Karies, eine Krankheit, Ästhetik oder das Alter. Es gibt viele Gründe, warum Menschen Zahnersatz benötigen, doch der ist teuer. Abhilfe schaffen soll eine neue Bonuskarte der Kafferösterkette Tchibo, die seit Dienstag online angeboten wird und ab dem 23. Juli auch in den Märkten erhältlich sein soll. Tchibo verspricht seinen Kunden für einmalig 24 Euro günstigen Zahnersatz in den kommenden zwei Jahren. Experten sind skeptisch.

"Finanziell ist das Angebot durchaus interessant", sagt Jürgen Fedderwitz, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Etwa 60 Prozent der Kosten für den Zahnersatz entfielen auf Herstellung und Material, 40 Prozent auf die Behandlung beim Zahnarzt. "Besonders bei aufwendigen Behandlungen kann man über ein günstigeres Zahnersatzlabor viel Geld sparen." Ohne Risiko sei das jedoch nicht.

Tchibo arbeitet mit dem Dentallabor Novadent zusammen, das seinen Hauptsitz in Hamburg hat. Gefertigt wird der Zahnersatz jedoch in der philippinischen Stadt Manila. "Ein Zahnarzt kann sich bei einem ausländischen Labor, mit dem er noch keine Erfahrungen hat, nicht sicher sein, welche Qualität er bekommt", sagt Fedderwitz. "Da kaufen Sie die Katze im Sack."

Der Zahnarzt entscheidet über das Labor

Die meisten Zahnärzte in Deutschland bestellen ihren Zahnersatz deshalb bei Zahntechnikern in ihrer direkten Umgebung, andere produzieren die Kunstzähne direkt im eigenen Labor. "Am Ende trägt der Zahnarzt allein die Verantwortung, dass es dem Patienten mit dem Produkt gut geht", so Fedderwitz. "Vielen ist es da wichtig, dass sie den Zahntechniker kennen und als Ansprechpartner in ihrer Nähe haben."

Zwar wirbt Tchibo mit freier Zahnarztwahl, die hat jedoch Grenzen: Kein Zahnarzt ist verpflichtet mit Novadent zusammen zu arbeiten. Novadent-Vertragspartner gibt es hierzulande nur etwa 1000 unter 54.000 niedergelassenen Ärzten. Fedderwitz hält es für unwahrscheinlich, dass viele Zahnärzte bereit sind, ihr Labor für Tchibo-Kunden zu wechseln.

"Die Zahnärzte, die schon mit ausländischen Labors arbeiten und gute Erfahrungen haben, sehen wahrscheinlich keinen Grund dafür", so der Zahnmediziner. "Und solche, die auf deutsche Labors setzen, tun das vermutlich bewusst aus den genannten Gründen." In einer Umfrage der KZBV unter 300 Zahnärzten gab 2009 die Hälfte an, nie auf Zahnersatz aus dem Ausland zurückzugreifen. 15 Prozent wählen die Produkte laut Umfrage gelegentlich, etwa 12 Prozent häufig.

Patienten sind skeptisch gegenüber Zahnersatz aus Asien

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen zweijährigen Gewährleistung für Zahnersatz bietet Tchibo eine Garantie von fünf Jahren für die Novadent-Produkte. Ist das kein Argument? "Solche Garantieangebote sind in der Branche nicht ungewöhnlich", erklärt Fedderwitz. "In der Regel bekommt man als Zahnarzt von seinem Labor mehrere Preislisten mit unterschiedlichen Garantiemöglichkeiten." Längere Garantiezeiten seien dann etwas teurer, so wie es auch in anderen Industriezweigen üblich ist.

"Ich würde von dem Tchibo-Angebot abraten", sagt Fedderwitz. Aus seiner Erfahrung seien die Patienten selbst häufig skeptisch gegenüber Zahnersatz aus Asien. "Wenn sie abends in den Nachrichten gehört haben, dass Kinderspielzeug aus China zurückgenommen werden musste, weil es mit Schwermetallen belastet ist, können sie als Zahnarzt den Patienten schwer vermitteln, dass das Material für ihren Zahnersatz aus der gleichen Region stammt."

Und noch eine Falle birgt das Angebot: "Wahrscheinlich kaufen sich jetzt auch Menschen die Karte, die in den nächsten zwei Jahren gar keinen Zahnersatz benötigen", so Fedderwitz.

