Tennisarm, Kreuzbandriss, Fersensporn: So entkommen Sie dem Skalpell

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Orthopädische Beschwerden: Operieren - oder lieber nicht? Fotos
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Tennisarm, Achillessehnenriss, Fersensporn, Kreuzbandriss: Oft ist eine Operation nötig, aber auch konventionelle Therapien helfen. Doch kann man Schmerzen wirklich mit Schallwellen wegstoßen? Und wann hilft gezieltes Muskeltraining? Ein Überblick.

Viele Ärzte kennen ihn nicht mehr, den Leitsatz von Theodor Billroth, einem der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts (1829 bis 1894): Operiere nur, was du selbst an dir machen lassen würdest! Heutzutage wird schneller denn je zum Skalpell gegriffen. Praxisinhaber und Klinikmanager, die den Druck der Gewinnmaximierung im Nacken haben, Zielvereinbarungen, die Chefärzte laut Vertrag erfüllen müssen - Beobachter des Gesundheitswesens wissen, dass viel zu häufig die Entscheidung für eine OP auf Grundlage der Vergütungszahlen getroffen wird und nicht auf Basis der Notwendigkeit.

Dabei ist eine Operation längst nicht immer die beste Lösung. Insbesondere bei häufig vorkommenden und lästigen orthopädischen Leiden gibt es etliche andere Methoden, die helfen können. Doch kann man Schmerzen wirklich einfach mit Schallwellen wegstoßen oder durch Stärkung der Muskulatur lindern?

Vier Gesundheitsprobleme und ihre Ursachen
Tennisarm
Er ist zumeist die Folge einer häufigen Fehl- und Überbelastung von Muskulatur und Sehnen. Am Knochenvorsprung (Epicondylus) des Ellenbogens setzen über eine Sehne die Unterarm- und die daumenseitige Hand- und Fingerstreckmuskulatur an.

Insbesondere Bewegungsmonotonie, etwa durch stundenlanges Fensterputzen, an der Kasse im Supermarkt oder Arbeiten am PC, führt zu Reizungen und Entzündungen. Sind nach etwa sechs Monaten die Schmerzen nicht deutlich verringert, "dann wurden die Ursachen nicht richtig erkannt. In jedem zweiten Fall ist die Halswirbelsäule ursächlich beteiligt und muss mit behandelt werden", sagt die Tübinger Sportorthopädin Pia Janßen.
Achillessehnenriss
Die Achillessehne kann bei plötzlichem Anspannen, hoher Start- und Bremsbelastung sowie beim Aufkommen nach einem Sprung - aber auch nur beim gemütlichen Tanzen - reißen. Meistens ist die Sehne bereits degeneriert.

Wie kommt es dazu? Die Achillessehne ist an sich mechanisch ziemlich belastbar. Allerdings setzen ihr harte Böden, fehlendes Aufwärmen, ungenügendes Stretching, Muskelverkürzungen und falsches Schuhwerk zu. Hinzu kommt, dass sich die von vornherein schlechte Durchblutung des Sehnengewebes mit zunehmendem Alter weiter verschlechtert. Es treten Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen auf, auch die Fasern selbst degenerieren dann. Bei Rheumatikern schwächt eine Kortisontherapie die Achillessehne.
Fersensporn
Am Fersenbein setzt eine Sehnenplatte, die sogenannte Plantarfaszie, an. Sie zieht vor in Richtung Zehen und spannt quasi das Fußgewölbe auf. Fußfehlstellungen wie Spreizfüße mit einem abgeflachten Fußgewölbe, Knick-Senk-Füße, harte Schuhsohlen und Böden, starkes Übergewicht oder eine falsche Lauftechnik sind mögliche Ursachen einer Fehl- und Überbelastung dieser Sehnenplatte auf der Fußsohle.

Wird sie chronisch gereizt, entwickelt sich eine Art schmerzhafte Entzündung. Daraus kann sich am Sehnenansatz in der Ferse ein Knochenauswuchs, der Fersensporn, bilden. Schmerzen entstehen aber vor allem aufgrund der chronischen Reizung und Entzündung in der Umgebung des knöchernen Hakens.
Kreuzbandriss
Kreuzbandrisse betreffen zumeist das vordere der beiden für die Kniestabilität sehr wichtigen Bänder. Häufig reißt das Kreuzband etwa in Folge von Trainingsdefiziten, Muskelschwäche und ermüdeter Muskulatur.
SPIEGEL ONLINE stellt vier typische orthopädische Krankheiten und deren Therapiemöglichkeiten vor, erklärt, was wirklich hilft - und wo die Grenzen einer konventionellen Behandlung sind.

