Transplantation einer Raucherlunge Organempfängerin stirbt an Lungenkrebs

In Frankreich ist eine 39-jährige Nichtraucherin an Lungenkrebs gestorben. Die Frau hatte zuvor die Lunge einer langjährigen Raucherin erhalten.

Röntgenaufnahme (Symbolbild)
Getty Images/iStockphoto

Röntgenaufnahme (Symbolbild)


Rund anderthalb Jahre, nachdem ihr die Lunge einer Raucherin transplantiert wurde, ist eine Französin an Lungenkrebs gestorben. Eine jetzt in der Fachzeitschrift "Lung Cancer" veröffentlichte Studie weist deshalb auf die Risiken bei der Transplantation von Raucherorganen hin.

Dem Bericht zufolge erhielt die seit ihrer Kindheit an Mukoviszidose leidende Patientin im November 2015 die Lunge einer 57-Jährigen. Diese habe laut der vorliegenden Daten 30 Jahre lang eine Schachtel Zigaretten täglich geraucht. Eine Computertomografie (CT) der Lunge zeigte nichts Ungewöhnliches.

Im Juni 2017 wurde die Empfängerin der Lunge auf die Krebsstation der Uniklinik Montpellier eingeliefert, zu diesem Zeitpunkt war sie 39 Jahre alt. In beiden Lungenflügeln fanden sich Krebsherde, aber im Rest des Körpers noch keine Metastasen. Diese bildeten sich jedoch ungewöhnlich schnell in den kommenden Tagen und Wochen, der Krebs war extrem aggressiv. Die Frau starb nur drei Monate später.

Typische Merkmale

Der Krebs zeigte nach Aussage der Ärzte Merkmale, die typisch für durch Rauchen ausgelösten Lungenkrebs sind.

Auf einer CT-Aufnahme, die ein Jahr nach der Transplantation angefertigt wurde, waren bereits erste Auffälligkeiten zu sehen. Der kurze zeitliche Abstand deutet darauf hin, dass der Krebs bereits entstand, als die Spenderin noch lebte - das nehmen jedenfalls die Studienautoren an.

Die Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, damit das Organ nicht abgestoßen wird, haben nach Aussage der Mediziner um Jean-Louis Pujol das Krebswachstum zusätzlich befördert und so dazu beigetragen, dass die Frau verstarb. Sie mahnen deshalb, dass Spenderlungen langjähriger Raucher mit Vorsicht betrachtet werden sollten.

wbr/AFP



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