Übersichtsstudie: Kahlköpfige erkranken häufiger am Herzen

Dünnen die Haare auf dem Kopf aus, denken viele zuerst an ihr Aussehen. Eine Studie zeigt jetzt allerdings, dass möglicherweise auch die Gesundheit leidet. Demnach erkranken Männer mit wenigen Haaren um den Scheitel etwas häufiger am Herzen als andere - auch schon in jungen Jahren.

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Nichts mehr da? Erblich bedingter Haarausfall trifft einen Großteil der Männer

Der alternde Körper kann schonungslos sein. Während sich graue Haare noch unter Färbemittel verstecken lassen, graben sich einmal gebildete Falten mit der Zeit nur tiefer in die Haut. Ähnlich ist es mit dem Haarausfall: Er beginnt sachte mit lichten Stellen, unter denen die Kopfhaut hervorblinkt, und arbeitet sich nach und nach erbarmungslos vor. Rund dreißig bis vierzig Prozent der erwachsenen Männer teilen das Leid der sogenanten androgenetischen Alopezie - des erblich bedingten Haarausfalls.

Neben den kahlen Stellen auf dem Kopf scheinen die Betroffenen allerdings noch einer weitere, viel bedenklichere Gemeinsamkeit zu besitzen: Sie leiden häufiger unter Erkrankungen der Herzkranzgefäße als ihre vollbehaarten Mitmenschen, wie eine Übersichtsstudie im Fachmagazin "BMJ Open" jetzt gezeigt hat.

Für ihre Untersuchung durchforsteten die japanischen Forscher um Tomohide Yamada von der Universität Tokio medizinische Datenbanken. Insgesamt fanden sie sechs Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen dem erblich bedingten Haarausfall und koronaren Herzkrankheiten analysiert hatten. Unter koronare Herzerkrankungen fallen unter anderem Herzinfarkte, die Angina Pectoris (Brustenge) sowie Erkrankungen der Herzkranzarterien. Vier der Studien stammten aus den USA, zwei aus der EU. Insgesamt hatten die Untersuchungen 36.990 Männer eingeschlossen.

Rund ein Drittel häufiger koronare Herzkrankheiten

Laut den Ergebnissen entwickeln Männer, die einen Großteil ihres Kopfhaares verloren haben, im Schnitt rund ein Drittel häufiger koronare Herzkrankheiten als Männer, die noch ihre komplette Haarpracht besitzen. Das Alter scheint bei dem Effekt keine Rolle zu spielen. Bei Analysen, die nur jüngere Studienteilnehmer einschlossen, kamen die Forscher auf ähnliche Werte. Generell steigt mit der Größe der kahlen Stellen auch die Wahrscheinlichkeit, unter einer koronaren Herzkrankheit zu leiden.

Ein Ergebnis überraschte die Forscher allerdings: Neben der Ausprägung kam es auch auf die Position des Haarausfalles an. Wer nur an der Stirn verliert, braucht sich demnach keine Sorgen zu machen. Statistisch signifikant war der Zusammenhang nur bei Männern, die auch um den Mittelscheitel ausdünnten.

"Welcher Mechanismus hinter dem Zusammenhang zwischen Kahlköpfigkeit und koronaren Herzkrankheiten steckt, ist unklar", schreiben die Wissenschaftler. Darin liegt die große Schwäche ihrer Studie: Die Untersuchung kann keine direkte Beziehung zwischen den Herzkrankheiten und dem Haarausfall herstellen. Klar ist nur, dass Männer mit wenig Haaren auf dem Kopf eher erkranken. Ob nun tatsächlich eine Ursache des Haarausfalls dahintersteckt oder ein anderer Umstand, den die kahlen Männer teilen, kann die Studie nicht sicher nachweisen. Um das Risiko einer Verzerrung zu minimieren, rechneten die Forscher allerdings den Einfluss von etwa dem Rauchverhalten, dem Alter und Bluthochdruck auf die Entwicklung koronarer Herzerkrankungen heraus.

Mehrere Ursachen denkbar - aber kein Grund zur Panik

Für den beobachteten Effekt existieren mehrere, mögliche Erklärungen: Vorstellbar ist etwa, dass die klassischen Risikofaktoren für Herzkrankheiten auch Haarausfall begünstigen. Ebenso könnte eine leichte Insulinresistenz den Zusammenhang erklären, dabei handelt es sich um eine Vorstufe des Diabetes. Sie verhindert, dass der Körper Kohlenhydrate richtig verwerten kann und fördert Übergewicht. Dadurch erhöht sie das Risiko für Herzkrankheiten. Gleichzeitig schränkt die Insulinresistenz aber auch die Versorgung der Haarfollikel mit Nährstoffen ein. Weitere, denkbare Erklärungen könnten mit chronischen Entzündungen oder männlichen Sexualhormonen zusammenhängen.

