Neuer Risikorechner Werde ich in den nächsten fünf Jahren sterben?

Wie gut ist meine Gesundheit? Ein Risikorechner will die Antwort liefern. Nach maximal 13 Fragen soll feststehen, mit welcher Wahrscheinlichkeit man in fünf Jahren noch lebt.

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Entspannt am Strand: Der Fragebogen soll helfen, Risikopatienten schnell und einfach zu erkennen
Corbis

Entspannt am Strand: Der Fragebogen soll helfen, Risikopatienten schnell und einfach zu erkennen


Hand aufs Herz: Hin und wieder fragt sich doch jeder einmal, wie alt er wohl werden wird. Wer das wirklich wissen möchte und zwischen 40 und 70 Jahre alt ist, kann jetzt einen simplen Test machen: auf der Website ubble.co.uk. Durch Beantwortung einiger Fragen will der neue Rechner das Risiko ermitteln, ob jemand innerhalb des genannten Zeitraums aus dem Leben scheiden wird.

Die Fragen für den Test basieren auf einer Auswertung der UK Biobank, einem Projekt britischer Gesundheitsorganisationen. In der Datenbank sind die Gesundheitsdaten von mehr als 500.000 Freiwilligen erfasst. Ein Team des Karolinska Institute in Stockholm hat diese Daten nun analysiert, um belastbare Indikatoren zu bestimmen, anhand derer sich Prognosen über den Gesundheitszustand eines Menschen machen lassen. Über ihre Arbeit berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Lancet".

Verräterisch: Autobesitz und Schrittgeschwindigkeit

"Unsere Analyse kann von Menschen aller Nationalitäten und jeden Geschlechts durchgeführt werden", sagt Anna Ganna, Kooautorin der Studie. "Der Fragebogen lässt sich online und ohne aufwendige Tests durchführen." Das Team hofft, dass es durch die schnelle und einfache Anwendung auch Ärzten möglich wird, Risikopatienten schneller ausfindig zu machen und zu behandeln.

Dabei sind die Daten, die bei Ubble abgefragt werden, durchaus überraschend: Etwa, wie viele Autos jemand besitzt und mit wem er zusammenlebt. Das sei sehr viel aussagekräftiger für die Ermittlung des individuellen Sterberisikos als beispielsweise Bluttests, berichten Ganna und ihr Kollege Erik Ingelsson.

Mit statistischen Modellen haben sie zunächst die Daten der rund 500.000 Probanden analysiert, diese wurden in den Jahren 2007 bis 2010 für die UK Biobank umfassend untersucht. Innerhalb von fünf Jahren sind von diesen 500.000 Menschen rund 8500 gestorben. Anhand des Wissens, wer gestorben ist und wer nicht, untersuchten die Forscher dann 655 unterschiedliche Faktoren darauf, wie gut sich diese für eine Vorhersage des Sterberisikos eignen. Das kann natürlich von Land zu Land variieren.

Selbsteinschätzung entscheidet

Fotostrecke

9  Bilder
Rauchen, Autos, Familie: Forscher berechnen das Sterberisiko

Alter und Geschlecht sind dabei nur der Ausgangspunkt, um das Sterberisiko zu berechnen. Darüber hinaus zeigte sich bei Menschen ohne schwere Vorerkrankungen das Rauchen als Faktor mit der größten Vorhersagekraft. Auch die Selbsteinschätzung der eigenen Gesundheit, Unfälle oder Erkrankungen der letzten zwei Jahre und die Lebensumstände machen die Angabe des Sterberisikos verlässlicher - entscheidender noch als Messungen von Blutdruck oder Fettwerten, berichten die Autoren.

Auch die Schrittgeschwindigkeit habe sich als ein gutes Maß entpuppt, um die Lebenserwartung zu beurteilen. Ein langsamerer Wanderer zeige ein höheres Sterberisiko als jemand, der zügig durchs Leben schreitet. Die Fotostrecke illustriert, mit welchen Faktoren sich das Sterberisiko am besten berechnen lässt.

