Forderung nach Todesfällen Kassen sollen nicht mehr für Homöopathie zahlen

Homöopathische Therapien nur noch für Selbstzahler - das fordert Josef Hecken, Chef der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Bei Krebs will er fragwürdige Therapien laut einem Zeitungsbericht am liebsten ganz verbieten.

Fläschchen mit homöopathischen Präparaten
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Fläschchen mit homöopathischen Präparaten


Nach den Todesfällen bei der Behandlung von Krebspatienten im nordrhein-westfälischen Brüggen-Bracht hat sich nun Josef Hecken zu Wort gemeldet. Er leitet den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung festlegt.

Durch Heilpraktiker verordnete Behandlungen, deren medizinischer Nutzen nicht eindeutig erwiesen ist, sollten verboten werden können, sagte Hecken der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Krankenkassen sollten solche Leistungen auch freiwillig nicht mehr finanzieren dürfen. Hecken verwies dabei laut dem Bericht auch auf die umstrittene Homöopathie.

Heckens Forderungen gehen noch weiter: Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs müsse eine Therapie auch Selbstzahlern verboten werden können, solange die Wirksamkeit nicht mit Studien belegt sei, sagte er der Zeitung aus Frankfurt. "Da brauchen wir ganz klare Verbote." Schließlich gehe es "nicht um Befindlichkeiten, sondern um Menschenleben".

Heilpraktiker-Praxis in Brüggen-Bracht
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Heilpraktiker-Praxis in Brüggen-Bracht

Kurz nach einer Behandlung durch einen Heilpraktiker in Brüggen-Bracht an der deutsch-niederländischen Grenze waren drei Krebspatienten gestorben. Sie hatten rund 10.000 Euro für die Behandlung mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyruvat bezahlt. Die Substanz ist kein homöopathisches Medikament, sie soll vielmehr ähnlich wie ein Medikament bei einer Chemotherapie Zellwachstum oder -teilung hemmen und so Krebszellen besiegen. Für diese Hypothese fehlen allerdings belastbare Belege.

Die Krefelder Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in dem Fall. Das Mittel sei zwar nicht als Medikament zugelassen, erklärte die Staatsanwaltschaft, seine Anwendung sei aber auch nicht ausdrücklich verboten. Der Heilpraktiker habe es einsetzen dürfen. Geklärt werden muss nun, ob mit dem Wirkstoff etwas nicht in Ordnung war.

Nur Marketinginstrument?

Hecken stört sich insbesondere an der Homöopathie. Sie ist als Behandlungsmethode besonders fragwürdig, weil wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit fehlen. Trotzdem übernehmen Kassen teils die Kosten dafür und werben auch ausdrücklich damit um neue Kunden.

Hecken hält das für falsch. Die Kassen nutzten Homöopathie als reines Marketinginstrument zur Gewinnung neuer Mitglieder, sagte er laut F.A.Z. - doch würden die Kosten dafür aus dem allgemeinen Beitragsaufkommen aufgebracht. Der Bremer Mediziner Norbert Schmacke hatte kürzlich im SPIEGEL Homöopathie als "anerkannten Irrsinn" bezeichnet und Kassen ebenfalls aufgefordert, die Kosten dafür nicht mehr zu übernehmen.

Hecken sieht sich als Kämpfer für mehr Qualität im Gesundheitswesen. Auf seine Initiative hin wurde Ende 2014 das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) gegründet. Es bewertet unter anderem die Qualität von Krankenhäusern.

Schlagzeilen machte Hecken Ende 2013, als er erklärte, nicht jeder benötige einen Psychotherapeuten, eine Flasche Bier tue es manchmal auch. Später distanzierte er sich von dieser Aussage.

Hinweis: In der ursprünglichen Version dieses Textes konnte der Eindruck entstehen, bei 3-Bromopyruvat handle es sich um einen homöopathischen Wirkstoff. Das ist nicht der Fall, eine entsprechende Klarstellung wurde ergänzt.

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hda

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