Versuch in Hamburg TK zahlt Tinnitus-App auf Rezept

Die Techniker Krankenkasse erprobt in Hamburg eine App auf Rezept, Tinnitus-Patienten können sich dort in Zukunft die Anwendung verschreiben lassen. Auch den Kauf der Apple Watch bezuschusst die Kasse neuerdings.

Untersuchung: Bei Tinnitus rauscht und pfeift es im Ohr
Corbis

Untersuchung: Bei Tinnitus rauscht und pfeift es im Ohr


Erstmals können Ärzte nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) eine App verordnen. Die Anwendung gegen Tinnitus gibt es ab Oktober auf Rezept und wird von der TK erstattet. Die App mit dem Namen Tinnitracks stammt vom Hamburger Start-up Sonormed und soll 19,90 Euro im Monat kosten, wie das "Hamburger Abendblatt" zuvor berichtet hatte.

Tinnitus ist ein Ohrgeräusch, das auch als Ohrensausen bezeichnet wird. Die Betroffenen leiden unter einem ständigen Pfeifton oder Rauschen im Ohr. Der Tinnitus entsteht dabei nicht durch ein echtes Geräusch, sondern durch eine Überaktivität bestimmter Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns.

Test mit 30 HNO-Ärzten in Hamburg

Für die Therapie mit der Gesundheits-App brauchen Patienten ein Smartphone oder Tablet sowie Kopfhörer. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt und ein Hörgeräteakustiker bestimmen zu Beginn die individuelle störende Frequenz. Mithilfe der App werden die krankmachenden Signale durch die eigene Musik auf dem Smartphone ausgeblendet. Das regelmäßige Hören der gefilterten Musik soll die Überaktivität der betroffenen Nervenzellen verringern, so die Idee.

Da derzeit nicht alle Behandlungsmethoden für Tinnitus-Patienten erfolgreich seien, biete die App Betroffenen "eine verblüffend einfache Behandlungsalternative", erklärte die TK. Wer über einen Zeitraum von zwölf Monaten mindestens 90 Minuten pro Tag seine Lieblingsmusik höre, könne seinem Hörzentrum den störenden Ton abgewöhnen.

Zunächst nehmen 30 HNO-Ärzte in Hamburg an dem Projekt teil, die Patienten müssen von einem dieser Mediziner behandelt werden. In klinischen Tests habe sich das Verfahren bei Patienten zwischen 18 und 65 Jahren bei bestimmten Störfrequenzen bereits als wirksam erwiesen, so die TK. Bewährt es sich auch unter Routinebedingungen, soll das Behandlungskonzept auf ganz Deutschland ausgedehnt werden.

Weiteres TK-Projekt: Zuschuss zur Apple Watch

Auch ihre Zuschüsse für Wearables und Fitnesstracker hat die TK ausgebaut. Mit den Geräten, zu denen unter anderem die Apple Watch gehört, lassen sich etwa Herzfrequenz, Streckenlängen oder gelaufene Höhenmeter dokumentieren. Wie jetzt bekannt wurde, zahlt die TK ab sofort bis zu 250 Euro beim Kauf einer Apple Watch oder ähnlicher Geräte. Wer die Prämie nutzen möchte, muss jedoch im Vorfeld ein Bonusprogramm durchlaufen, das unter anderem Vorsorge-Leistungen honoriert.

Die AOK Nordost hatte Anfang August als erste Krankenkasse angekündigt, die Apple Watch und ähnliche Produkte zu bezuschussen. Bedenken gibt es vor allem aus Datenschutzgründen. Zumindest bei privaten Versicherungen wäre es grundsätzlich möglich, von den Gesundheitsdaten der Versicherten abhängig zu machen, welche Leistungen jemand bekommt. Bei gesetzlichen Kassen verbietet dies das Solidarprinzip. TK und AOK werden zumindest aktuell keinen Zugriff auf Daten der Apple Watch haben.

irb/AFP/dpa



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insgesamt 26 Beiträge
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richard_ricci 16.09.2015
1. Alter Hut!
Solche Apps gibts schon lange, zb. Tinnitus Pro von ProMedical Audio, die kostet einmalig 19,90,- Die Grundlagen für diese Art von Behandlung wurde an der Uniklinik Münster erforscht.
deus-Lo-vult 16.09.2015
2.
Das gehört gesetzlich verboten, solange die Kassen sich weigern Therapien, Protesen, etc. , die den Patienten nachweislich helfen, zu bezahlen!!!
silentcruzade 16.09.2015
3. Tinitracks...
...ist für Android-User Kostenlos!!!!!! Da hat sich die TK nicht sonderlich weit aus dem Fenster gelehnt für ihre Mitglieder!
snooky- 16.09.2015
4.
Bei der TK will wohl einer eine Apple Watch auf lau.
hschmitter 16.09.2015
5.
Die Schritte bis zum Fahrstuhl werden belohnt, andere medizinische Basics werden verweigert - zum Beispiel Pflegehilfe nach Operation.
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