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1. Tennisarm
Ontologix II 15.10.2012
Ich spiele zwar nicht Tennis, leide seit meinem 17. Lebensjahr am Tennisarm/Epicondylitis beidseitig. Zuerst war es Langstreckenpaddeln, dann Windsurfen. An den zahlreichen Therapieversuchen verdiente mancher Orthopäde und Nadler gut, ohne dass Spritzen und Akupunktur auch nur die geringste Besserung brachten. Nichts half. Vorübergehende Linderung brachte Mikrowellenbestrahlung. Dann bekam ich einen Tipp: Wärmebeutel ins Frostfach legen, dann fünf Minuten auf den Ellenbogen, und das Ganze einen Monat lang regelmäßig wiederholen. Das brachte die entscheidende Besserung. Das sagt einem nur kein Arzt, weil es daran nichts zu verdienen gibt.
2. optional
Jochen Binikowski 15.10.2012
Vor ca. 15 Jahren hatte ich mir einen üblen Tennisellbogen weggeholt. Als ich kurz darauf auf den Philippinen war gab mir meine dortige Schwägerin (Apothekerin) eine kleine Flasche mit einer furchtbar stinkenden Flüssigkeit. Damit den Ellenbogen intensiv einmassiert, es wurde für einige Minuten siedend heiß. Ja, und eine halbe Stunde später war ich auf dem Tennisplatz als ob nichts gewesen wäre. Das Problem ist seitdem auch nicht wieder aufgetreten. Ach so, das Zeugs hieß "Oil of Wintergreen", und zwar in extrem hoher Konzentration und natürlichen Ursprungs. Etwa ein Jahr später gabe es auf den Philippinen nur noch synthetisches Oil of Wintergreen. Stinkt zwar genauso, nur die Wirkung ist minimal. http://en.wikipedia.org/wiki/Oil_of_wintergreen
3. Strahlentherapie
Goldes 15.10.2012
Ich finde es traurig, in diesem so groß aufgemachten Artikel kein einziges Wort über eine der effektivsten Methoden bei der Behandlung dieser chronischen Schmerzprobleme zu lesen, nämlich der Strahlentherapie. Sie hilft in ca 70% der Fälle, was deutlich besser ist als die anderen angeboten Therapieformen. Und sie ist schmerzlos, was man z.B. von der lnjektion von Kortison in die Fußsohle nicht gerade behaupten kann. Die Kosten für die Strahlentherapie werden im übrigen von der Krankenkasse komplett übernommen.
4. Manchmal muß man auch nichts machen
Vanagas 15.10.2012
Zitat von sysopDPATennisarm, Achillensehnenriss, Fersensporn, Kreuzbandriss: Oft ist eine Operation nötig, aber auch konventionelle Therapien helfen. Doch kann man Schmerzen wirklich mit Schallwellen wegstoßen? Und wann hilft gezieltes Muskeltraining? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/tennisarm-achillessehnenriss-fersensporn-kreuzbandriss-a-860720.html
Manchmal muß man auch nichts machen : Fast vierzig Jahre verschiedenste Sportarten betrieben -> dann vor drei Jahren -> mehrere Wochen Kniebeschwerden , gehumpelt , Schmerzen -> dann zum Orthopäden -> nach kurzer Inspektion -> Meniskus -> machen wir ambulant , Termin nächste Woche -> habe nichts machen lassen -> nach nochmal 2-3 Wochen zunehmend beschwerdefrei -> bis heute völlig beschwerdefrei trotz weiterer Belastung Nach ca . einem dreiviertel Jahr original diegleichen Beschwerden am anderen Knie ( wie oben beschrieben ) -> bin nicht nicht Orthopäden -> abgewartet + weiterbeobachtet -> nach ebenfalls mehreren Wochen mit Schmerzen im Knie -> dann ebenfalls abklingen der Beschwerden -> bis heute beschwerdefrei trotz weiterer Belastung Was ich damit sagen will ( hier : bei Verschleiß ) : Nicht immer muß sofort das Skalpell kreisen ! Manches kommt + geht auch von alleine . Mit dem Knie ist so eine Sache . Pi mal Daumen : Bei 50 % geht alles gut , bei 50 % infiziert sich das Knie , was eine langwierige Behandlung mit ungewissen Ausgang mit sich zieht . Deshalb habe ich mit einem Eingriff gezögert bis es von alleine besser wurde , was ich von vornerein nicht erwarten konnte . Wie lange ich Ruhe haben werde , weiß ich auch nicht . Vielleicht aber für immer . Was anderes sind natürlich akute Traumata die eine sofortige chirurgische Behandlung benötigen . Da gibt es keine Diskussion !
5. Kreuzband nicht operieren
globetrotter52 15.10.2012
Ich hatte vor 13 Jahren einen Kreuzband- und Innenbandriß. Der Innenbandriß ist von selbst verheilt, das hintere Kreuzband habe ich entgegen ärztlichen Rat NICHT operieren lassen. Ich bin nun seit 13 Jahren OHNE JEGLICHE Probleme, mache aber 2x wöchentlich Sport (Fahrrad fahren mit der Fußspitze, Kippbewegungen auf Treffenstufen, Joggen, Sportstudio), um den Muskel über dem Kniegelenk zu stärken. Natürlich fallen Sportarten wie Skifahren, Handball, Fußball, etc. aus.
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.

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