Mögliche Resistenz Indios in Peru überleben Tollwut-Infektion

Eine Tollwuterkrankung verläuft ohne frühe Behandlung in 100 Prozent der Fälle tödlich - dachte man bisher. Jetzt sind Forscher tief im peruanischen Amazonasgebiet auf Indios gestoßen, die gegen die Krankheit immun sind. Sie könnten der Schlüssel für Therapien gegen das Virus sein.

Sergio Recuenco

Der Straßenhund war so treu hinterhergetrottet, er schien ein bisschen wirr und hilflos, aber ganz süß. Doch dann kam der Biss. Ein solches Erlebnis kann in manchen Ländern Asiens oder Lateinamerikas zum Verhängnis werden. Die Gefahr droht in Form einer in Deutschland mittlerweile fast ausgerotteten Krankheit: der Tollwut.

Eine Infektion mit dem Virus ist extrem heikel, nur eine Impfung kann davor schützen. Bricht die Krankheit aus, führt sie in der Regel zu einer Entzündung des Gehirns. Anders als bisher gedacht, verläuft die Infektion jedoch nicht in nahezu 100 Prozent der Fälle tödlich: Wissenschaftler haben tief im peruanischen Amazonasgebiet Hinweise auf mögliche Tollwut-Resistenzen beim Menschen gefunden.

Für ihre Studie hatten die Forscher das Blut von 63 Angehörigen der indigenen Gemeinschaften der Truenococha und der Santa Marta untersucht. Bei etwa zehn Prozent fanden sie Antikörper gegen das Virus, die nur durch eine Infektion mit dem Erreger entstanden sein können.

Ihr Körper hat den Erreger offensichtlich ohne Impfung oder weitere Behandlung unschädlich gemacht, schreibt Amy Gilbert von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ihre Kollegen im Fachblatt "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene". Ließe sich klären, wie genau der Körper gegen das Virus vorgehe, könnte es gelingen, eine Therapie gegen die als unbehandelbar geltende Krankheit zu entwickeln, hoffen die Forscher.

Möglicherweise viel häufig nicht-tödliche Erkrankungen

Die Tollwut wird klassischerweise von Wildtieren übertragen, im Amazonasgebiet von Peru verbreiten vor allem Vampirfledermäuse den Erreger. Die Tiere ernähren sich in der Regel vom Blut von Nutztieren, gelegentlich beißen sie jedoch auch Menschen. Dazu ritzen sie mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen die Haut des schlafenden Opfers auf. Pro Biss trinken die Fledermäuse nur kleinste Mengen Blut, die Gebissenen merken am nächsten Tag meist nichts von dem Besuch, bis später die Krankheit ausbricht.

Natürlich sei es möglich, dass die Infektionen der überlebenden Indios von einer Virusvariante ausgelöst wurden, die weniger aggressiv ist als die gängige, schreiben die Forscher. Da jedoch im betroffenen Gebiet immer wieder Tollwuterkrankungen ausbrechen, sei das eher unwahrscheinlich.

"Nicht tödliche Infektionen kommen möglicherweise häufiger vor als angenommen", kommentiert Studienleiterin Gilbert. Sie würden lediglich nicht registriert, denn die Betroffenen kämen ja nur ins Krankenhaus, wenn sie Symptome verspürten. Das gelte besonders für Gegenden, in denen der Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt sei. Als nächstes müsse nun untersucht werden, warum genau die Infizierten überlebt haben.

Nach dem Biss eines infizierten Tieres sollte sofort eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP) erfolgen, eine Art verspätete Impfung, mit der sich der Ausbruch der Krankheit fast immer verhindern lässt. Bleibt die PEP aus und bricht die Tollwut tatsächlich aus, lässt sie sich in der Regel nicht mehr behandeln. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr rund 55.000 Menschen an der Infektionskrankheit.

