Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Unaids-Bericht: 35 Millionen Menschen leben weltweit mit einer HIV-Infektion

Rote Schleife: Seit einem Gedenkkonzert für Freddie Mercury das Symbol für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Zur Großansicht
DPA

Rote Schleife: Seit einem Gedenkkonzert für Freddie Mercury das Symbol für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit

Ein positiver HIV-Test ist auch in vielen Entwicklungsländern keine Todesbotschaft mehr: Der neue Unaids-Bericht zeigt, dass immer mehr HIV-Infizierte Zugang zu Medikamenten erhalten und mit dem Virus leben. Trotzdem ist die Zahl der Aids-Toten unter Jugendlichen stark angestiegen.

Die Kombination aus Aufklärung und modernen Medikamenten zeigt Wirkung: Weltweit tragen immer mehr Menschen das HI-Virus in sich, in vielen Fällen bleibt die Infektion aber durch eine antiretrovirale Therapie unter Kontrolle. Laut dem neuen Bericht des HIV-/Aids-Programms der Vereinten Nationen (Unaids) lebten 2012 rund 35,3 Millionen Menschen mit HIV - seit dem Beginn der Epidemie erkrankten insgesamt rund 75 Millionen.


Die wichtigsten Zahlen und Fakten aus dem Bericht:

Erfolge: 2012 haben sich weltweit 2,3 Millionen Menschen neu mit HIV infiziert - ein Drittel weniger als 2001. Auch die Übertragung des Virus auf Kinder geht zurück, da immer mehr HIV-positive, schwangere Frauen Zugang zu Medikamenten erhalten. Zwischen 2009 und 2012 sank die Zahl der Infektionen von Kindern um 35 Prozent. Ebenso sank die Zahl der Aids-bedingten Todesfälle: 2012 starben 1,6 Millionen Menschen an den Folgen der Erkrankung, 2005 waren es noch 2,3 Millionen Menschen und damit 30 Prozent mehr.

Rückschläge: Die Zahl der Aids-Toten unter Jugendlichen ist nach UN-Angaben zwischen 2005 und 2012 um 50 Prozent gestiegen. Ein junges Alter zählt zu den größten Risikofaktoren für eine HIV-Infektion. Zwei von fünf HIV-Neuinfizierten sind Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, jeden Tag stecken sich weltweit rund 2100 von ihnen an. Jugendliche würden viel seltener auf HIV getestet als Erwachsene, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Außerdem sei es für besonders gefährdete Jugendliche in Entwicklungsländern aufgrund harscher Gesetze sowie Stigmatisierung häufig schwierig, an medizinische Versorgung zu gelangen und sich Familie und Freunden zu offenbaren.

Investionen: Weltweit werden immer mehr Gelder in den Kampf gegen das Virus investiert. Während 2003 noch 3,8 Milliarden Dollar zur Verfügung standen, waren es 2012 schon 18,9 Milliarden Dollar. Auch die Entwicklungs- und Schwellenländer steuern immer mehr zu HIV-Projekten bei. Die Millenniumsziele der Uno sehen vor, das Budget bis 2015 weiter auf 22 bis 24 Milliarden Dollar zu erhöhen.

Regionen: Das Zentrum der Aids-Epidemie bilden noch immer die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Dort lebten 2012 insgesamt 25 Millionen Menschen mit HIV, darunter auch 2,9 Millionen Kinder. Das sind etwa 90 Prozent aller Mädchen und Jungen, die weltweit infiziert sind. In Süd- und Südostasien sind rund 3,9 Millionen Menschen HIV-positiv. Ebenfalls angespannt ist die Lage in Lateinamerika (1,5 Millionen) und in Osteuropa und Zentralasien (1,3 Millionen).

Medikamente: 2012 erhielten mehr als 9,7 Millionen HIV-Patienten in Entwicklungs- und Schwellenländern antiretrovirale Therapien - mehr Menschen als jemals zuvor. 2003 waren es erst 400.000. Die sprunghaft positive Entwicklung liegt auch daran, dass die Kosten für die Therapien gesunken sind. Den größten Fortschritt bei der Versorgung mit Medikamenten gab es in Afrika südlich der Sahara. Weltweit bekommen nun 61 Prozent aller geeigneten Patienten Medikamente, wenn man die Behandlungsempfehlungen der WHO von 2010 als Grundlage nimmt.

