Von der Leyen Doktorarbeit könnte gegen Ethikrichtlinien verstoßen

Ursula von der Leyen könnte in ihrer Doktorarbeit auch gegen medizinethische Grundsätze verstoßen haben. Laut einem Bericht prüft die Medizinische Hochschule Hannover die Anschuldigung.

Ursula von der Leyen im Oktober 2015: Hat sie Studienteilnehmer nicht über mögliche Risiken aufgeklärt?
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Ursula von der Leyen im Oktober 2015: Hat sie Studienteilnehmer nicht über mögliche Risiken aufgeklärt?


Die Probleme mit der Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) weiten sich aus. Nach einem Bericht von "suedddeutsche.de" gibt es nun auch medizinethische Bedenken. Demnach untersucht die Kommission für gute wissenschaftliche Praxis an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) derzeit die Vorwürfe.

"Frau Dr. med. Ursula von der Leyen dürfte gleich in mehrfacher Hinsicht gegen die Deklaration von Helsinki verstoßen und Studienteilnehmer ungefragt gefährdet haben", heißt es laut der Meldung im Schreiben eines Wissenschaftlers, der anonym bleiben möchte. Konkret könnte die Ministerin gegen ethische Grundsätze für medizinische Forschung am Menschen verstoßen haben.

Von der Leyen hatte 1991 untersucht, ob das Infektionsrisiko für ungeborene Kinder steigt, wenn die Frau nach geplatzter Fruchtblase ein Entspannungsbad nimmt. Was heute unter Antibiotikagabe als unbedenklich gilt, war Anfang der Neunziger umstritten.

Der Vorwurf nun: Die Probandinnen in von der Leyens Studie wurden möglicherweise nicht über die potenzielle Gefahr eines Bades bei vorzeitigem Blasensprung aufgeklärt. Davon stehe zumindest nichts in der Doktorarbeit, berichtet "sueddeutsche.de". Auch sei keine Einwilligung der Patientinnen zu finden, und ein Hinweis auf die Zustimmung durch eine Ethikkommission fehle.

Laut dem Bericht wollte sich die Ministerin bisher nicht zu den Vorwürfen äußern.

Über die Plagiatsvorwürfe gegen von der Leyen hatte der SPIEGEL zuerst berichtet: Die Plagiatsjäger von "VroniPlag" wollen an 45 Prozent der von ihnen untersuchten Seiten der Dissertation Plagiate und andere Zitierverstöße festgestellt haben. Rechtsexperten halten den Entzug des Doktortitels für wahrscheinlich. Wann dazu ein Ergebnis vorliegt, ist noch offen.

jme

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you_name_it 20.10.2015
1.
Als Verteidigungsminister gibt es schnell mal eine Retourkutsche von der Industrie! Wie die aussieht weiß man erst hinterher, klar ist um verwertbares zu finden muss man nur tief genug graben. Amigos und sonstige Seilschaften heben einen schnell hoch und eben so schnell kann es auch wieder nach unten gehen.
Mertrager 20.10.2015
2. Das sind in der Medizin nun einmal dünne Bretter
Deshalb ist es besonders doof, wenn man dann beim Zusammensetzen der Vorarbeiten Anderer solche Angriffspunkte generiert.
ackergold 20.10.2015
3.
Im Gegensatz zu den Plagiatsvorwürfen sind Ethikverstöße heute vermutlich nicht mehr relevant. Das hätte damals von den Betreuern der Arbeit bemängelt werden müssen und zwar im Vorfeld der Promotion und nicht hinterher.
glass88 20.10.2015
4. ist ja toll...
Zitat: "Zumindest steht davon in der Doktorarbeit ebenso wenig wie von einer wirksamen Einwilligung der Patientinnen; auch fehlt jeder Hinweis darauf, dass eine Ethikkommission die Studie gebilligt hat." Das hört sich aber nicht nach sehr tragfähigem Eis an? Wenn das Wort "zumindest" schon vorkommt, dann sinkt der Wert einer Aussage schon um einiges. Hat sich der werte Herr nicht ins Archiv begeben? Ein wenig mehr Forscherdrang wäre nicht schlecht bevor "Rufmordkampagnen" gestartet werden... Zitat: "Zur Entstehungszeit der Arbeit gab es erhebliche Bedenken gegen das Vorgehen" WER hatte diese Bedenken geäußert und ist dies belegt?
m_s@me.com 20.10.2015
5. Jetzt nicht mit zweierlei Maß messen
Nehmen wir mal an, da ist nicht alles richtig gelaufen halte ich es fuer falsch, jetzt crowdgesourcete Bedenkentraeger aus aller Welt zu berücksichtigen, die versuchen, mit einem Mikroskop weitere Härchen in der Suppe zu finden. Ich bin nicht fürs Wegschauen, aber fuer von der Leyen sollten im guten wie im schlechten Sinne keine anderen Regeln gelten, als fuer andere Doktoranden.
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