Hund, Katze, Bartagame Wann machen Haustiere krank?

Dass Haustiere ihre Halter mit gefährlichen Keimen anstecken, kommt in Deutschland sehr selten vor. Dennoch gibt es einige Hygiene-Ratschläge zu beachten.

imago/ Westend61


In knapp jedem zweiten Haushalt in Deutschland lebt ein Haustier. Oft darf der Hund mit auf dem Sofa sitzen oder die Katze schläft am Fußende des Betts. Kinder kuscheln mit Meerschweinchen, Kaninchen oder Wellensittichen. In den allermeisten Fällen ist das auch aus gesundheitlicher Sicht unproblematisch. Doch bisweilen können die Tiere Krankheiten übertragen.

Am Freitag diskutieren Fachleute bei einer Tagung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) über mögliche Gesundheitsgefahren, die von Haustieren ausgehen können. Dies können Unfälle sein, also insbesondere Bisse, aber auch Allergien sowie von den Tieren übertragene Infektionen, so genannte Zoonosen.

Zwar gibt es in Deutschland ein Meldesystem für Infektionskrankheiten, jedoch wird nicht in jedem Fall die Quelle entdeckt. Meist bleibe unklar, ob sich ein Patient bei einem anderen Menschen, einem Tier oder durch ein Lebensmittel angesteckt habe, sagt Hendrik Wilking, der am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zum Thema Zoonosen forscht.

Warum Schwangere kein Katzenklo reinigen sollten

Katzen können den Erreger Toxoplasma gondii übertragen. Bei Menschen, deren Immunsystem unterdrückt sei, könne eine solche Infektion unter Umständen sehr schwer verlaufen, sagt Tierarzt Wilking.

Problematisch ist eine Neuerkrankung mit Toxoplasma gondii vor allem während der Schwangerschaft. Dann kann die Infektion den Embryo schwer schädigen oder zu einer Fehlgeburt führen. In Deutschland werden jährlich etwa 10 bis 20 Fälle gemeldet, in denen Neugeborene aufgrund einer Toxoplasmose beeinträchtigt sind. Das RKI geht aber von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

"Schwangere sollten auf einen hygienischen Umgang mit Katzen achten", sagt Wilking. Und sie sollten möglichst nicht selbst das Katzenklo säubern - und falls doch, dabei Einmalhandschuhe tragen.

Katzen erhöhen laut einer RKI-Studie mehr noch als Hunde das Risiko für eine Borreliose-Infektion. "Die Katzen nehmen die Zecken draußen auf, und sie übertragen sich zum Beispiel beim Schmusen."

Viele Reptilien scheiden Salmonellen aus

In den vergangenen Jahrzehnten wurden exotische Reptilien in Deutschland populärer. Im Zuge dessen haben laut RKI auch Salmonellen-Infektionen bei Babys und Kleinkindern zugenommen, weil viele Schlangen, Geckos oder Bartagamen den Erreger ausscheiden. Salmonellen lösen starke Durchfallerkrankungen aus. Der auf Reptilien spezialisierte Berliner Tierarzt Frank Mutschmann sagt, die Tiere "sollten nicht im Kinderzimmer, nicht im Badezimmer und vor allem nicht in der Küche gehalten werden."

Maximilian Reuschel informiert auf der Tagung über von Nagern übertragene Zoonosen. Schlimme Krankheitsbilder sind dem Tiho-Wissenschaftler zufolge nicht zu erwarten. Allenfalls könne etwa ein Kaninchenschnupfen übertragen werden. Hamster seien häufig von tropischen Rattenmilben befallen. Deren Bisse könnten beim Menschen leichte, rötliche Pusteln hervorrufen. "Bei Wildtieren ist das Risiko einer Zoonose deutlich höher", betont Reuschel. So könnten Igel beispielsweise Hautpilze übertragen. In den USA seien Waschbärspulwürmer bei Kindern nachgewiesen worden, die im Sandkasten gespielt hatten.

Sollte man wegen der Infektionsgefahren Haustiere komplett abschaffen? "Auf gar keinen Fall", betont Hendrik Wilking.


Tipps für den Umgang mit Haustieren

Um sich bei seinem Tier nicht mit Krankheiten anzustecken, empfiehlt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, sich an folgende Regeln zu halten:

  • Nicht im Gesicht ablecken lassen und Wunden vor dem Kontakt mit Tieren schützen.
  • Tiere nicht im Bett schlafen und nicht am Tisch mitessen lassen.
  • Beim Reinigen von Katzenklos oder Tierkäfigen Handschuhe tragen und möglichst vermeiden, den Staub einzuatmen. Verunreinigtes Spreu oder Späne kann man gegebenenfalls etwas befeuchten, damit sie weniger stauben.
  • Die Hände beim Kontakt zu Tieren regelmäßig und nach dem Kontakt mit Reptilien jedes Mal gründlich waschen.
  • Exotische Reptilien sollten nicht in Haushalten mit Säuglingen gehalten werden. Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen sollten möglichst keinen Kontakt zu Reptilien haben.
  • Biss- und Kratzwunden, die von Haustieren stammen und anschwellen oder sich entzünden, sollte ein Arzt untersuchen.

wbr/Christina Sticht, dpa



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