Thailand, Laos, Burma Resistente Malariaform breitet sich aus

In Südostasien häuft sich ein Malaria-Erreger, der nicht mehr auf die üblichen Medikamente reagiert. Forscher befürchten, dass es die resistente Form bis nach Afrika schaffen könnte.

Malaria-infizierte Mücken im Labor
AFP / Sanaria Inc. / Robert Thompson

Malaria-infizierte Mücken im Labor


In Teilen Südostasiens müssen Ärzte bei der Malaria-Behandlung immer häufiger nach Alternativen suchen. In der Region des Flusses Mekong breite sich eine Form des Erregers aus, der nicht auf die gängigen Medikamente Artemisinin und Piperaquin reagiere, berichten Wissenschaftler in einer aktuellen Studie.

Zum ersten Mal wurde der Erreger 2007 in Kambodscha nachgewiesen, mittlerweile haben Forscher ihn auch in Teilen von Nordost-Thailand, im südlichen Laos und im östlichen Myanmar entdeckt.

Laut den am Donnerstag in der Fachzeitschrift "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlichten Forschungsergebnissen verdrängt die therapieresistente Form des Erregers die weniger gefährlichen Stränge in der Region und erobert immer mehr Gebiete.

Weiter nach Indien oder Afrika?

Die Forscher fürchten, dass sich der gefährliche Malariastamm weiter nach Indien und sogar bis nach Afrika ausbreiten könnte. Ähnliches war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren mit zwei gegen die damaligen Therapien resistenten Strängen geschehen. Damals starben in Indien und in Afrika Millionen von Menschen an der durch Stechmücken übertragenen Krankheit.

Hilfe brachte das chinesische Militär: Die Chemikerin Youyou Tu entdeckte während des Vietnamkriegs in den Siebzigerjahren den Stoff Artemisinin. Das Ziel war damals, den nordvietnamesischen Verbündeten vor der schwächenden Krankheit zu schützen. 2015 erhielt sie für ihre Forschung den Nobelpreis.

Knapp eine halbe Million Malaria-Tote

Seitdem wurde weltweit viel für die Prävention gegen Malaria getan. Doch noch immer ist die Krankheit, gegen die es keinen Impfstoff gibt, eine häufige Todesursache in den Tropen. 2015 starben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 438.000 Menschen an den Folgen einer Malaria-Infektion. Die meisten Opfer waren Kinder unter fünf Jahren, die in den ärmsten Teilen Afrikas leben.

Nicholas White vom Tropeninstitut der Mahidol-Universität in Bangkok, das die Studie durchgeführt hat, rief zu mehr Anstrengungen im Kampf gegen Malaria auf. "Es wird viel diskutiert, aber zu wenig zu dem Thema gearbeitet", sagte er. Es werde immer schwerer, die Krankheit zu behandeln. "Wir verlieren ein gefährliches Rennen."

Hauptautor Arjen Dondorp warnte vor einer Ausbreitung des gefährlichen Malariastamms in Afrika: "Wenn er einmal in Afrika ist, wäre es eine Katastrophe, denn dort gibt es die meisten Malariafälle weltweit."

irb/AFP/Reuters

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insgesamt 14 Beiträge
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permissiveactionlink 03.02.2017
1. Zur Sprachregelung
Im Deutschen gibt es den DNS-Strang, der im englischen DNA-strand genannt wird. Im Originaltext ist aber nicht von malaria-strands die Rede, sondern von malaria-strains. Und die werden im deutschen als Malariastämme bezeichnet. So etwas wie Malariastränge existiert nicht. Bei Bakterien, Viren und Einzellern sollte man die Bezeichnungen Stamm, Serotyp, oder auch genetische Linie bevorzugen. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
montecristo 03.02.2017
2. Europa
Sobald die Malariaform in Europa oder Nordamerika auftauch, gibt es ganz schnell ein Impfstoff... wetten?
Augustusrex 03.02.2017
3. Ich wette dagegen
Zitat von montecristoSobald die Malariaform in Europa oder Nordamerika auftauch, gibt es ganz schnell ein Impfstoff... wetten?
Es gibt gegen keine Form der Malaria eine Schutzimpfung.
permissiveactionlink 03.02.2017
4. #2, montechristo
Da wette ich dagegen ! Natürlich gibt es immer wieder Vorbehalte gegen die Pharmaindustrie, sie sei zu wenig an tropischen Krankheiten interessiert, weil sich damit nicht so hohe Gewinne erwirtschaften lassen. Das ist für einige seltenere Krankheiten sicher zutreffend, nicht aber für die Malaria. Ein Impfstoff ist nicht deshalb so schwer herstellbar, weil der Parasit (Plasmodium, ein Einzeller mit Zellkern) schnell mutiert und immun wird (das tut er nebenbei auch, wie aus dem Artikel zu entnehmen). Der eigentliche Grund ist ein anderer : Plasmodien in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen dringen in menschliche Zellen ein und verstecken sich dort vor den Antikörpern des Immunsystems, zu Beginn der Infektion z.B in der Leber. Am Ende ihrer Entwicklung leben sie in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese sind irgendwann am Ende, platzen, und geben die Plasmodien ins Blut frei wo sie neue Zellen kapern. Dadurch kommt es in Phasen zum "Wechselfieber". Die Armeen der Großmächte operieren oft in Malariagebieten (Vietnam wurde erwähnt !). Gäbe es die geringste Chance auf einen Impfstoff zum Schutz der Soldaten, so hätte man diese schon längst genutzt. Plasmodium wird sich nur dann eindämmen lassen, wenn in ihm ein Stoffwechselweg gefunden wird, den man mit einem Medikament vollständig blockieren kann, wobei das Medikament für den betroffenen Patienten unbedenklich sein muss, ohne jegliche Nebenwirkungen, gerade und besonders für Kleinkinder. Und selbst dann ist auf Dauer die Entwick!ung von Resistenzen gegen diesen Enzyminhibitor nicht völlig auszuschließen. Ausrotten lässt sich Plasmodium ohnehin nicht, es besitzt neben dem Menschen noch andere Wirte, z.B. andere Primaten und Vögel ! Ihre Wette haben Sie eigentlich schon verloren.
Koda 03.02.2017
5. Vielleicht sollte man keinen Impfstoff für die Menschen entwickeln, sondern für die Mücken
Damit die Mücken nicht erst Überträger werden. Ansonsten bleibt vlt. erst nur wieder der Einsatz von DDT oder Ersatzstoffen. Aber diesmal planmäßig zur Eingrenzung und nicht flächendeckend.
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