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Transplantationen 2012: Zahl der Organspenden geht zurück

Organentnahme: 2012 spendeten bislang deutlich weniger Menschen Organe als in den Jahren zuvor Zur Großansicht
DSO/ Johannes Rey

Organentnahme: 2012 spendeten bislang deutlich weniger Menschen Organe als in den Jahren zuvor

Die Zahl der Organspenden nimmt 2012 deutlich ab. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organspende und macht die Transplantationsskandale für den negativen Trend verantwortlich. Doch auch andere Ursachen kommen in Frage.

Osnabrück - Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) schlägt Alarm, weil die Zahl der Organspenden im Jahr 2012 deutlich sinkt. Von Januar bis September 2012 zählte die Organisation 829 Organspender. Das sind 71 - oder knapp acht Prozent - weniger als im Vorjahreszeitraum. Zwar könne man nicht von einem starken Einbruch bei den realisierten Organspenden in genau diesem Zeitraum sprechen, sagte der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste. Doch das Gesamtergebnis der ersten drei Quartale 2012 liege deutlich unter den Vergleichswerten der Vorjahre. Die meisten Menschen etwa spendeten im Jahr 2007 nach ihrem Tod Organe, damals waren es 992 von Januar bis September.

Kirste appelliert nun "umso dringlicher an alle: Jedes einzelne Spenderorgan kann das Leben eines schwerkranken Menschen retten." Kirste macht die Transplantationsskandale verantwortlich für die rückläufigen Zahlen: "Vor allem die schwerwiegenden Vorwürfe der Datenmanipulation bei Wartelistenpatienten erschüttern das Vertrauen massiv", so Kirste. Die Verunsicherung der Menschen sei spürbar vorhanden und sehr ernst zu nehmen.

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass es immer wieder Schwankungen der Organspenderzahlen gibt. Allerdings waren die Zahlen schon 2011 rückläufig gegenüber 2010. Im Vergleich zu den Jahren zwischen 2006 und 2011 haben jetzt am wenigsten Menschen Organe nach ihrem Tod gespendet.

Ohne Vertrauen keine Organspende

Sind nicht allein natürliche Schwankungen Schuld an dem Rückgang der Zahlen, so könnte auch die DSO mitverantwortlich an der Misere sein: Die Stiftung war Anfang des Jahres durch anonyme Vorwürfe, es herrsche dort "Selbstbedienungsmentalität", in die Kritik geraten. Eine Untersuchungskommission konnte zwar kein Fehlverhalten des Vorstandes feststellen, teure Flugreisen und mehrfache Dienstwagen-Käufe sorgten aber weiterhin für Kritik. Die Zahlen der Organspender gehen nicht erst seit Bekanntwerden der Manipulationen im Sommer zurück, sondern schon seit Beginn des Jahres.

Auch Ärzte und Politiker prophezeiten nach den Transplantationsskandalen bereits, dass diese viele Menschen das Leben kosten würden. Die DSO fordert nun, jegliche Verdachtsfälle in Transplantationszentren lückenlos aufzuklären, Konsequenzen zu ziehen und weiterem Missbrauch sicher vorzubeugen. "Für die Organspende und Transplantation sind Transparenz und Vertrauen wichtige Parameter", sagte Kirste. "Wenn Zweifel an der Transparenz des Verfahrens der Transplantation aufkommen, sind die eigentlichen Leidtragenden die Patienten auf der Warteliste. Sie müssen nun befürchten, noch länger - vielleicht sogar vergeblich - auf die rettende Transplantation zu warten."

Die Deutsche Stiftung Organspende ist die nach dem Transplantationsgesetz beauftragte Koordinierungsstelle für Organspenden in Deutschland. Die Vergabe der gespendeten Organe wird über Eurotransplant organisiert. Für die die letzte Entscheidung, ob ein Patient ein Organ bekommt, und für die Einpflanzung sind die Transplantationszentren verantwortlich.

hei/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Das war Absehbar ..
sagmalwasdazu 17.10.2012
wer spendet schon noch Organe, um der Organmafia sowie Geldgeilen Ärzten ein Vermögen zu bescheren ? Man könnte ja direkt Geldpenden überweisen. Schade nur für die Organempfänger.
2. Wirklich ?
klaus_peter 17.10.2012
Gibt es belastbare Zahlen wie viele Menschen nach dem Skandal ihren Organspenderausweis zurückgegeben haben ?
3. Korruption
lune 17.10.2012
Offensichtlich herrschen in der Transplantationsmedizin Zustände, die aus ethischen Gründen ein Spenden verbieten. Solange die Täter frei herumlaufen und womöglich weiterhin in korrupter Weise ihren ärztlichen Beruf ausüben, wird sich daran kaum etwas ändern.
4. Ich wünschte..
nabnab 17.10.2012
Ich wünschte ich könnte dem ganzen trauen. Würde gerne Organe Spenden, aber nicht unter diesen wenig vertrauenswürdigen Bedingungen. Es ist zu schade, dass durch ein paar gierige Idioten das ganze Vertrauen pfutsch ist. Ich werde mich wohl nie wieder für das Organspenden entscheiden, dabei wahr ich starker Befürworter davon.
5. ...
Barath 17.10.2012
Zitat von sagmalwasdazuwer spendet schon noch Organe, um der Organmafia sowie Geldgeilen Ärzten ein Vermögen zu bescheren ? Man könnte ja direkt Geldpenden überweisen. Schade nur für die Organempfänger.
Sagen wirs mal so: Die Empfänger haben ja auch was damit zu tun. Ich erinnere mal ganz sanft an Johannes von Thurn und Taxis (http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag4832.html): "Zu dieser Zeit ist der Fürst bereits schwer krank. Er hat Alkohol- und Herzprobleme. Am 14. Dezember 1990 stirbt Johannes von Thurn und Taxis nach seiner zweiten Herztransplantation in München." Trotz Alkoholproblemen zwei (unerfolgreiche) Herztransplantationen innerhalb von nur 6 Wochen, und das bei einem 64-jährigem... Insofern denke ich, daß die jüngsten Skandale auch dazu geführt haben, daß viele eben darüber nachdenken, wer denn ihre Organe eigentlich bekommt. Wenn das dann womöglich der Meistbietende ist, kann einem das Mitleid schon vergehen... Und eben diese Möglichkeit haben diese Fälle ja denkbar gemacht.
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Sterblichkeit auf den Wartelisten

Fragen und Antworten zur Organvergabe in Deutschland
Welche Organisationen sind an der Organvermittlung beteiligt?
1997 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Transplantationsmedizin in drei finanziell und organisatorisch unabhängige Bereiche aufteilt: Für die Organisation der Organspende ist die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) zuständig. Die Vermittlung der Organe übernimmt die Stiftung Eurotransplant. Die eigentliche Übertragung des Organs auf den Empfänger findet in den bundesweit rund 50 Transplantationszentren statt.
Wie läuft die Zusammenarbeit?
Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf Hirntod, vermittelt ein regionales DSO-Zentrum bei Bedarf unabhängige Neurologen für die Abklärung. Die Stiftung unterstützt die Ärzte außerdem bei der Klärung der Frage, ob der Patient einer Organspende zugestimmt hat oder ob seine Angehörigen dies tun. Dann werden die Daten des gespendeten Organs von der DSO an die Stiftung Eurotransplant übermittelt.
Was ist die Aufgabe von Eurotransplant?
Die Stiftung vermittelt gespendete Organe in sieben europäische Länder mit insgesamt 124 Millionen Einwohnern: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Slowenien. Eurotransplant sitzt in Leiden in Südholland und führt in ihren Wartelisten rund 15.000 Menschen. Zum Vergleich: 2010 wurden in Zuständigkeitsbereich von Eurotransplant knapp 7000 Lebern, Herzen, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen gespendet und eingepflanzt.
Woher bekommt Eurotransplant seine Informationen?
Bei Eurotransplant läuft alles zusammen: die Daten der Menschen, die auf eine Transplantation warten, und die Daten der gespendeten Organe. Die Informationen über die Wartenden kommen von den Transplantationszentren, die Daten über die Organe von der DSO.
Hängt es vom behandelten Arzt ab, welche Informationen zu Eurotransplant gelangen?
Die Ärzte sind an die "Richtlinien für die Wartelistenführung" der Bundesärztekammer gebunden. Danach ist eine Organtransplantation medizinisch geboten, wenn Erkrankungen "nicht rückbildungsfähig fortschreiten oder durch einen genetischen Defekt bedingt sind und das Leben gefährden oder die Lebensqualität hochgradig einschränken". Weiter heißt es in den Richtlinien: "Die Gründe für oder gegen die Aufnahme in die Warteliste sind von dem darüber zu entscheidenden Arzt zu dokumentieren."
Was hat das mit Eurotransplant zu tun?
Entscheidend bei der Auswahl des geeigneten Empfängers sind die Dringlichkeit der Transplantation und die Erfolgsaussichten. Dafür wird etwa bei Lebertransplantationen aus Laborwerten der sogenannte MELD-Score berechnet. Er ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit des erkrankten Menschen, ohne Transplantation innerhalb der nächsten drei Monate zu sterben.
Wie ist es möglich, dass dabei geschummelt wird?
Dazu sagte der Präsident von Eurotransplant, Bruno Meiser, die Zuordnung der Organe sei jederzeit komplett nachvollziehbar. "Werden die Daten aber gefälscht übermittelt, ist auch Eurotransplant hilflos." Aus seiner Sicht kann aber ein Mensch allein nicht betrügen. "Irgendeinem Kollegen muss zumindest aufgefallen seien, dass Laborwerte unrealistische Schwankungen aufwiesen oder Werte nicht zueinanderpassten."

dapd

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