WHO-Report Tuberkulose plagt mehr als zehn Millionen

Die Zahl der Tuberkulose-Fälle geht zurück, aber noch immer zählt die Infektionskrankheit zu den zehn häufigsten Todesursachen auf der Welt. Ein aktueller Report zeigt, wen es besonders häufig trifft.

Tuberkulose-Bakterien
imago/ Science Photo Library

Tuberkulose-Bakterien


Rund 7,35 Milliarden Menschen leben aktuell auf der Erde. Etwa 10,4 Millionen von ihnen erkrankten 2015 an Tuberkulose. Damit kam ein Fall auf nur etwas mehr als 700 Menschen. Das geht aus dem aktuellen Tuberkulose-Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.

Zwar sei die Krankheit weltweit langsam auf dem Rückzug, so die Forscher. Die Erkrankungsrate sank demnach von 2014 auf 2015 um 1,5 Prozent. Bisherige Erhebungen hätten jedoch die Gesamtzahl der Infizierten vor allem in Indien unterschätzt. Aus diesem Grund mussten die Wissenschaftler ihre Angaben nach oben korrigieren. 2014 war die WHO noch von 9,6 Millionen Betroffenen weltweit ausgegangen.

Sechs Länder, 60 Prozent

In Deutschland ist die Tuberkulose selten geworden - trotz eines Anstiegs durch Menschen, die aus Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung einreisten. Viel drastischer ist die Situation in manchen Ländern Afrikas, Asiens und Osteuropas.

Insgesamt 60 Prozent der Neuerkrankungen waren 2015 auf nur sechs Länder zurückführen: Indien, Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika. "Der weltweite Fortschritt hängt vor allem von der Weiterentwicklung der Behandlung und Vorsorge der Tuberkulose in diesen Ländern ab", schreibt die WHO.

Mehr als die Hälfte der neuen TB-Fälle betrafen zudem Männer (5,9 Mio), ein Drittel Frauen (3,5 Mio) und ein Zehntel Kinder (1 Mio). Rund 1,2 Millionen Neuerkrankte waren zugleich HIV-positiv, die meisten von ihnen aus Afrika.

Antibiotikaresistenzen nehmen zu

Theoretisch lässt sich eine Tuberkulose-Infektion mit Medikamenten gut behandeln. Die WHO schätzt jedoch, dass fast 600.000 der Erkrankten Resistenzen gegen den gängigen Antibiotika-Mix entwickelt haben, mit denen die durch Mykobakterien hervorgerufene Erkrankung normalerweise therapiert wird. Fast die Hälfte der Betroffenen stammt aus Indien, China und der Russischen Föderation. Bei ihnen mussten Notfall-Antibiotika zum Einsatz kommen.

Trotz der Behandlungsmöglichkeiten starben 2015 noch schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen an Tuberkulose, 400.000 weitere Tuberkulose-Tote waren auch HIV-infiziert. Obwohl die Zahl der Todesopfer seit der Jahrtausendwende um 22 Prozent zurückgegangen ist, zählt die Infektionskrankheit damit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen auf der Welt.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" nannte die Zahlen schockierend. "Den betroffenen Ländern gelingt es nicht, Millionen Menschen mit Tuberkulose zu diagnostizieren und zu behandeln", kritisierte Greg Elder, Koordinator der Medizinkampagne.

irb/dpa



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