Behandlungsfehler Nadel im Unterleib - Frau erhält Schmerzensgeld

Eine junge Frau aus Baden-Württemberg lebt mit einer Nadel im Körper, die Ärzte während einer Operation dort vergessen haben. Nun bekommt die Patientin Entschädigung.

Ärzte im OP-Saal (Symbolbild)
Getty Images/Hoxton

Ärzte im OP-Saal (Symbolbild)


Reiten oder Inlineskaten: Für eine Frau aus Aalen in Baden-Württemberg sind solche Sportarten tabu. Ärzte hätten ihr davon abgeraten, erzählt die 30-Jährige vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart. Der Grund: Sie lebt mit einer Nadel im Unterleib, die Ärzte im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm während einer Operation in ihrem Körper vergessen haben.

Die 30-Jährige aus Aalen zog deshalb vor Gericht - und bekam Recht. Die Bundesrepublik als Träger der Klinik muss ihr nun 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Klägerin wurde zudem ein Schadensersatz von 2000 Euro zugesprochen.

Im Video: Wenn Ärzte Fehler machen - Wie sicher bin ich im Krankenhaus?

Die Frau war 2013 an der Niere operiert worden, die Klinik hatte sie sich selbst ausgesucht. Zwei Monate nach dem Eingriff erfuhr sie, dass die Ärzte versehentlich eine von vier Operationsnadeln in ihrem Körper vergessen hatten. Der etwa zwei Zentimeter lange Fremdkörper ist bis heute auf Röntgenaufnahmen zu erkennen.

Nadel soll vorerst nicht entfernt werden

Aktuell liegt die Nadel tief an einem Lendenmuskel. Mindestens einmal hat sie sich seit der OP im Körper bewegt. Schmerzen verursache die Nadel aktuell zwar nicht, jedoch bleibe eine permanente Unsicherheit, erzählte die 30-jährige Mutter zweier Kinder. Ärzte hätten ihr geraten, nichts zu tun, durch das sie stürzen könne. Entfernen lassen möchte sie die Nadel nicht, weil jede Operation ein Risiko bedeute - und Ärzte ihr von einem Eingriff abgeraten hätten.

In erster Instanz waren noch 13.000 Euro Schmerzensgeld angesetzt worden. Die Richter bewerteten den Fehler der Ärzte als einen schuldhaften - aber nicht groben - Behandlungsfehler. Eine Revision ist nicht zugelassen.

Der behandelnde Arzt sagte, er könne sich nicht erklären, wie die Nadel in den Körper der Frau gelangen konnte. Er habe nur drei Nadeln eingesetzt. Für das Zählen und Kontrollieren der verwendeten Gegenstände vor und nach der OP sei der behandelnde Arzt nicht zuständig, sagte eine Sachverständige. Inzwischen gebe es aber vielerorts eine Dokumentationspflicht.

koe/dpa

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