Körpersprache: Warum Kiffen hungrig macht

Von Susanne Schäfer

Kiffen macht antriebslos? Nicht beim Essen. Salamipizza mit extra Belag, Schokolade gleich tafelweise - nach dem Joint kommt häufig das Schlemmen. Dass Marihuana gegen Appetitlosigkeit wirkt, wussten Ärzte schon im 19. Jahrhundert. Die Ursache blieb jedoch lange ein Rätsel.

Heißhunger: Erst der Joint, dann die Pizza Fotos
REUTERS

Es gab mal einen Studenten, der wurde in seinem Uni-Städtchen nur "der Typ mit der Hackpizza" genannt. Auch wer ihm niemals begegnet war, hatte von ihm gehört. Das Gericht hatte den Studenten berüchtigt gemacht, weil er nicht etwa einen Boden aus Teig mit Hack belegte, sondern einen Boden, der aus Hackfleisch bestand, mit allem, was der WG-Kühlschrank hergab. Der Student hatte oft großen Hunger.

Dass Cannabis den Appetit anregt, ist lange bekannt. Schon in den alten Lehrbüchern der ayurvedischen Medizin wird das Phänomen erwähnt, europäische Ärzte schrieben im 19. Jahrhundert darüber. Mit der Erklärung, warum Kiffen Appetit macht, tat sich die Wissenschaft anfangs allerdings schwer. Zunächst dachten Forscher, die Wirkstoffe aus der Droge senkten die Konzentration des Blutzuckers, und das führe zu Heißhunger. Doch dann widerlegten sie diese Annahme in Studien.

Heute ist klar, dass der Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Cannabispflanze die Appetithormone direkt beeinflusst. Jeder Mensch hat ein Cannabinoid-System, das aus körpereigenen Cannabinoiden und den entsprechenden Rezeptoren besteht, also Stellen, an denen Botenstoffe anbinden können. Dieses reagiert blitzschnell, wenn man sich zum Beispiel verletzt. Mit körpereigenen Cannabinoiden und Opiaten dämpft es den Schmerz.

THC selbst löst den Hunger aus

Auch an der Kontrolle des Appetits ist das Endocannabinoid-System beteiligt. Es hilft dem Organismus, die richtige Balance zwischen Hunger und Sattheit zu finden. Mit dem Hormon Leptin reduziert die Hirnregion Hypothalamus den Appetit, während sie mit Hilfe von Endocannabinoiden den Appetit verstärkt. "THC dockt an denselben Rezeptoren an wie die körpereigenen Cannabinoide und löst denselben Effekt aus wie diese, nämlich Appetit - nur stärker", sagt Franjo Grotenhermen, Mediziner und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. So wird das Gleichgewicht der Stoffe, die den Appetit regulieren, beeinflusst. Das THC setzt sich gegen das Leptin durch.

Beim großen Appetit nach dem Kiffen spielt auch eine Rolle, dass das Essen dann besonders gut schmeckt. Das Endocannabinoid-System erstreckt sich auch auf das limbische System im Gehirn, das Belohnungsgefühle auslöst, zum Beispiel beim Essen. Der erhöhte Cannabinoid-Spiegel sorgt also sowohl für Heißhunger als auch für großen Genuss beim Essen - und kann dadurch etwa die Appetitlosigkeit bei einer Chemotherapie reduzieren. Die Hackpizza sei köstlich, erzählte man sich.

Lesen Sie hier mehr über den Cannabis-Entzug bei Jugendlichen, eine US-Show, die Senioren für medizinisches Marihuana begeistern soll und die umstrittene Therapie der siebenjährigen Mykayla, die mit Cannabis gegen den Krebs kämpft.

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insgesamt 119 Beiträge
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1. yo...
Layer_8 09.08.2013
Zitat von sysopKiffen macht antriebslos? Nicht beim Essen. Salamipizza mit extra Belag, Schokolade gleich tafelweise - nach dem Joint kommt häufig das Schlemmen. Dass Marihuana gegen Appetitlosigkeit wirkt, wussten Ärzte schon im 19. Jahrhundert. Die Ursache blieb jedoch lange ein Rätsel. THC: Warum Kiffen hungrig macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/thc-warum-kiffen-hungrig-macht-a-904972.html)
...aber dann bitte nur maßvoll kiffen, und ausreichend, aber auch nicht zuviel, Sport treiben. Dann bleibt alles im Gleichgewicht :D
2. optional
xxbigj 09.08.2013
Und wieder einmal ein Fakt der äußerst Interessant ist! Für alle die es bis jetzt wussten=1. Es wird eine Pflanze geraucht keine Chemie. 2. Die Wirkung von THC ist schon im Körper vorhanden und wird durch den Konsum verstärkt. Begründung warum Gras illegal in Deutschland ist vom Bundesgerichtshof =" Mariuhana gehört nicht zur Deutschen Kultur"..Urteil aus den 60 igern... Na dann geht das natürlcih nicht. LOL
3. .
frubi 09.08.2013
Zitat von Layer_8...aber dann bitte nur maßvoll kiffen, und ausreichend, aber auch nicht zuviel, Sport treiben. Dann bleibt alles im Gleichgewicht :D
So läuft bei mir gerade die Diät. An 6 Tagen die Woche asketisch leben. Kein Weed, kein ungesundes Essen. Aber an einem Tag mache ich es mir (manchmal auch mit Freunden) gemütlich, paff mir war schönes und kaufe mir vorher allerlei Knabberzeugs ein oder koche was feines. Es gibt nichts besseres als nach einer Woche voller Entbehrungen und Fitness-Studio besuchen sich richtig gehen zu lassen. Mit dieser Methode habe ich innerhalb von 6 Monaten 22 Kg abgenommen. Das fokussieren auf diesen einen Tag der Sünde macht es mir wesentlich leichter, mit unter der Woche den Poppes aufzureissen.
4. Warum nur gleich als Intro die
tsitsinotis 09.08.2013
Wohldosiert und im richtigen (frühen) Blütestadium genossen, hat Cannabis eine klare, den Geist anregende Wirkung. Heute abend in "3 nach 9" (NDR) wird Christian Rätsch wieder Rauschkunde in der Schule fordern - dringend und zu Recht.
5. Bgh ?
ausmisten 09.08.2013
Zitat von xxbigjUnd wieder einmal ein Fakt der äußerst Interessant ist! Für alle die es bis jetzt wussten=1. Es wird eine Pflanze geraucht keine Chemie. 2. Die Wirkung von THC ist schon im Körper vorhanden und wird durch den Konsum verstärkt. Begründung warum Gras illegal in Deutschland ist vom Bundesgerichtshof =" Mariuhana gehört nicht zur Deutschen Kultur"..Urteil aus den 60 igern... Na dann geht das natürlcih nicht. LOL
Das BGH Zitat hoert sich an, wie bei Herrn Freisler. "Deutsche Leitkultur, Volksgesundheit, usw." Damals, in den 60 igern waren bekanntlich die Groefaz Juristen auf den Karrierehoehepunkt. Aber das sich in Bezug auf Cannabis nichts aendert? Ob der intellektuelle Stillstand identisch ist mit den ewig gleichen Aussitzblockparteien und deren staendiger Wiederwahl mangels Alternativen, wie in der DDR ?
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Zur Autorin
  • Frida Rose
    Susanne Schäfer schreibt über Körper, Geist und Gesellschaft. Sie war auf der Deutschen Journalistenschule in München und lebt in Hamburg. Sie findet, dass die Wissenschaft helfen kann, die Fragen des Alltags und des Lebens zu klären.
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