Mittlerweile haben sich diese Richtlinien jedoch verschärft: Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass Patienten schon von einer Behandlung in einem frühen Stadium der Infektion profitieren können und das Virus dann quasi nicht mehr weitergeben können. Aus diesem Grund rät die WHO seit 2013 zu einem deutlich früheren Therapiebeginn. Damit sollen bis 2025 drei Millionen Todesfälle und 3,5 Millionen Ansteckungen verhindert werden. Gemessen an diesen aktuellen Empfehlungen erhalten momentan schätzungsweise 36 Prozent der geeigneten Betroffenen eine Therapie.

Geschlecht: Die Folgen einer HIV-Infektion sind weltweit die Haupttodesursache für Frauen im gebärfähigen Alter. Laut der Erhebung von 2012 sind rund zwei Drittel aller jungen Erwachsenen, die mit HIV leben, Frauen. Die meisten leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Fehlende Aufklärung zählt zu den Hauptgründen für die Infektion. Nur ein Viertel der jungen Frauen und rund ein Drittel der jungen Männer in diesen Ländern konnten Fragen zur HIV-Prävention und -Übertragung korrekt beantworten.


Trotz der sinkenden Infektionszahlen erinnert der Unaids-Direktor Michel Sidibé in einem Vorwort des Berichts an viele Aufgaben, die im weltweiten Kampf gegen die Aids-Epidemie noch bevorstehen. Bis 2015 sollen die im Jahr 2000 festgelegten Millenniumsziele der Uno zu HIV und Aids erfüllt sein. Diese sehen unter anderem vor, die Zahl der sexuellen Übertragungen des HI-Virus zu halbieren. In mehr als 26 Ländern war dies zwischen 2001 und 2012 tatsächlich der Fall, in anderen allerdings muss die Prävention noch ausgebaut werden.

Auch das Ziel, die Zahl der Neuansteckungen von Drogenabhängigen mit infizierten Nadeln zu reduzieren, ist momentan noch in weiter Ferne. In Asien tragen 28 Prozent der betroffenen Drogenabhängigen das Virus in sich, heißt es in dem Report. Viele Länder müssten deutlich mehr sterile Spritzen verteilen. Die Herausforderungen an den Kampf gegen die Aids-Epidemie seien auch in Zukunft hoch, schreibt Sidibé. Die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass auch große Herausforderungen gemeistert werden können.

irb/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




HIV/Aids
Zahlen und Fakten in Deutschland
- in Deutschland leben etwa 78.000 Menschen mit HIV und Aids
- rund 63.000 HIV-Infizierte und Aidskranke sind Männer
- davon sind etwa 51.000 Männer homo- oder bisexuell
- 17.000 Menschen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert
- im Jahr 2012 gab es etwa 3400 HIV-Neuinfektionen
- die Zahl der Todesfälle wird auf 550 geschätzt
- seit Beginn der Epidemie in den Achtzigerjahren gab es etwa 27.000 Todesfälle in Deutschland. Jährlich kommen etwa 500 Todesfälle hinzu.
Quelle: RKI, Stand November 2013
HIV-Infektion
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase ("Aids Related Complex") treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids ("Acquired Immunodeficiency Syndrome").

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Meistens stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Doch können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Diese verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.
Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut der Wirtszelle des Menschen einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.
Weltweite Verbreitung
Laut dem Aidsprogramm der Vereinten Nationen Unaids sind weltweit schätzungsweise mehr als 35 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Mit mehr als zwei Drittel der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas nach wie vor ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2012 erhielten rund 9,7 Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.

Quellen: Robert-Koch-Institut (RKI), Unaids
Umgang und Leben mit HIV
Vor allem Homosexuelle unter 30 Jahren lassen sich regelmäßig testen. Sind sie positiv, ist die Infektion meist im frühzeitigen Anfangsstadium, die Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen.

Heterosexuelle oder Betroffene mit Migrationshintergrund kommen meistens erst, wenn sich die Symptome des geschwächten Immunsystems nicht mehr verleugnen lassen.

Bei 15 Prozent der neudiagnostizierten HIV-Patienten ist Aids daher bereits ausgebrochen. Inzwischen haben Betroffene - mit einer Differenz von etwa zehn Jahren - die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Sie sterben inzwischen häufiger an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als an der durch einen Pilz verursachten Lungenentzündung, einst klassische Todesursache der Aidserkrankten. Jeder vierte HIV-Positive ist inzwischen älter als 50 Jahre.
Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: