Legalisierungsprozess Uruguays Apotheken verkaufen Cannabis

Ausgewählte Apotheken in Uruguay werden ab Juli neben Pflaster und Antibiotika auch Cannabis im Sortiment haben. Die Bürger können sich dort mit bis zu zehn Gramm pro Woche versorgen - zu Niedrigpreisen.

Cannabis-Produktion des Unternehmens International Cannabis Corp (ICC) in Libertad
ICC/ DPA

Cannabis-Produktion des Unternehmens International Cannabis Corp (ICC) in Libertad


Als weltweit erstes Land legalisiert Uruguay unter Auflagen den Kauf und die Produktion von Marihuana für seine Bürger. Ziel des Staates ist, die Produktion und Abgabe selbst zu organisieren und zu lenken - knapp 12.000 Menschen haben sich bisher dafür registrieren lassen.

Dabei gibt es drei Möglichkeiten:

  • Den Kauf von maximal zehn Gramm pro Woche in Apotheken,
  • oder den Anbau von bis zu sechs Pflanzen zu Hause für den eigenen Konsum,
  • oder die Mitgliedschaft in einem Klub, der gemeinschaftlich Hanfpflanzen anbaut und jedem Mitglied bis zu 480 Gramm Eigenkonsum im Jahr gestattet.

Mit dem Verkauf in Apotheken, der im Juli beginnt, startet die letzte Etappe dieses 2013 beschlossenen und komplexen Legalisierungsprozesses. Das Gramm Marihuana wird dort 1,30 Dollar kosten - weniger als beim illegalen Kauf bei einem Dealer.

Für den Kauf in den Apotheken haben sich nach Angaben des nationalen Cannabis-Kontrollinstituts bisher fast 3000 Bürger registriert, für den Heimanbau 6650 Bürger. Zudem wurden bisher 51 Klubs mit je bis zu 45 Mitgliedern gegründet. Das organisierte Projekt soll die Macht der Drogenbanden zurückdrängen.

Trotzdem soll Uruguay nicht unter einer Grasglocke verschwinden: An Arbeitsplätzen und auf öffentlichen Plätzen bleibt das Kiffen verboten, auch darf man unter Graseinfluss weiterhin nicht am Steuer sitzen.

Zwei Firmen bauen an - bis zu zwei Tonnen im Jahr

Im Gegensatz zur Legalisierung in Uruguay existiert in den Niederlanden momentan nur eine Tolerierung des Verkaufs und Besitzes bestimmter Mengen. Dieses Modell hat aus Sicht eines der Initiatoren des uruguayischen Gras-Gesetzes, Julio Calzada, zwei Nachteile. "Es regelt nur die Abgabe", sagt Calzada. "Die Droge wird legal verkauft, kommt aber aus einem illegalen Markt. Und es regelt nicht, wer Zugang bekommt."

So können in Uruguay keine Touristen das Rauschmittel in Apotheken kaufen. Zwei Firmen bauen das Marihuana zudem im Auftrag des Staates in der Nähe eines Gefängnisses bei Montevideo an, jeweils bis zu zwei Tonnen im Jahr mit je rund 15.000 Pflanzen. Die Marihuana-Unternehmen rechnen sich auch Exportchancen aus, zum Beispiel nach Deutschland, wo Ärzte in Zukunft Cannabis verschreiben dürfen.

Das Gesetz war während der Präsidentschaft des früheren Guerillakämpfers José Mujica 2013 beschlossen worden, aber es kam zu harten Debatten um die Umsetzung. Die nun geplanten Auflagen sollen Kiffer-Tourismus verhindern. Ob aber auch der Weiterverkauf von Marihuana aus Apotheken unterbunden werden kann, ist umstritten.

Außerdem wird das Projekt nur einen kleinen Teil der regelmäßigen Konsumenten erreichen. Die Regierung schätzt ihre Anzahl auf 55.200 Menschen, die 26,5 Tonnen im Jahr konsumieren. Dem können vier staatliche Tonnen wenig entgegensetzen. Bis 2020 soll die Menge deshalb auf 20 Tonnen ausgebaut werden - wenn das Experiment gut anläuft.

irb/dpa



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
soulbrother 18.05.2017
1.
Schlechte Nachrichten für den Schwarzmarkt und die Drogenbarone, denen damit nach und nach die Geschäftsgrundlage entzogen wird.
raoul2 18.05.2017
2. Ein erster Schritt
... in die richtige Richtung. Nur mit einer (schrittweisen) Legalisierung kann das Problem des illegalen Marktes tatsächlich bekämpft werden.
Nico9 18.05.2017
3. Gut für die guten Leute aus Uruguay
Escobar und Co. wird es nicht groß kümmern, mit Gras lässt sich eh nicht soooo viel verdienen. Die verkaufen weiter Kokain.
Don Lucio 18.05.2017
4. Dauerdröhnung garantiert
10 g pro Woche - das sind täglich fast anderthalb Gramm. Das reicht nach meiner Erkenntnis für einen mehrstündigen Vollrausch (ich unterstelle mal, dass es sich bei dem Gras um gute Qualität handelt, also nur Blüten und wenig Stengel). Sollte es sich sogar um "Chocolate" (als Hasch) handeln, könnte man mit dieser Menge sogar den Nachbarn gleich mitversorgen ... Und das zu einem konkurrenzlos günstigen, fast Dumping- Preis. Trotzdem eine Maßnahme, die zu begrüßen ist. Den mörderischen Drogenkartellen dürfte dadurch weitgehend die Existenzgrundlage entzogen werden. Eine Einsicht, der sich die betonköpfigen deutschen (und andere) Politiker hartnäckig verschließen. Aber da der Cannabis-Konsum bekanntlich weniger Lust auf Alk macht und damit diese liebgewonnene Steuerquelle schmälern würde, nimmt man lieber die Tragödien der Alkoholkranken und -siechen hin, als Politik für den Bürger zu machen. Also dann: Bravo, Uruguay.
joG 18.05.2017
5. Peinlich, dass Uruguay....
....nun fortschrittlicher ist als Deutschland.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.