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Organspende: 112 Kinder warten auf lebensrettendes Organ

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Corbis

Herz als Organspende: Mehr als hundert Kinder warten auf ein lebensrettendes Organ

Immer weniger Menschen wollen Organe spenden - doch laut Stiftung Eurotransplant leiden zumindest Kinder nicht unter dem Rückgang. Dennoch warten mehr als hundert Kinder und Jugendliche auf ein Spenderorgan.

Hannover - Beim Thema Organspende gibt es zumindest für Kinder und Jugendliche eine gute Nachricht: Sie leiden nicht unter dem Rückgang der Spendebereitschaft, da sie bei der Verteilung von Organen bevorzugt werden, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Direktor der Organverteilungsstiftung Eurotransplant, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Bereitschaft zu Organspenden war in Deutschland aufgrund von Manipulationen in Universitätskliniken im vergangenen und auch in diesem Jahr stark zurückgegangen: Im Jahr 2013 haben bislang nur 754 Menschen Organe nach ihrem Tod gespendet. Das sind 15,5 Prozent weniger als im Vorjahr (892 Spender) und so wenig wie seit Jahren nicht mehr.

Nach Angaben von Eurotransplant haben bundesweit zwischen Januar und Oktober dieses Jahres 240 Kinder ein Spenderorgan eines Toten bekommen. Das waren 16 mehr als im Vorjahreszeitraum. 104 Kinder erhielten eine Lebendspende, also zum Beispiel eine Niere von den Eltern. 2012 waren es 106 Kinder. Doch auf der anderen Seite hoffen noch immer viele Kranke auf ein lebensrettendes Organ: Im Oktober dieses Jahres standen Rahmels Angaben zufolge noch 112 Kinder unter 16 Jahren aus deutschen Transplantationszentren auf der Warteliste. Von ihnen benötigten 55 eine Niere, 41 eine Leber und 19 ein Herz. Einige Kinder brauchen mehr als ein Organ.
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Verlorenes Vertrauen: Immer weniger Menschen spenden ihre Organe nach ihrem Tod

Schon vor Bekanntwerden der Manipulationen starben statistisch gesehen jeden Tag drei Menschen, die vergeblich auf ein lebensrettendes Organ gewartet hatten. Derzeit warten in Deutschland insgesamt 11.300 Kranke auf ein geeignetes Organ.

Baby bekommt eine neue Niere

Während Erwachsene im Schnitt sechs bis acht Jahre auf eine Niere warten, sind es bei Kindern weniger als zwei. Sie bekommen Vorrang, weil sie sich ohne Transplantation nicht wie ihre Altersgenossen entwickeln können - ihr Körper ist durch die Nierenprobleme permanent vergiftet. "Die Entwicklungsrückstände sind sehr schwierig wieder einzuholen", sagt Professor Lars Pape, leitender Arzt des KfH-Kindernierenzentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Das Transplantationszentrum an der MHH ist eines der größten in Deutschland.

Die Transplantation ermögliche Kindern mit Krankheiten, die früher auf jeden Fall tödlich waren, die Chance auf ein neues Leben, sagt Pape. Er berichtet von einem Mädchen, das im Januar 2013 mit einer seltenen genetischen Erkrankung zur Welt kam. Weil sich Zysten in ihren Nieren bildeten, wurden diese funktionsunfähig. Im Mai transplantierte Papes Kollege Frank Lehner dem damals knapp vier Monate alten Baby eine Spenderniere - ein Besonderheit, bei einem so kleinen Kind. "Das Organ funktioniert exzellent", sagt Pape.

Normalerweise erhalten schwerst nierenkranke Kinder eine Bauchfelldialyse. Bei dieser Blutwäsche im Körper wird ein Katheter eingesetzt und das Bauchfell als Filter genutzt. Bei dem Baby entzündete sich jedoch das Bauchfell. Die bei Erwachsenen übliche Dialyse, bei der das Blut außerhalb des Körpers gereinigt wird, ist eigentlich erst für Patienten ab sechs Jahren geeignet. Das Baby bekam an dem Gerät prompt lebensbedrohliche Blutdruckschwankungen. Die Ärzte entschieden, es als "besonders dringlich" bei Eurotransplant zu melden. Elf Tage nach der Meldung bekam das Baby das Organ eines gestorbenen älteren Kindes.

Ein Mann wartet vergeblich - und geht ins Hospiz

Trotz der Erfolgsgeschichten bestimmt banges Warten den Alltag vieler Kinder und Jugendlichen. Der 17-jährige Sebastian etwa bekam seine Diagnose Ende April: Aus unbekannten Gründen hat sich sein Immunsystem gegen die eigene Niere gerichtet. "Ich war sehr geschockt zu Anfang", erzählt er im Nierenzentrum Hannover. Dreimal pro Woche wird er hier von 12 bis 17 Uhr an die Dialyse angeschlossen. Das Warten auf ein Spenderorgan sei für seine Eltern wohl noch schlimmer als für ihn selber. "Man verdrängt es im Alltag", sagt Sebastian. "Ich hoffe aber, dass es schnell geht."

hei/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 141 Beiträge
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    Seite 1    
1. Unerträglich
sophica 29.11.2013
Das Geheule um die zu wenigen Spenderorgane ist mir unerträglich. Begründung: es ist daran zu denken, dass hinter einem gespendeten Organ immer auch ein Mensch steckt, der gestorben ist; es ist also ein Rufen darum, dass Menschen sterben, damit andere leben können. Eine sehr befremdliche Ethik, vielleicht auch nicht mehr im Zusammenhang damit, dass das Gesundheitssystem politisch immer mehr nach den Profit- und Gewinninteressen einer kleinen Minderheit von Menschen ausgerichtet wird. Dennoch steckt eine lebensfeindliche Einstellung dahinter!
2. So siehts aus
karl.j.niemann 29.11.2013
Aber mit einer Spendenverweigerung bestraft man natürlich in erster Linie die korrupten Ärzte und die paar Reichen, die sich ihr Organ kaufen...
3. optional
Medienkenner 29.11.2013
Bei allem Mitgefühl für diejenigen Kranken, die sich durch eine Organspende Hoffnung auf ein längeres und besseres Leben machen, kann ich andere Aspekte der Organspende nicht übersehen. Zum Beispiel folgendes, gelesen auf (s.unten): “Stets wird versucht zu verhindern, daß Angehörige die ausgeschlachtete leblose körperliche Hülle des „Organspenders“ nach der Entnahme sehen. Denen es gelingt, sind entsetzt. Der sich ihnen bietende Anblick verfolgt sie zumeist ihr ganzes Leben lang. Das Gesicht des Spenders zeigt nicht den beseligenden Frieden von Menschen, die man in Würde hat sterben lassen. Sie spiegeln vielmehr Furcht, Angst und fürchterliche erlittene Schmerzen wider. Blonde Haare junger Menschen sind ergraut oder weiß geworden. Die Haut des entbluteten Körpers zeigt sich in einem unnatürlichen grauweißen Farbton. So äußerte sich z.B. Frau Gisela Meyer, Mutter des verunglückten Sohnes Lorenz u.a.: Beim Anblick meines Sohnes glaubte ich zunächst an einen Irrtum. Ich erkannte ihn nicht, weil sein zuvor unverletztes Gesicht so entstellt war. Bis dahin hatte ich schon als Krankenschwester und in der eigenen Familie Sterbende begleitet und in das Gesicht von Verstorbenen geschaut. Ich hatte keine Berührungsängste und kannte den friedlichen und entspannten Gesichtsausdruck, der sich oft bei Verstorbenen einstellt. Das Gesicht meines Kindes war hingegen ganz klein geworden, die Lippen, seine schönen vollen Lippen waren zusammengepreßt, der Gesichtsausdruck sah nach Schmerzen aus. Seine Haare waren naß, die Augen mit Mulllagen bedeckt und kreuzweise verklebt. Entgegen den Behauptungen der Transplantationsmediziner bin ich überzeugt, daß mein Kind bei der Organentnahme Schmerzen erlitten hat. In seinem Sterben war ihm noch Schlimmes widerfahren. Nach der Krankenakte, die wir später lasen, bekam er eine Lokalanästhesie – warum? Hatte er sich bei der Operation bewegt? Hatte der Arzt gemerkt, daß er mit Schmerzen reagierte?“ Quelle: Dr. Georg Meinecke, auf der Webseite: www.impfkritik.de/upload/pdf/Organspende/Organspende1.pdf
4. Aja
GibtsJaNet 29.11.2013
nachdem die große Werbekampagne nicht funktioniert hat, versucht man es jetzt mit der Kinder-Mitleidsmasche! Und wieder steht im Text: " 2013 haben bislang nur 754 Menschen Organe nach ihrem Tod gespendet" Das ist doch gelogen! Aus einer Leiche werden keine Organe wie Herz, Leber, Niere usw. entnommen, sondern nur von "hirntoten" aber noch lebenden Menschen! Solange diese Tatsache nicht offen ausgesprochen wird, ist jede weiteres Diskussion zu dem Zhema hinfällig. Und "hirntot" in Anführungszeichen, weil KEIN Neurologe heute mit Sicherheit sagen kann, WAS genau das ist! Meine Befürchtung ist nämlich, das man bei Organbedarf einfach jemanden für hirntot erklärt, um ihn ausschlachten zu können. Ich denke, mit der Annahme liege ich genau beim Thema Skandal!! Je reicher ein Empfänger, desto schneller erfolgt die Hirntoterklärung eines "Spenders"!
5. optional
Lebensberater 29.11.2013
Organe sind zur Übertragung nur geeignet, wenn sie dem Körper eines noch nicht wirklich Verstorbenen, sondern als noch lebend-frische Organe von einem als hirn’tot’ bezeichneten Menschen entnommen werden. Das Hirntod-Kriterium ist jedoch nur ein juristisches Hilfs*konstrukt -eine erfundene Definition- um dem Sterbenden ungestraft Organe entnehmen zu können. Organe von einem wirklich leblosen Körper, also einer Leiche, sind nicht mehr zur Transplantation geeignet! Angeblich sind die “Spender” tot (hirn’tot’). Aber tatsächlich sind ihre Körper noch warm, sie sind durchblutet, sie schwitzen, atmen und reagieren auf die Anwesenheit Angehöriger. Wenn die “Spender” wirklich voll und ganz tot sind, warum erhalten sie dann in vielen Fällen eine Narkose?
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