Fest steht allerdings schon jetzt, dass nicht jeder Mann, der sich um seine Haarpracht sorgt, auch Gedanken um sein Herz machen muss. Die Glatze ist - wenn überhaupt - nur ein Risikofaktor von vielen und hat einen geringeren Einfluss als etwa Rauchen oder Übergewicht. Auch lassen sich die Haare nicht einfach zurückzaubern. Viel besser ist: eine gesunde Ernährung, nicht zu viel Alkohol, nicht rauchen, Bewegung und ein normales Gewicht. Das gilt eigentlich für alle, aber - laut den Forschern - vielleicht ganz besonders für junge Männer, deren Haare um den Scheitel schon licht werden.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Muss ich mir Sorgen machen?
titeroy 04.04.2013
Meine Tochter leidet an supraventrikulaerer Tachykardie. Nach zwei OPs ist sie derzeit Beschwerdefrei. Anfang der Woche wurde bei Ihr starker Haaarausfall diagnostiziert. Die Untersuchungen laufen noch (Hautklinik, Pilz etc.) Ein Zusammenhang mit dem Herz ist sicherlich denkbar, doch welcher Hautarzt denkt an so was?
2.
Tatsächlich 04.04.2013
Dieser Zusammenhang ist schon eher 20 als 10 Jahre bekannt. Ursache für den Haarausfall ist das Testosteron, und diese Sorte Männer ist eher auf den Alpha-Trip, aggressiver und haben daher auch mehr Stresshormone im Blut als ruhige Genossen. Das Herz ist damit das Hauptproblem, daher sollten durchaus alle Geheimratsecken und Glatzen zum Kardiologen. Gisy, Lauterbach usw. usw., alles Halbglatzen, die schon in den 40ern ihre Herzinfarkte bekamen!
3. Ja, Danke!
liquimoly 04.04.2013
Schon wieder so ein reißerischer Artikel gegen Minderheiten! Die Raucher, die Dicken, die Glatzen ... Ginge es nach Euch Schreibmaschinentätern wäre ich schon längst Geschichte, aber leider, werde ich noch mit 80 Euer unqualifiziertes Geschreibsel zerreissen.
4. Testosteron
besserwissy 04.04.2013
Es gibt mittlerweile mehrere große, aussagekräftige Studien, die gezeigt haben, dass Männer mit niedrigen Testosteron-Spiegeln ein höheres Risiko für eine Sterblichkeit als Männer mit normalem Testosteron. Die Ursachen für ein erhöhte Sterblichkeitsrisiko waren unter anderem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Andere Studien haben gezeigt, dass Männer mit normal-hohen Testosteron-Werten eher ausgeglichenen und weniger gereizt sind. Die Mähr vom Alpha-Männchen und einem erhöhten Herzinfarktsrisiko ist längst widerlegt.
5. Grobar Unfug!!!
Hans_Mustafa_Schimanski 04.04.2013
Zitat von TatsächlichDieser Zusammenhang ist schon eher 20 als 10 Jahre bekannt. Ursache für den Haarausfall ist das Testosteron, und diese Sorte Männer ist eher auf den Alpha-Trip, aggressiver und haben daher auch mehr Stresshormone im Blut als ruhige Genossen. Das Herz ist damit das Hauptproblem, daher sollten durchaus alle Geheimratsecken und Glatzen zum Kardiologen. Gisy, Lauterbach usw. usw., alles Halbglatzen, die schon in den 40ern ihre Herzinfarkte bekamen!
Watt sie dar sargen ist doch grobar UNFUG! Ich selbst besitze selbst eine GLAZZE! DAS macht MICH noch lange nicht zum WUTBÜRGER oder zum Mann in RAGE!!!! Ledichlich Kommentare wie die Ihrigen regen mich sehr auf!! Unfundierter Stammtitsch-Müll!
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Haarausfall: Formen und Therapie
Androgenetischer Haarausfall
Der androgenetische Haarausfall ist vererbbar und betrifft bis zu 50 Prozent aller Männer. Er führt über eine veränderte Wirkung von Testosteron typischerweise zu Haarverlust im Stirnbereich (Geheimratsecken) und am Hinterkopf, im fortgeschrittenen Stadium bleibt nur ein Haarkranz stehen. Bei Frauen, von denen 10 bis 20 Prozent betroffen sind, dünnen die Haare am Scheitel aus.

Die Wirkung vieler Therapieansätze ist nur unzureichend belegt. Beim androgenetischen Haarausfall des Mannes ist die Wirksamkeit von einem Milligramm Finasterid bewiesen, das die Synthese des aktiven Testosterons (Dihydrotestosteron, DHT) drosselt. Die Arznei ist verschreibungspflichtig. Ebenfalls erwiesen ist die Wirksamkeit des rezeptfreien Blutdruckmittels Minoxidil gegen androgenetischen Haarausfall bei Männern (Fünf-Prozent-Lösung) und bei Frauen (Zwei-Prozent-Lösung). Zudem können systemische Hormonpräparate beim Haarausfall der Frau helfen. Die Kosten der Arzneien werden nicht von den Krankenkassen erstattet, zudem sollte vor der Einnahme immer ein Arzt konsultiert werden.
Kreisrunder Haarausfall
Die Ursache der sogenannten Alopecia areata ist vermutlich eine Autoimmunerkrankung des Körpers gegen die eigenen Haarfollikel. An rundlich begrenzten Stellen des Schopfes fallen die Haare komplett aus. In jedem zweiten Fall wachsen sie allerdings auch ohne Therapie wieder nach. In sehr seltenen Fällen kann es zu einem bleibenden Verlust aller Körperhaare kommen (Alopecia universalis).

Zur Therapie der Alopecia areata setzen Hautärzte vorübergehend Kortison ein oder lösen mit dem - nicht als Medikament zugelassenen - Mittel DCP ein Kopfekzem aus. Die kausale Wirksamkeit dieses Heilversuchs ist wissenschaftlich nicht bewiesen.
Diffuser Haarausfall
Vom diffusen Haarausfall sind vor allem Frauen betroffen, bei denen die Dichte der Haare am gesamten Kopf abnimmt. Ursachen können hormonelle Veränderungen, Stress, Vergiftungen, Eisenmangel oder Infektionen sein. Die Therapie richtet sich nach der Ursache.
Rezeptfrei
Rezeptfrei sind zahlreiche Haarwasser, Cremes und Nahrungsergänzungsmittel mit Wirkstoffen wie Cystin, Vitamin B oder Alfatradiol erhältlich. Ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit fehlt.