Pflaster, Salben, Wärme Was bei Rückenschmerzen wirklich hilft

Rückenschmerzen kennt wohl jeder. Welche Mittel empfehlen Apotheker - und helfen die wirklich? Bei Testkäufen überzeugt keines der Präparate. Wichtige Hinweise zur Anwendung dagegen fehlen.

Akuter Rückenschmerz: Wärme kann die Pein etwas lindern
Corbis

Akuter Rückenschmerz: Wärme kann die Pein etwas lindern


Fast jeder kennt dieses unangenehme Stechen im Rücken, das sich schon bei kleinsten Bewegungen bemerkbar macht: In über 95 Prozent der Fälle ist dieser akute Schmerz zwar lästig, aber harmlos. Ursachen können zu wenig oder zu viel Sport sein, eine falsche Bewegung oder einfach zu viel Stress. Die Schmerzen verschwinden meist nach einigen Wochen wieder.

Wer sich diese Zeit erträglicher gestalten will, der geht meist nicht direkt zum Arzt, sondern in die Apotheke. Was aber empfehlen Apotheker einem Kunden, der nach Schmerzlinderung fragt - jenseits gängiger Schmerztabletten?

Wir haben wieder Freiwillige in Deutschlands Apotheken geschickt. Zehn Probanden schilderten dort ihr Leid - akuter Rückenschmerz seit einigen Tagen - , ließen sich beraten und kauften ein, was der Apotheker ihnen empfahl. Dies dauerte meist nur wenige Minuten.

Weil unsere Tester eben keine Schmerztabletten einnehmen wollten oder zusätzliche Abhilfe verlangten, rieten die Apotheker zu Wärmepflastern oder Salben. Kostenpunkt durchschnittlich 15 Euro. In einem Fall wurde dem Leidenden noch geraten, begleitend immer ein wenig Magnesium einzunehmen. Beim Kauf eines Wärme-Balsams gab es drei Paar Einmalhandschuhe gratis dazu - "die Salbe brennt, kommen Sie mit dem Finger nicht in die Augen".

Wir haben den Arzt Peter Sawicki gebeten, die verkauften Mittel für SPIEGEL ONLINE anhand anerkannter Übersichtsstudien zu bewerten. Abschließend haben wir als zweiten Experten Bernhard Arnold, Chefarzt für Schmerztherapie am Klinikum Dachau, um ein Fazit gebeten.

ZUR PERSON
  • IQWiG
    Peter Sawicki, Jahrgang 1957, arbeitet als Internist und Diabetologe. Von 2004 bis 2010 war er Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Das unabhängige Institut prüft systematisch den Nutzen und die Schädlichkeit von Medikamenten.

Sehen Sie in unserer Aufstellung, was die Mittel taugen.

insgesamt 61 Beiträge
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teilzeitmutti 21.05.2015
1. Traumeel S
Sorry SPON aber das Rechercheergebnis bezüglich der Wirksamkeit von Traumeel S ist ungenügend. Es handelt sich um ein homöopathisches Präparat, so dass dessen Wirksamkeit (unabhängig von der Darreichungsform) nicht über die eines Placebos hinausgeht (die Wirksamkeit von Homöopathika ist mehr als ausführlich wissenschaftlich untersucht). Ob Sie nun Traumeel S auf den Rücken schmieren und Nivea-Creme, die Wirksamkeit ist gleich hoch.
htc 21.05.2015
2.
Zitat: "Der Hinweis auf Magnesium, das helfen könnte, ist Unsinn", sagt Arnold. Der Gedanke an muskelentspannende Medikamente als Ergänzung zu Schmerzmitteln sei zwar grundsätzlich richtig, für Magnesium gebe es jedoch keinerlei Wirkungsbeleg. Wirksame Muskelrelaxantien gebe es auf Rezept. => Der Hinweis ist sehr valide, allein schon weil ein Magnesiummangel zu Rückenschmerzen führen kann!
Überfünfzig 21.05.2015
3. Aktuell bin ich auch...
...mal wieder betroffen und jetzt am Tag fünf wieder auf den Beinen und an Tag vier schon wieder leichten Sport getrieben. Ich starte immer mit einer Wärmesalbe in Verbindung mit einem Heizkissen und Muskelentspanner (z.B. Tizanidin 4mg). An Krücken geht es dann die ersten Meter durch den Garten bis man selbst wieder gerade stehen kann und anschließend 20 min leichter Spaziergang, der dann am selben Tag nochmals wiederholt wird. Wärend der Rekonvaleszenz wird langes Sitzen vermieden und die Dauer und Tempo der Spaziergänge erhöhrt. Dazwischen immer wieder Salbe und Wärmekissen. Selbst nach einem schweren "Rücken" wo man sich an der Heizung aus dem Bett hangeln muß, bin ich nach 4 - 5 Tagen wieder auf den Posten.
Dingens 21.05.2015
4.
Moin was hatte die Reaktion denn erwartet? Wenn man alle wirksamen Medikamente, die es zum Teil nur auf Rezept gibt, von vornherein ausschließt, ist doch klar, dass es vorwiegend Placebos gibt. Die Studienlage zur Homöopahtie ist übrigens sehr klar. Allerdings ist, wie alles von Heel produzierte, Traumeel nicht wirklich ein homöopathisches Mittel, da Mischpräparat. Dies passt eigentlich nicht in das krude Krankheitsbild der Homöopathen.
Dingens 21.05.2015
5.
Moin was hatte die Reaktion denn erwartet? Wenn man alle wirksamen Medikamente, die es zum Teil nur auf Rezept gibt, von vornherein ausschließt, ist doch klar, dass es vorwiegend Placebos gibt. Die Studienlage zur Homöopahtie ist übrigens sehr klar. Allerdings ist, wie alles von Heel produzierte, Traumeel nicht wirklich ein homöopathisches Mittel, da Mischpräparat. Dies passt eigentlich nicht in das krude Krankheitsbild der Homöopathen.
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