Todesfall bei Medikamententest Ministerin wirft Institut Biotrial Fehler vor

Ein Toter, fünf Erkrankte: Wie konnte es bei einer Medikamentenstudie dazu kommen? Die französische Gesundheitsministerin hat jetzt einen ersten Untersuchungsbericht präsentiert.

Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine: Behörden wurden zu spät informiert
AFP

Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine: Behörden wurden zu spät informiert


Im Januar ist ein Mann bei einem Medikamententest in Frankreich ums Leben gekommen. Fünf weitere mussten zeitweise im Krankenhaus behandelt werden. Jetzt hat die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine die Ergebnisse einer ersten Untersuchung vorgestellt.

Einen genauen Grund für den Todesfall habe man nicht identifizieren können, heißt es. Aber das private Institut Biotrial, das die Studie durchgeführt hat, habe mehrere Fehler gemacht.

  • Touraine sagte, die Studie hätte sofort gestoppt werden müssen, nachdem der erste Proband ins Krankenhaus gekommen war. Stattdessen hatten fünf andere Probanden am folgenden Tag weiterhin das Mittel eingenommen.
  • Zudem hätte Biotrial den Vorfall umgehend den Behörden melden sollen. Der erste Vorfall ereignete sich an einem Sonntagabend, dem 10. Januar. Benachrichtigt wurden die Behörden erst am folgenden Donnerstag, dem 14. Januar.
  • Das Institut hätte außerdem alle anderen Probanden unverzüglich fragen sollen, ob sie weiterhin an der Studie teilnehmen wollten. Insgesamt waren an der Studie 90 Probanden beteiligt.

In der klinischen Studie wurde ein Wirkstoff des portugiesischen Pharmakonzerns Bial getestet. Der Wirkstoff, so die Hoffnung, sollte Ängste, Stimmungsschwankungen und Schmerzen lindern sowie neurologisch bedingten Bewegungsstörungen entgegenwirken. Alle Versuche mit der Substanz namens BIA 10-2474 wurden inzwischen eingestellt.

wbr/rtr



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