Tuberkulose Die am häufigsten tödliche Infektionskrankheit der Welt

Rund 1,6 Millionen Menschen sind 2017 an Tuberkulose gestorben - mehr als an Aids oder anderen Krankheiten. Das größte Problem: Die Erreger reagieren immer weniger auf Antibiotika.

Röntgenbild eines Tuberkulose-Patienten
DPA

Röntgenbild eines Tuberkulose-Patienten


Noch vor der Immunschwächekrankheit Aids ist Tuberkulose die am häufigsten tödliche Infektionskrankheit der Welt. Zu diesem Schluss kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem aktuellen Bericht. Demnach starben 2017 insgesamt 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose. Zum Vergleich: Durch die Folgen von Aids kam es im selben Jahr zu rund 940.000 Todesfällen, bei Malaria waren es 2016 insgesamt 445.000 Todesfälle.

Mit Antibiotika ist Tuberkulose zwar heilbar, allerdings entwickeln die Erreger immer mehr Resistenzen gegen die Mittel. Ohne Behandlung stirbt fast die Hälfte der Infizierten.

Die WHO geht von schätzungsweise zehn Millionen Menschen aus, die 2017 weltweit an Tuberkulose erkrankt sind. Offiziell dokumentierte die Organisation zwar nur 6,4 Millionen Fälle. Die Schätzung liege aber deutlich höher, weil Fälle oft nicht gemeldet oder falsch diagnostiziert würden, heißt es in dem Bericht. Demnach ist die Zahl neuer Infektionen im Vergleich zu 2016 gleich geblieben. Die Zahl der Todesfälle ist 2017 sogar leicht gestiegen.

Weltweite Fälle, auch in Deutschland

Tuberkulose wird teils als "Armutskrankheit" bezeichnet, weil sie vor allem in strukturschwachen Regionen in Afrika, Osteuropa und Zentralasien verbreitet ist. Zwei Drittel der Neuinfektionen wurden 2017 in Indien, Indonesien, China, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Südafrika und auf den Philippinen registriert.

Grundsätzlich trifft die Krankheit jedoch Menschen weltweit und in allen Altersgruppen. Sechs Prozent aller Fälle wurden vergangenes Jahr in Europa sowie Nord- und Südamerika gemeldet. Rund ein Viertel der Weltbevölkerung ist mit entsprechenden Bakterien infiziert, aber nur bei fünf bis zehn Prozent verbreiten sich die Bakterien im Körper so sehr, dass eine Behandlung notwendig wird. Am häufigsten ist die Lunge betroffen. Gelangen die Bakterien dann beim Atmen, Husten oder Niesen nach außen, sind die Betroffenen ansteckend.

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut 2017 insgesamt 5542 Erkrankungen gemeldet. Damit ist die Zahl in den vergangenen drei Jahren relativ konstant geblieben: 2015 waren es 5837 Fälle, 2016 lag die Zahl bei 5956 Erkrankten.

HIV-Infizierte erkranken besonders leicht an Tuberkulose. Aufgrund ihres geschwächten Immunsystems haben sie ein bis zu 50-fach erhöhtes Risiko. Eine Tuberkulose-Infektion kann wiederum den Ausbruch von Aids beschleunigen. Beide Krankheiten verstärken sich also gegenseitig und gelten deshalb als tödliches Duo.

Ende der Krankheit: Eher Ziel als Wirklichkeit

In den meisten Ländern sei ein Ende der als TBC bekannten Krankheit eher ein "Ziel als Wirklichkeit", schreibt die Weltgesundheitsorganisation. Zwar gibt es bei der Behandlung Fortschritte. Zwischen 2000 und 2017 entgingen dank entsprechender Medikamente schätzungsweise 54 Millionen TBC-Kranke dem Tod, heißt es bei der WHO. Die Sterblichkeitsrate der Erkrankten fällt demnach pro Jahr um rund drei Prozent.

Die Therapie ist jedoch bedroht: Die Bakterien entwickeln zunehmend Resistenzen gegen die Mittel. Laut Weltgesundheitsorganisation waren 2016 insgesamt 490.000 Menschen mit einem solchen, multiresistenten Erreger infiziert, die Zahl steigt. Schon für die Behandlung einer nicht resistenten Tuberkulose ist es notwendig, über einen Zeitraum von sechs Monaten erst vier und dann zwei verschiedene Antibiotika einzunehmen. Bei einer resistenten Tuberkulose steigt die Zahl auf mindestens fünf Medikamente. Oft müssten die Erkrankten jeden Tag zwanzig Tabletten schlucken.

Kommende Woche wollen sich Staats- und Regierungschefs sowie weitere hochrangige Vertreter im Zusammenhang mit der UN-Generaldebatte dem Kampf gegen die Krankheit verpflichten. Bereits im November hatten Gesundheitsminister aus rund 70 Ländern angekündigt, ihr Engagement zur Ausrottung der Krankheit bis 2030 zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, werde aber immer noch nicht genug getan, warnt die WHO.

irb/dpa



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