Antibiotikaresistenzen England meldet weltweit ersten Horror-Tripper

Schon länger warnen Mediziner davor, dass gegen Tripper bald kein Antibiotikum mehr hilft. Jetzt wurde bei einem Mann in England ein seit Langem gefürchteter, extrem resistenter Erreger diagnostiziert.

Illustration von Gonokokken - dem Tripper-Erreger
imago/ Science Photo Library

Illustration von Gonokokken - dem Tripper-Erreger

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Ein Mann aus Großbritannien hat sich mit einem Tripper-Erreger infiziert, gegen den - wenn überhaupt - wohl nur noch ein einziges Antibiotikum hilft. Es ist der weltweit erste Bericht über einen Erreger, der auf beide Medikamente der aktuellen Standardtherapie nicht mehr reagiert, schreibt die britische Regierung in einem aktuellen Report.

Der heterosexuelle Mann hatte Anfang 2018 Hilfe in einer Praxis für Geschlechtskrankheiten gesucht. Tripper, Mediziner sprechen von einer Gonorrhoe, macht sich bei Männern typischerweise durch einen Ausfluss und starke Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Die winzigen, nierenförmigen Bakterien werden beim Geschlechtsverkehr übertragen.

Der Mann habe eigentlich eine dauerhafte Sexualpartnerin in Großbritannien, schreibt die britische Regierung. Einen Monat vor Beginn der Beschwerden hatte er jedoch zusätzlich Geschlechtsverkehr mit einer Frau in Südostasien. Wahrscheinlich hat er sich dabei mit dem Supererreger infiziert.

Unklar, ob dem Mann noch geholfen werden kann

Erkrankt ein Patient an Tripper, sollten Mediziner auch in Deutschland standardmäßig zwei Antibiotika parallel verordnen:

  • Azithromycin, das jedoch immer häufiger versagt.
  • Und Ceftriaxon, das bislang noch zuverlässiger gegen die Bakterien wirkt.

Bei dem britischen Patienten schlagen gleich beide Mittel nicht mehr an. Sein Erreger sei nicht nur gegen Azithromycin hoch resistent, heißt es in dem britischen Bericht. Auch die Behandlung mit Ceftriaxon wirke nicht. Trotz Therapie fanden die Mediziner Tripper-Erreger im Rachen des Patienten. Es sei der weltweit erste derartige Fall, der dokumentiert wurde, schreiben die Behörden.

Ob dem Mann noch geholfen werden kann, ist bislang unklar. Schon heute gelten Azithromycin und Ceftriaxon als letzte wirksame Kombination gegen die Geschlechtskrankheit. Verlieren auch sie ihre Wirkung, wird die eigentlich gut behandelbare Infektion zu einer ernsten Gefahr.

Die Bakterien könnten dann auch andere Organe befallen, schlimmstenfalls das Herz oder Gehirn, und dadurch kann die Infektion sogar zum Tode führen.

Bei Labortests reagierte der Erreger des Patienten in Großbritannien nur noch auf ein Antibiotikum. Die Ärzte haben ihn mittlerweile neben diesem noch mit einem weiteren Mittel behandelt. Ob die Medikamente die Erreger vollkommen aus seinem Körper verdrängen können, soll ein nächster Test Mitte April zeigen. Seine britische Partnerin steht ebenfalls unter Beobachtung. Zumindest der erste Test bei ihr war aber negativ.

Gefahr war lange bekannt

Die Gefahr eines nicht mehr therapierbaren Tripper-Erregers ist schon lange bekannt. Im vergangenen Jahr setzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Tripper-Bakterien auf eine Liste mit den zehn Erregern, gegen die am dringendsten neue Antibiotika gebraucht werden. Vor allem aus wohlhabenden Ländern mit einer guten Überwachung seien Krankheitsfälle bekannt, bei denen fast alle verfügbaren Antibiotika versagten, schrieb die Organisation nach einer Untersuchung in 77 Ländern.

Dass Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, ist ein natürlicher Prozess. Durch zufällige Veränderungen im Erbgut passiert es immer wieder, dass einzelne Bakterien Schutzmechanismen gegen die Medikamente entwickeln. Können sich die resistenten Keime verbreiten, werden sie zum Problem. Aus diesem Grund mussten Ärzte bei der Tripper-Therapie in der Vergangenheit immer wieder auf neue Antibiotika umschwenken.

Tripper: Wie ein Mittel nach dem anderen die Wirkung verlor

1943 setzten Ärzte gegen die Bakterien zum ersten Mal Penicillin ein, das weltweit erste Antibiotikum. Bereits zwölf Jahre später, 1955, mussten sie die Dosis verzehnfachen. Mitte der Sechzigerjahre wurde Penicillin durch Tetracycline ersetzt, Antibiotika mit einem komplett anderen Wirkmechanismus. In den Achtziger- und Neunzigerjahren folgten neue Mittel gegen Tripper, die Fluorchinolone. 2004 empfahl die WHO schließlich Cephalosporine, zu denen Ceftriaxon gehört.

Tripper ist nicht die einzige Infektion, bei der Ärzte Resistenzbildungen mit großer Sorge betrachten. Ähnlich steht es auch um eine Reihe weiterer Krankheitserreger, den Darmkeim E. coli etwa, der zu schweren Blasenentzündungen führen kann, oder den Lungenentzündungsbakterium Pseudomonas aeruginosa.

Die Weltgesundheitsorganisation warnte bereits 2014 vor einem Post-Antibiotika-Zeitalter, in dem gewöhnliche Infektionen wieder tödlich enden. Um gegenzusteuern, müssten neue Antibiotika mit neuen Wirkmechanismen entwickelt werden. Daneben ist es auch wichtig, die Entwicklung von Resistenzen zu bremsen - und unter anderem durch einen begrenzten Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und beim Menschen.

insgesamt 61 Beiträge
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geschneider 29.03.2018
1. Esst mehr billges Fleisch!
Solange es legal ist bei der Tiermast Antibiotika ohne konkrete Diagnose einzusetzen spielen Fleischesser nicht nur mit ihrer Gesndheit sondern mit ihrem Leben. Leider müssen alle anderen auch mitspielen.
prodeutschlad 29.03.2018
2. Es ist soweit
Ich bin gepannt ob sich unsere neue Regierung wenigstens jetzt (wobei es schon langsam zu spät wird) mit dem Thema auseinandersetzt. Ich finde es absolut schade, dass die ganze Welt sich damit beschäftigt Ost-West "Probleme" zu lösen, aber keiner daran denkt das wir im Jahr 2100 entweder Amsterdam als Atlantis bezeichnen werden oder die Weltbevölkerung anhand von Antibiotika resistenten Bakterien langsam ausstirbt! G.I
lesheinen 29.03.2018
3. Weltweit erster Horrortripper?
Schöne, aber falsche Überschrift. Wenn der Mann sich mit dem Horrorbakterium in Asien angesteckt hat, muss es doch dort schon sein Unwesen getrieben haben. Zu erwarten war die Meldung über eine Nichtbehandelbarkeit von Tripper über kurz oder lang. Ich gehe davon aus, dass Resistenzen sich entwickeln, weil Medikamente nicht genügend lange eingenommen worden sind. Das halbtote/halblebende Bakterium kann sich eine Überlebensstrategie "ausdenken" und so seine Art erhalten. Auch insoweit ist es der Mensch, der trotz seiner Intelligenz vor lauter Dummheit und Ignoranz nur so strotzt.
112211 29.03.2018
4. Übermäßig
Der Fall war doch klar: ein sinnloser und übermäßiger Gebrauch von Antibiotika ist ein schon lange bekanntes Problem, und doch scherten sich nicht viele darum. Gerade bei dem betroffenen Briten wäre auch das Thema der Vermeidung von Krankheiten wichtig gewesen. Aber heutzutage hat selbst HIV den Schrecken der 1980er Jahre verloren und es wird wieder fleißig auf Schutz verzichtet. Gut, das wird nicht mit Antibiotika behandelt, dennoch kommt es auch zu Therapieversagen, ganz ähnlich wie bei den Bakterien. Hinterher ist das Gejammer groß.
ocmone 29.03.2018
5. Wir sind selbst schuld
Ich habe mal spaßeshalber im Bekanntenkreis eine Umfrage gemacht, wer bei Grippe und Erkältungen arglos zu Antibiotika greift. Das Ergebnis war erschreckend! Den Leuten ist vielfach nicht einmal klar, dass Antibiotika nichts mit Viren zu tun haben. Die zweite Frage war, wie lange die Leute dann die Antibiotika einnähmen. Erwartungsgemäß kam häufig die Antwort "bis die Symptome besser werden". Ich könnte ausrasten! Da ist es kein Wunder, dass immer mehr Resistenzen entstehen. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass Antibiotika in vielen Ländern einfach so im Laden gekauft werden können, ohne dass die Leute von einem Arzt auf korrekte Einnahme hingewiesen werden müssen, kann einem absolut bange werden.
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