Übermäßiges Schwitzen: Was gegen Hyperhidrose am besten hilft

Sind die Hände ständig schweißnass, wird jeder Händedruck zur Qual. Welche Therapien helfen Hyperhidrose-Patienten, die übermäßig schwitzen? Die wichtigsten Informationen im Überblick.

Schweißflecken am Hemd: Bei Hyperhidrose sind Schweißdrüsen außer Kontrolle Zur Großansicht
Corbis

Schweißflecken am Hemd: Bei Hyperhidrose sind Schweißdrüsen außer Kontrolle

Die Hände sind feucht, das T-Shirt klebt unter den Achseln. Was die meisten nur bei hohen Temperaturen oder beim Sport kennen, ist für manche Menschen ein Dauerzustand. Sie leiden unter Hyperhidrose. Schwitzen Patienten am ganzen Körper, steckt meist eine Krankheit oder eine andere Ursache dahinter. Dies kann ein Tumor sein, aber auch Hormonstörungen oder Übergewicht.

Klagt der Betroffene dagegen über nassgeschwitzte Achseln, Hände oder Füße, behandeln die Ärzte die Hyperhidrose direkt. Meistens über eine Stufentherapie. Sprich: Sie beginnen mit der einfachsten und komplikationsärmsten Therapie. Erst wenn diese versagt, setzen sie ihre Hoffnung Schritt für Schritt in weitere Therapien. Allerdings funktionieren nicht alle Methoden an allen schwitzenden Körperstellen.

Konservative Methoden

Der erste Schritt auf der Therapieleiter - da sind sich die Mediziner einig - sind Antiperspirantien. Auf gut Deutsch: Salben, die Aluminiumsalze enthalten, wie übliche Deos auch, allerdings in einer viel höheren Konzentration. Diese Salze setzen sich in die Schweißdrüsen und verstopfen sie. "Antiperspirantien sind günstig, effektiv und selbst steuerbar", sagt Christian Raulin. Er leitet die Laserklinik Karlsruhe.

"Über 95 Prozent der Patienten, die krankhaft viel an den Achseln schwitzen, erzielen damit gute Erfolge. Das ist manchmal wie ein Wunder, man trägt es auf, und bereits am nächsten Tag schwitzt man schon nicht mehr." An Händen und Füßen helfen sie weniger gut - hier ist die Hornhaut im Weg. Die Studienlage zu diesen Mitteln, so Raulin, sei mehr als gesichert.

Versagt diese Methode, greifen die Mediziner meist zu Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox. Etwa 50 Spritzen muss der Patient sich in jede Achsel setzen lassen. Nach Angaben des Laserzentrums in Heidelberg bleibt nur bei fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung die Wirkung von Botox aus. Der Nachteil der Methode: Die Trockenheit hält nur sechs Monate an, danach muss der Patient die schmerzhafte Prozedur erneut über sich ergehen lassen - und mit 600 bis 1000 Euro wieder tief in die Tasche greifen. An den Händen sind die zahlreichen Spritzen allerdings so schmerzhaft, dass sie nur unter Betäubung gesetzt werden können.

Daher ist bei Händen und Füßen meist die Leitungswasser-Iontophorese das Mittel der Wahl, wenn die Aluminiumchloridpräparate den Erfolg versagen. Der Patient hält die Hände oder die Füße in zwei Wannen, die mit Leitungswasser gefüllt sind. Durch das Wasser fließt ein leichter Gleichstrom, der die Ionenkanäle der Schweißdrüsen irritiert. "Nach fünf bis zehn Behandlungen reduziert sich das Schwitzen. Diese Methode funktioniert bei 90 Prozent aller Patienten", erklärt Raulin.

Falk Bechara, leitender Arzt der Abteilung für Dermatochirurgie an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum aber warnt: "Bei sehr starkem Schwitzen kann die Iontophorese an ihre Grenzen stoßen."

Operationen:

Helfen all diese Methoden nicht, mündet der nächste Schritt meist in eine Operation. Die gängigste ist die Saugkürettage - sie ist allerdings nur im Achselbereich möglich: Die Ärzte machen einen Schnitt in der Achsel, durch den sie die Schweißdrüsen absaugen. Anschließend schaben sie restliche Schweißdrüsen mit einer Art Löffel heraus.

Insgesamt ist die Operation sehr anerkannt. Raulin gibt allerdings zu bedenken: "Diese Absaugung führt bei weitem nicht bei allen zum Erfolg, teilweise erwischt man nicht alle Drüsen, zum Teil wachsen sie auch wieder nach." Die Operation muss daher gegebenenfalls nach einiger Zeit wiederholt werden. Zudem birgt jeder Eingriff Entzündungsrisiken.

Tropft der Schweiß von den Händen, ist die Saugkürettage keine Alternative. Hier schlagen Ärzte ihren Patienten daher teilweise die Sympathektomie vor: Chirurgen durchtrennen einzelne Ganglien des sympathischen Nervensystems, also einzelne Nervenknoten.

Allerdings ist diese Operation mehr als umstritten. "Dieser Ansatz hat so viele potentielle Nebenwirkungen, dass er gar nicht zu rechtfertigen ist", sagt Sylvia Proske, Dermatologin an der Ethianum Klinik Heidelberg. So kann es unter anderem in seltenen Fällen zum hängenden Augenlid kommen. Auch Kompensationsschwitzen tritt auf: Statt an den üblichen Stellen schwitzt der Patient an anderen. Birgit Wörle, Dermatologin in der Swissana Clinic Meggen in der Schweiz, reagiert verhaltener: "Diese Behandlung ist zwar keine Routinegeschichte, ich würde aber auch nicht prinzipiell davon abraten."

Janine van Ackeren

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hände und Füße..
kelevraa 20.06.2013
..amputieren hilft bei 100% aller Patienten.
2. optional
MacGeifer 20.06.2013
Aluminiumsalze...was viel schlimmeres kann man sich gar nicht auf die Hautschmieren. Aber das steht jedem frei selbst zu entscheiden!
3. Glückwunsch
KnoKo 20.06.2013
Zitat von kelevraa..amputieren hilft bei 100% aller Patienten.
Den wahrscheinlich dümmsten Forenkommentar des Tages bereits um 6:35 Uhr. Restalkohol?
4.
window_mine 20.06.2013
Manche Kommentare sind so unnötig wie Facebook.
5. Ja, aber ....
maxibutz 20.06.2013
Zitat von kelevraa..amputieren hilft bei 100% aller Patienten.
Und was machen wir mit den Achselhöhlen??
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Haut
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
  • Zur Startseite
Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: