Gesundheit


Frauengesundheit: Eierstockkrebs wird meist zu spät erkannt

Von Gerlinde Gukelberger-Felix

Ärzte entdecken Ovarialkarzinome häufig erst dann, wenn sie schon weit fortgeschritten sind. Der Grund: Es mangelt an geeigneten Methoden zur Früherkennung. Frauen sollten deshalb die Risikofaktoren kennen. Ein Überblick.

Eierstöcke der Frau: Was genau zu Eierstockkrebs führt, ist noch unklarZur Großansicht
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Eierstöcke der Frau: Was genau zu Eierstockkrebs führt, ist noch unklar

"Warum ausgerechnet ich?" Das ist die Frage, die sich viele Frauen stellen, wenn sie die Diagnose Eierstockkrebs erhalten. Doch eine Antwort darauf ist schwierig: "Bei den Risikofaktoren liegt noch vieles im Dunkeln", sagt der Berliner Gynäkologe Jalid Sehouli.

Zwar wird spekuliert, dass die Zahl der Eisprünge im Laufe eines Lebens eine Rolle spielt. Für diese Theorie spricht, dass Eierstockkrebs statistisch häufiger bei jenen Frauen auftritt, die keine Kinder geboren und keine Antibabypille genommen haben. Aber wirklich nachgewiesen ist dieser Zusammenhang nicht.

"Wenig Bewegung, falsche Ernährungsweise mit zu viel gesättigten Fettsäuren spielen dagegen sicher eine Rolle", sagt Sehouli. Fünf bis zehn Prozent der Eierstockkrebserkrankungen seien zudem genetisch bedingt. Veränderungen im Brustkrebsgen BRCA-1 etwa erhöhen das Brustkrebsrisiko um 40 bis 90 Prozent - das für Eierstockkrebs um 20 bis 70 Prozent. Deshalb ist es für Frauen wichtig zu wissen, ob es in ihrer Familie bereits Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs gegeben hat.

Bessere Früherkennung durch Test in Sicht

Krebsforscher von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen haben kürzlich zusammen mit Wissenschaftlern aus mehr als weltweit 70 Institutionen acht neue genetische Risikofaktoren für Eierstockkrebs identifiziert. Die Forscher hoffen, dass es dadurch möglich wird, die Prävention und Früherkennung von Eierstockkrebs zumindest für Frauen mit einem genetisch erhöhten Risiko zu verbessern.

An einem entsprechenden Test arbeiten derzeit US-Wissenschaftler: Der sogenannte PapGene-Test basiert auf dem Pap-Test, der bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs zum Einsatz kommt. Anfang 2013 berichteten sie in einer Ausgabe von "Science Translational Medicine" über die potentielle Screeningmaßnahme. Das Problem: Noch ist die Erfolgsrate von 40 Prozent beim Aufspüren von Eierstockkrebs zu niedrig. Die Forscher sind aber zuversichtlich, dass sie diesen Prozentsatz erhöhen können. Zumindest war der Test bei keiner der gesunden Studienprobandinnen fälschlicherweise positiv. "Fünf Jahre werden sicher noch vergehen, bis ein derartiger Test einsetzbar ist", sagt Sehouli.

Bis dahin dürften Maßnahmen zur Früherkennung von Eierstockkrebs jedoch umstritten bleiben. Kritiker geben an, dass die Untersuchung durch die vielen falschen Diagnosen den Frauen schaden kann. Von Gynäkologen wird das vaginale Ultraschallscreening zur Früherkennung von Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs (VUS) als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten, die Krankenkasse bezahlen es nicht.

Wer genetisch vorbelastet ist und wessen Familienplanung abgeschlossen ist, kann sich grundsätzlich die Eierstöcke entfernen lassen. Damit ist es offenbar möglich, das Risiko auf wenige Prozent zu reduzieren. Ob sich aber eine betroffene Frau diesem Eingriff unterziehen möchte, ist keine leichte Entscheidung, die man deshalb gründlich abwägen sollte.

Glücksfall: Borderline-Tumore

Etwa zehn Prozent der Frauen, bei denen es zunächst so aussieht, als hätten sie Eierstockkrebs, können nach einer genaueren Untersuchung etwas aufatmen: Ihr Krebs stellt sich als sogenannter Borderline-Tumor heraus. Dabei handelt es sich um ein Karzinom mit geringerem aggressiven Verhalten und langsamerem Fortschreiten als gewöhnliche Eierstockkrebserkrankungen.

Borderline-Tumore zeigen einige, aber nicht alle Elemente einer bösartigen Krebserkrankung. Die Gesamtprognose ist besser als beim Eierstockkrebs. Sollte ein Borderline-Tumor nach einer ersten operativen Entfernung erneut auftreten, dann zumeist erst nach fünf Jahren.

Die Abgrenzung des Borderline-Tumors vom Eierstockkrebs ist jedoch nicht einfach und sehr aufwendig. Aber sie ist sehr wichtig, weil die nachfolgende Therapie davon abhängt. Allerdings ist es ratsam, die Diagnose durch einen zweiten Facharzt überprüfen zu lassen, um einen echten Eierstockkrebs nicht fälschlicherweise als Borderline-Tumor anzusehen.

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  • Dienstag, 30.04.2013 – 19:30 Uhr
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.

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