Der Straßenhund war so treu hinterhergetrottet, er schien ein bisschen wirr und hilflos, aber ganz süß. Doch dann kam der Biss. Ein solches Erlebnis kann in manchen Ländern Asiens oder Lateinamerikas zum Verhängnis werden. Die Gefahr droht in Form einer in Deutschland mittlerweile fast ausgerotteten Krankheit: der Tollwut.
Eine Infektion mit dem Virus ist extrem heikel, nur eine Impfung kann davor schützen. Bricht die Krankheit aus, führt sie in der Regel zu einer Entzündung des Gehirns. Anders als bisher gedacht, verläuft die Infektion jedoch nicht in nahezu 100 Prozent der Fälle tödlich: Wissenschaftler haben tief im peruanischen Amazonasgebiet Hinweise auf mögliche Tollwut-Resistenzen beim Menschen gefunden.
Für ihre Studie hatten die Forscher das Blut von 63 Angehörigen der indigenen Gemeinschaften der Truenococha und der Santa Marta untersucht. Bei etwa zehn Prozent fanden sie Antikörper gegen das Virus, die nur durch eine Infektion mit dem Erreger entstanden sein können.
Ihr Körper hat den Erreger offensichtlich ohne Impfung oder weitere Behandlung unschädlich gemacht, schreibt Amy Gilbert von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ihre Kollegen im Fachblatt "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene". Ließe sich klären, wie genau der Körper gegen das Virus vorgehe, könnte es gelingen, eine Therapie gegen die als unbehandelbar geltende Krankheit zu entwickeln, hoffen die Forscher.
Möglicherweise viel häufig nicht-tödliche Erkrankungen
Die Tollwut wird klassischerweise von Wildtieren übertragen, im Amazonasgebiet von Peru verbreiten vor allem Vampirfledermäuse den Erreger. Die Tiere ernähren sich in der Regel vom Blut von Nutztieren, gelegentlich beißen sie jedoch auch Menschen. Dazu ritzen sie mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen die Haut des schlafenden Opfers auf. Pro Biss trinken die Fledermäuse nur kleinste Mengen Blut, die Gebissenen merken am nächsten Tag meist nichts von dem Besuch, bis später die Krankheit ausbricht.
Natürlich sei es möglich, dass die Infektionen der überlebenden Indios von einer Virusvariante ausgelöst wurden, die weniger aggressiv ist als die gängige, schreiben die Forscher. Da jedoch im betroffenen Gebiet immer wieder Tollwuterkrankungen ausbrechen, sei das eher unwahrscheinlich.
"Nicht tödliche Infektionen kommen möglicherweise häufiger vor als angenommen", kommentiert Studienleiterin Gilbert. Sie würden lediglich nicht registriert, denn die Betroffenen kämen ja nur ins Krankenhaus, wenn sie Symptome verspürten. Das gelte besonders für Gegenden, in denen der Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt sei. Als nächstes müsse nun untersucht werden, warum genau die Infizierten überlebt haben.
Nach dem Biss eines infizierten Tieres sollte sofort eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP) erfolgen, eine Art verspätete Impfung, mit der sich der Ausbruch der Krankheit fast immer verhindern lässt. Bleibt die PEP aus und bricht die Tollwut tatsächlich aus, lässt sie sich in der Regel nicht mehr behandeln. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr rund 55.000 Menschen an der Infektionskrankheit.
irb/dapd/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Gesundheit | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie | RSS |
| alles zum Thema Zoonosen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH