Tuberkulose Kampf gegen einen alten Killer

1,7 Millionen Menschen sind 2016 an Tuberkulose gestorben. Auf einer Konferenz haben sich Dutzende Staaten verpflichtet, mehr gegen die Infektionskrankheit zu unternehmen.

Im Berliner Tuberkulose-Zentrum wird die Röntgenaufnahme eines Patienten ausgewertet (Archivbild)
DPA

Im Berliner Tuberkulose-Zentrum wird die Röntgenaufnahme eines Patienten ausgewertet (Archivbild)


75 Staaten haben zu einem verstärkten Kampf gegen Tuberkulose aufgerufen. Alle Länder seien verpflichtet, ihr Engagement zur Ausrottung der Krankheit zu steigern, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Gesundheitsministern bei einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag in Moskau. Tuberkulose sei eine der größten Gefahren weltweit für Menschen im arbeitsfähigen Alter.

Die Konferenzteilnehmer sprachen sich für gemeinsame Maßnahmen bis 2030 aus.

1,7 Millionen Tote

"Das ist ein lange überfälliges Bekenntnis, um den Tod und das Leiden zu stoppen, das dieser alte Killer auslöst", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Bislang seien die Hauptprobleme fehlender politischer Wille und mangelnde Investitionen im Kampf gegen die Krankheit gewesen. "Die heutige Erklärung muss Hand in Hand gehen mit einer Steigerung der Investitionen", forderte der WHO-Direktor.

Tuberkulose gilt mit 1,7 Millionen Toten allein im Jahr 2016 als folgenschwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt. Damit zählt die Krankheit weltweit zu den zehn häufigsten Todesursachen. Mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis haben sich nach WHO-Schätzungen im vergangenen Jahr 10,4 Millionen Menschen angesteckt.

Fachleute bezeichnen die Infektion als Armutskrankheit, weil sie vor allem in strukturschwachen Regionen in Afrika, Osteuropa und Zentralasien verbreitet ist. Zwei Drittel der Neuinfektionen wurden in Indien, Indonesien, China, Pakistan, Nigeria, Südafrika und auf den Philippinen registriert.

Zwar ist Tuberkulose mit Antibiotika heilbar, ohne Behandlung aber kann sie tödlich sein. Und selbst wenn die Infektion erfolgreich bekämpft werden kann, müssen Ärzte dabei oft auf Mittel mit schweren Nebenwirkungen zurückgreifen, beispielsweise welche, die zu Gehörverlust führen können.

Ärzte ohne Grenzen sieht Deutschland in der Pflicht

Im Kampf gegen die Krankheit hat sich die WHO ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Zahl der Todesfälle soll bis 2030 um 90 Prozent und die Zahl der Neuansteckungen um 80 Prozent im Vergleich zu 2015 sinken.

In der gemeinsamen Erklärung einigten sich die Gesundheitsminister darauf, in folgenden Bereichen voranzukommen:

  • Gesundheitssysteme so zu stärken, dass Menschen einen einfacheren Zugang zur Vorbeugung und Behandlung von Tuberkulose haben.
  • Eine ausreichende und nachhaltige Finanzierung zu erreichen, die bestehende Lücken in der Forschung und beim Umsetzen neuer Erkenntnisse schließt.
  • Förderung von Erforschung und Entwicklung neuer Diagnose-, Vorbeugungs- und Heilmethoden.
  • Einen Rahmen zu schaffen, in dem die Fortschritte dokumentiert und überwacht werden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sieht auch Deutschland in der Pflicht. "Auch eine neue Bundesregierung muss das Engagement gegen die tödlichste Infektionskrankheit der Welt ernst nehmen und im Koalitionsvertrag verankern", sagte Marco Alves von Ärzte ohne Grenzen. Deutschland müsse Geld und technische Expertise für Prävention und Behandlung in betroffenen Ländern sicherstellen.

wbr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.