Tuberkulose: Zahl der infizierten Kinder in Deutschland gestiegen

Sie hat den Ruf einer Krankheit der Armen - doch Tuberkulose ist auch in Deutschland eine große Gefahr: Aktuellen Statistiken zufolge ist die Zahl infizierter Kinder gestiegen - weltweit bleibt die Lungenkrankheit unter den Top drei der übertragbaren Erkrankungen mit tödlichen Folgen.

Berlin - Spätestens seit es den Hannover-96-Spieler Franca erwischt hat, dürfte die Tuberkulose in der Wahrnehmung der Deutschen nicht mehr nur eine Krankheit der Armen sein. Das belegen auch die jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI), das Tuberkulose hierzulande als ernstzunehmendes Problem einschätzt. Demach ist die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern erneut gestiegen.

Wie das RKI am Montag zum Welttuberkulosetag in Berlin mitteilte, erkrankten 2011 insgesamt 179 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an einer Tuberkulose. Das sind 19 mehr als 2010 und 37 mehr als 2009, womit die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern bereits das dritte Jahr in Folge leicht zunahm. Insgesamt erkrankten 2011 in der Bundesrepublik demnach 4317 Menschen an Tuberkulose, 162 starben daran. Im Vergleich zum Jahr 2010 mit 4388 registrierten Erkrankungen und 161 Toten sind die Zahlen damit recht konstant geblieben. Bis 2008 waren sie hingegen jedes Jahr deutlich zurückgegangen. Laut RKI nähert sich die Zahl der Erkrankungen damit einem "Plateau".

Jährlich sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an Tbc

Mit durchschnittlich 5,3 gemeldeten Fällen pro 100.000 Einwohner steht Deutschland im internationalen Vergleich noch relativ gut da. Insgesamt starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2011 rund 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit, die meisten von ihnen in Afrika. Damit zählt Tuberkulose (Tbc) neben Aids und Malaria zu den drei größten Todesursachen unter den übertragbaren Krankheiten. Am meisten betroffen ist Afrika, wo Aids-Kranke häufig auch unter Tbc leiden. Tuberkulose ist aber auch in Osteuropa ein großes Problem.

Doch harmlos ist die Krankheit, die vor allem die Lungen befällt, auch in Deutschland nicht. Für das RKI gehört sie zu den Infektionserregern mit hoher Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung. Tuberkulose erfordert nach einem Nachweis sofort umfassende Eingriffe, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Möglichst jede Kontaktperson muss untersucht werden. Für Patienten bedeutet Tuberkulose eine langwierige Therapie über Monate hinweg. Das gilt vor allem für Infektionen, die auf gängige Medikamente nicht mehr ansprechen. Die multiresistenten Erreger machen in Deutschland rund zwei Prozent der Fälle aus. Eine gegen die am meisten verbreitete Tuberkulose-Form wirksame Impfung gibt es bisher nicht.

Die meisten Tuberkulose-Fälle gibt es in Berlin

Dass in Deutschland mehr Kinder erkranken als in den Vorjahren stimmt das RKI ebenfalls nachdenklich. Das sei ein Hinweis auf das aktuelle Infektionsgeschehen, sagt RKI-Präsident Reinhard Burger. Bei Kindern hat sich der Tuberkuloseerreger selten über Jahre eingenistet, bevor die Erkrankung ausbricht. Die Fälle gehen fast immer auf eine kurz zuvor erfolgte Ansteckung zurück.

Deshalb rät das RKI nach einer Studie in Niedersachsen auch, kleine Kinder, die Kontakt mit einem Tuberkulose-Patienten hatten, mehrmals zu testen. Nach genauer Abwägung sei es auch besser, ihnen häufiger als bisher vorsorglich Medikamente zu geben. Der Anstieg der Fallzahlen bei Kindern lasse vermuten, dass die Möglichkeiten zur Verhinderung einer Erkrankung nicht voll ausgeschöpft würden, folgern die Gesundheitsforscher des RKI im aktuellen Epidemiologischen Bulletin.

Tuberkulose bleibt vor allem ein Großstadtphänomen. So liegt zum Beispiel Berlin mit 9,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner an der Spitze der Bundesländer. Es folgen Hamburg mit 8,8 und Bremen mit 8,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die Zusammenhänge sehen Forscher nicht allein in der Ballung von Menschen. Tuberkulose ist in Deutschland seit der Entdeckung des Erregers durch Robert Koch im Jahr 1882 eine Krankheit der sozial Schwächeren. Berlin gehört statistisch gesehen zu den ärmsten Großstädten Deutschlands. Auch Hamburg hat viele sozial schwache Stadtteile. Auf dem Land gibt es erheblich weniger Tuberkulosefälle - die wenigsten registrierte Schleswig-Holstein mit 2,7 pro 100.000 Einwohnern.

cib/dpa/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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1. optional
egyptwoman 18.03.2013
Das kommt wie so viele andere eigentlich für fast ausgestorben gehaltene Krankheiten in dtl wohl auch davon das die Kinder heutzutage kaum noch geimpft werden und auch viele keine Impfauffrischungen machen lassen.
2. Impfung? Nein.
stati 18.03.2013
Wohl eher nicht: "Eine gegen die am meisten verbreitete Tuberkulose-Form wirksame Impfung gibt es bisher nicht."
3. @egyptwoman
chip01 18.03.2013
Das kann ich so bestätigen! Mit meiner Tochter (1 monat alt) zum kinderarzt. Der rät vom impfen ab da es dem kind nicht guttut!?! Nach fragen ob er denn nicht impfen will sagte er "Nein" Aber wenn sie unbedingt wollen... Hallo? dirket arzt gewechselt.Warum gibt es denn eine impfemphelung? Vllt ist es wieder zeit für die impfpflicht. Wer sein kind nicht impfen lässt handelt fahrlässig.
4. optional
appenzella 18.03.2013
leider ist es so, daß durch das inokulieren, also das einimpfen von gezüchteten tuberkuloseerregern das immunsystem geschwächt und der boden, das terrain für ebendiese erkrankung bereitet wird. FAKT IST: es gibt keine tuberkuloseimpfung, die vor tuberkulose schützt. nur eine solche, die krank macht.
5.
Neurovore 18.03.2013
"...dass 2010 und 2011 jeweils 79 Prozent der Tuberkulose-Neuerkrankungen in München auf Migranten entfielen..." (Quelle (http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/DOK/ANTRAG/2830608.pdf))
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