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1. Die Lobby schreit
alter55 17.07.2013
Warum regen sich die Leute so auf und warum soll das Material schlechter sein. Schon heute lassen die Zahnärzte in China oder Sonstwo herstellen und kaufen billigst ein. Wie gesagt, da schreit nur die Lobby. Herr Fedderwitz sollte mal auf alle Produkte aus Fernost verzichten, wenn er der Meinung ist, dass alles so shlecht ist. Wahrscheinlich würde er nackt zu Fuß in sein leeres Büro laufen müssen und hätte keine Mpglichkeit zu telefonieren, geschweige, eine mail abzusetzen.
2.
Trondesson 17.07.2013
Ist schon klar, daß die Zahnärzte "warnen". Schließlich sind es ihre völlig überteuerten Felle, die sie davonschwimmen sehen.
3. optional
Freddy Kraus 17.07.2013
Völliger Unsinn was hier geschrieben wird. Die Eigentümer von verschiedenen Zahnlabors in Manila/Philippinen sind deutsche Zahnärzte und deutsche Zahntechniker, die nach den gleichen Vorgaben arbeiten wie in Deutschland. Es werden auch philippinische Zahntechniker gem. den deutschen Richtlinien in Manila, Cebu und in Davao/Philippinen ausgebildet. Die Qualität ist keinen deut schlechter als in Deutschland. Und Reklamationen kommen auch in Deutschland über die Qualität der Zahnlabore vor. Mit steigender Tendenz übrigens wie mir mein Zahnarzt sagte. Vielleicht kann mit den philippinischen Labors aufgrund der niedrigen Preise nicht so gemauschelt werden wie in Deutschland, weil soviele deutsche Labors/Dentisten gegen diese asiatische Konkurrenz hetzen.
4. Besser als....
ohne_mich 17.07.2013
...Trondesson kann man es nicht zusammenfassen. Zahnersatz, Brücken, Kronen & Co. sind hierzulande unglaubliche Pfründe, die Labore und Zahnärzte unter sich aufteilen. Der Leidtragende ist der Patient, der absurd überzogene Kosten meistens selbst zahlen darf, da die Leistungen der Krankenkassen in diesem Bereich immer geringer werden. Klar, daß der Lobbymensch da entsetzt aufheult - auch wenn das Thema "Zahnersatz aus Fernost" kein neues ist. Es ist halt jetzt, dank Tschibo, endlich mal in der breiten Öffentlichkeit, und das ist gut so. Die Qualität ist übrigens die gleiche wie in deutschen Laboren: zum großen Teil arbeiten in diesen Laboren in Manila oder in China Angestellte, die nach deutschem Maßstab (oder sogar gleich in Deutschland) ausgebildet wurden. In meinem Umkreis haben sich schon viele Zahnersatz aus Fernost einsetzen lassen, und ich habe noch nicht eine Beschwerde gehört. Ich würde diesen Weg auch jederzeit wählen.
5. -
franksterling 17.07.2013
Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Es geht hier nicht darum, dass den Zahnärzten die Fälle wegschwimmen. Das zahnärztliche Honorar ist bereits durch die Kasse abgedeckt. Es geht darum, dass jeder klar denkende Zahnarzt davon absehen / abraten wird Zahnersatz eines ihm unbekannten Herstellers, ohne Rücksprachemöglichkeit etc einzusetzen nur um den PAtienten damit die überteuerten deutschen Laborrechnungen zu ersparen. Ich hätte keine Lust Gewährleistung für etwas geben zu müssen von dem ich überhaupt ncht weiß ob diese GEwährleistung gegeben werden kann. Das fängt bei Legierungsbestandteilen und handwerklicher Präzision und Können an und hört bei Service (Zahntechniker kann z.B. nicht vorbei kommen und schwierige Farben bestimmen) auf. Wir fertigen den Zahnersatz in unserer Praxis mit CAD / CAM. Unsere PAtienten wissen den Service zu schätzen und wir setzen Zahnersatz ein, bei dem wir mit ruhigem Gewissen Gewährleistung geben können und sollte es dazu kommen, dass etwas in der Gewährleistungsfrist erneuert werden muss dann ist es wenigstens meine Schuld gewesen und nicht die von irgendeinem Labor dessen Mitarbeiter ich noch nicht mal kenne. Es gibt sicherlich Unterschiede aber ich habe als Angestellter in einer "Zahnersatz zum Nulltarif" Praxis gearbeitet. Der ZE kam auch China und der Türkei. Mit solchen Arbeiten wären wir in der Uni nicht mal ins zweite Semester gekommen. Wer billig will soll billig bekommen. Wir brauchen die Patienten nicht. Billig gibt IMMER Probleme. Wenn es dann aber um dadurch entstandene Schäden der eigenen Gesundheit geht ist plötzlich niemand mehr zu Kompromissen bereit. Hier von Lobbyarbeit zu sprechen ist meiner Meinung nach etwas unangemessen, da ohne das nötige Hintergrundwissen keinerlei Urteil über das Gesagte abgegeben werden kann. Ich freue mich schon darauf, wenn in 10 Jahren die ganzen PAtienten die billig wollten kommen und nur noch implantologisch festsitzend versorgt werden können. Hierbei wird es nämlich sicherlich nicht billig geben... .
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Zur Autorin
  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus und begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft von SPIEGEL ONLINE.

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