"Doch was hat es für jeden Einzelnen für einen Wert, den Ubble-Test zu machen?", fragt sich Ferdinand Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Es sei wichtig, dass die Teilnehmer derartiger Checks stets daran denken, dass der berechnete Risikowert letztlich auf Statistik beruht. Grundlage seien Gesundheitsdaten Hunderttausender Menschen. Das Ergebnis sei ein Wahrscheinlichkeitswert. Menschen mit einem hohen Sterberisiko könnten trotzdem noch Jahrzehnte weiterleben. "Man denke nur an Helmut Schmidt", sagt Gerlach. Der sei bekanntermaßen starker Raucher - und weit über 90 Jahre alt.

Natürlich dürfe der Ubble-Check nicht als mit Sicherheit eintreffende Vorhersage betrachtet werden, erklären denn auch die Ubble-Autoren. Der Test könne aber an die Vorteile einer gesunden Lebensweise erinnern. Niemand werde länger leben, nur weil er ab morgen schneller durch die Innenstadt schreite. Die Frage, warum jemand stirbt, kann und wolle die Studie auch gar nicht beantworten. Der Online-Rechner stelle lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen den eigenen Lebensumständen und dem Sterberisiko her.


Aus Händedruck und Atemfrequenz wollen Ärzte das Sterberisiko von Patienten ablesen. Wie seriös sind solche Schnellchecks? Mehr dazu im aktuellen SPIEGEL.



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Seite 1
dbrown 05.06.2015
1. Klasse
Pure Statistik. Mehr auch nicht. Reine Zeitverschwendung.
henson999 05.06.2015
2. Anzahl der Autos
Ich denke, die Anzahl der Autos ist eine einfache Methode herauszufinden welcher finanzieller Hintergrund vorhanden ist. Das ist ja (leider) auch ein entscheidender Faktor bei der Lebenserwartung.
carlheinzmeisterburg 05.06.2015
3. Mal gucken...
...ob sich genug Rentner finden lassen, die den Test absolvieren, um zu einer self-fulfilling-prophecy zu gelangen. Dann könnte sich - als Nebeneffekt - das Problem der Überalterung lösen. Okay, mal Hand aufs Herz, wer zahlt eigentlich solche Untersuchungen mit allenfalls unterhaltendem Wert? Übrigens, soweit in man in diesem Beitrag keine Ironie finden sollte - ich liege weit jenseits meines statistischen Verfallsdatums.
steffen.ganzmann 05.06.2015
4. Simply great!
Hab' zum Spass diesen Test gemacht und habe ein Sterberisiko von 5%. Nur hatte ich vor 1,5 Jahren einen septischen Schock mit Multiorganversagen, 14 Tage Intensivstation und 3 Monate Pflegestation, 2 davon hochseptisch, und etwas mehr als einem Jahr Dialyse. Jetzt ist mein Labor gerade so, dass man auf die Dialyse verzichten kann, wenn man ein Auge zudrückt. Ich werde die nächsten 5 Jahre mit Sicherheit nicht überleben! Aber danach wurde komischerweise nicht gefragt ...
AusVersehen 05.06.2015
5. Irren ist menschlich
Zitat von steffen.ganzmannHab' zum Spass diesen Test gemacht und habe ein Sterberisiko von 5%. Nur hatte ich vor 1,5 Jahren einen septischen Schock mit Multiorganversagen, 14 Tage Intensivstation und 3 Monate Pflegestation, 2 davon hochseptisch, und etwas mehr als einem Jahr Dialyse. Jetzt ist mein Labor gerade so, dass man auf die Dialyse verzichten kann, wenn man ein Auge zudrückt. Ich werde die nächsten 5 Jahre mit Sicherheit nicht überleben! Aber danach wurde komischerweise nicht gefragt ...
Irren ist menschlich und ich wünsche Ihnen, dass Sie sich gewaltig irren. Gute Besserung und ich werde mich freuen, wenn ich in Zukunft hier ihren Namen lese, egal was Sie schreiben.
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