irb/dapd/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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spon-facebook-1519810603 02.08.2012
1. Schlecht recherchiert
Es gibt schon mehrere Fälle, bei denen Tollwut erfolgreich behandelt wurde. Stichwort: Wisconsin-Protokoll.
freidimensional 02.08.2012
2. Interessante Mitteilung.
Zitat von sysopSergio RecuencoEine Tollwuterkrankung verläuft ohne frühe Behandlung in 100 Prozent der Fälle tödlich - dachte man bisher. Jetzt sind Forscher tief im peruanischen Amazonasgebiet auf Indios gestoßen, die gegen die Krankheit immun sind. Sie könnten der Schlüssel für Therapien gegen das Virus sein. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,847712,00.html
Damit werden einige kritische Leute, die bis heute als Spinner verlacht worden sind, vielleicht doch noch rehabilitiert: Nämlich jene, die behaupten, dass die medizinischen Dogmen maximal als Richtlinie, aber nicht als apodiktische Wahrheit genommen werden sollten. Es gibt, wie ich selber in den Heilkunde-Studien als Grundsatz zu lernen hatte, in der Medizin nichts, was definitiv und zu 100 % ausgeschlossen werden kann! "Alles ist möglich" Es mag sich jeder selber Gedanken machen darüber, wie viele Erkrankungen, die nach dem noch geltenden Experten-Lehrbuch nicht überlebt hätten werden "dürfen", mit oder ohne jede Diagnose und/oder Therapie dennoch überlebt worden sind. Gegenüber der wissenschaftlichen Lehrmeinung geradezu eine Unverschämtheit. Klar, solche Überlegungen sind nicht so gefragt in einem System, in dem Angstmache und Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie für wichtiger gehalten werden als ein nüchterner Blick in die zu erlebende Wirklichkeit, nämlich "part of the business". Und so werden die Medizinstudenten bis auf weiteres wohl nicht darum herumkommen, bei den Prüfungen zum Stichwort "Prognose Tollwut?" brav aufzusagen: "Infaust". Aber vielleicht geschieht es doch noch mal in endlicher Zeit, dass sich die protokollierten Erfahrungen durchsetzen gegenüber den Lehrbuch-Theorien.
scutie 02.08.2012
3. Das Überleben der Indianer hat also doch einen Sinn!
Vielen Dank für diesen hoch interessanten Artikel. In Peru ist es ja heutzutage normal, dass europäischstämmige Arbeiter von Ölkonzernen und illegale Holzfäller in Indianer-Gebiete eindringen und die Ureinwohner verdrängen und mit Krankheiten anstecken, ohne dass es jemanden von außerhalb interessiert. An diesem Fall der Tollwut-Resistenz sieht man: es gut, dass die südamerikanischen Indigenen auch im 3. Jahrtausend überleben, denn ihre Gene sind für den Rest der Menschheit wertvoll. Auch die Biodiversität des Homo sapiens hat einen Sinn!
xmix 03.08.2012
4.
Zitat von freidimensionalDamit werden einige kritische Leute, die bis heute als Spinner verlacht worden sind, vielleicht doch noch rehabilitiert: Nämlich jene, die behaupten, dass die medizinischen Dogmen maximal als Richtlinie, aber nicht als apodiktische Wahrheit genommen werden sollten. Es gibt, wie ich selber in den Heilkunde-Studien als Grundsatz zu lernen hatte, in der Medizin nichts, was definitiv und zu 100 % ausgeschlossen werden kann! "Alles ist möglich" Es mag sich jeder selber Gedanken machen darüber, wie viele Erkrankungen, die nach dem noch geltenden Experten-Lehrbuch nicht überlebt hätten werden "dürfen", mit oder ohne jede Diagnose und/oder Therapie dennoch überlebt worden sind. Gegenüber der wissenschaftlichen Lehrmeinung geradezu eine Unverschämtheit. Klar, solche Überlegungen sind nicht so gefragt in einem System, in dem Angstmache und Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie für wichtiger gehalten werden als ein nüchterner Blick in die zu erlebende Wirklichkeit, nämlich "part of the business". Und so werden die Medizinstudenten bis auf weiteres wohl nicht darum herumkommen, bei den Prüfungen zum Stichwort "Prognose Tollwut?" brav aufzusagen: "Infaust". Aber vielleicht geschieht es doch noch mal in endlicher Zeit, dass sich die protokollierten Erfahrungen durchsetzen gegenüber den Lehrbuch-Theorien.
Hä?! Die Medizin ist doch ein lebendiges Forschungsfeld. BIsher hat doch auch niemand gesagt, dass Tollwut NIEMALS heilbar sein wird. Bisher war nur kein Mittel dagegen bekannt. Die "Lehrbuch-Theorien" - ich nehme mal an, sie meinen das, was in Medizinlehrbüchern steht - SIND doch protokollierte Erfahrungen. Es sind eben die Erfahrungen, die funktioniert haben.
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