Eierstockkrebs US-Organisation kritisiert Ultraschall-Screening

Die Methoden zur Früherekennung von Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs sind umstritten. Eine US-Behörde rät nun ausdrücklich von der Untersuchung ab. Statt Frauen vor der Krankheit zu schützen, kann das Ultraschallscreening sogar schaden, berichten auch deutsche Forscher.

Uterus: Bösartige Tumore an den Eierstocken werden meist zu spät entdeckt.
Corbis

Uterus: Bösartige Tumore an den Eierstocken werden meist zu spät entdeckt.

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Ultraschalluntersuchungen zur Vorsorge von Eierstockkrebs schaden gesunden Frauen möglicherweise mehr, als dass sie Nutzen bringen. Nun rät die US-amerikanische Vorsorgeorganisation Preventive Services Task Force (USPSTF) ausdrücklich von der Untersuchung ab. Nach einer Analyse mehrerer Studien kommt sie zu dem Ergebnis: Statt die Frauen vor Eierstockkrebs zu schützen, führt das Screening zu unnötigen Operationen.

Die 16 Experten der Task Force ergänzten eine Analyse aus dem Jahr 2008 mit neuen Daten. Dabei konzentrierten sich vor allem auf eine große Untersuchung vom vergangenen Jahr mit 78.216 Frauen aus den USA im Alter zwischen 55 und 74 Jahren. Über einen Zeitraum von elf bis dreizehn Jahren untersuchten Ärzte die eine Hälfte der Frauen regelmäßig mit Ultraschall und testeten ihr Blut auf CA-125 - eine Substanz, die auf Eierstockkrebs hinweist.

Das Ergebnis der Wissenschaftler: Statistisch gesehen hatte nur eine von 20 positiv getesteten und operierten Frauen tatsächlich Eiererstockkrebs. Dabei brachte der positive Befund durch die Vorsorgeuntersuchung selbst den Kranken keinen Vorteil. In beiden Gruppen starben gleich viele Patienten an den bösartigen Mutationen.

Gleichzeitig stellten die Früherkennungsuntersuchung jedoch für gesunde Probanden ein Risiko dar: Fast zehn Prozent der 3.285 regelmäßig untersuchten Frauen wurden positiv auf den Krebs getestet, obwohl sie gesund waren. Gut 1.000 von ihnen wurden unnötig operiert, um einen oder beide Eierstöcke zu entfernen. Und 15 Prozent der untersuchten Frauen hatten mit Nebenwirkungen der Vorsorgeuntersuchung, wie etwa Blutgerinnseln, zu kämpfen.

"Eierstockkrebs ist eine furchtbare Krankheit. Fast jeder kennt einen Menschen, der den Krebs hatte und somit auch an ihm gestorben ist", sagte Virginia Moyer, Leiterin der Studie, laut einem Bericht der New York Times. "Das verstärkt das Gefühl etwas tun zu müssen, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden. Dabei vergessen die Menschen, dass ihr Handeln auch negative Folgen haben kann."

Deutsche Forscher raten Gesunden von der Untersuchung ab

Auch in Deutschland steht die Früherkennung in der Kritik: Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) stellte in einer Übersichtstudie fest, dass die Untersuchung durch die vielen falschen Diagnosen den Frauen schaden kann. Von Gynäkologen wird das vaginale Ultraschallscreening zur Früherkennung von Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs (VUS) als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten, die Krankenkasse bezahlen es nicht. Die Untersuchung ist die am zweithäufigsten durchgeführte IGeL-Leistung.

In Deutschland erkranken etwa 15 von 100.000 Frauen jährlich an Eierstockkrebs, damit ist er der sechshäufigste Tumor in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 60 Jahren. Eierstockkrebs gehört zu den Krebsarten mit einer schlechten Prognose. Wenn er entdeckt wird, ist er meist schon so weit fortgeschritten, dass Operationen und Therapien das Leben kaum mehr verlängern können. Ärzte empfehlen daher, frühe Symptome wie Blutungen und Unterleibsschmerzen oder ein schnelles Völlegefühl beim Essen und häufiges Wasserlassen ernst zu nehmen.

Besonders häufig befällt der Krebs Frauen, die genetisch vorbelastet sind und bei denen Eierstockkrebs und Gebärmutterkörperkrebs in der Familie verbreitet ist. Für diese Risikogruppe gelten gesonderte Regeln: Wer bereits Symptome hat oder ein erhöhtes Risiko, an dem Krebs zu erkranken, sollte sich testen lassen, raten sowohl die deutschen als auch die amerikanischen Forscher.



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Seite 1
spon-1226327550945 11.09.2012
1. unglaubwürdig
An sich ja ein sinnvoller Artikel aber dass durch die sog. "Vorsorgeuntersuchung" Blutgerinnsel entstanden sind, klingt mir nicht plausibel. Soweit mir bekannt ist führt eine Ultraschalluntersuchung nicht zu Thrombosen. Auch bei simplen Blutentnahmen zur Untersuchung der Tumormarker ist das Risiko minimal. Nicht jedoch bei Operationen, um die es im Originalartikel vermutlich ging. Außerdem halte ich den Begriff "Vorsorgeuntersuchung", der hier verwendet wird, für problematisch, suggeriert er doch, dass es sich hier um eine Maßnahme handelt mit der ggf. ein Tumorleiden verhindert werden kann. Dass dem beim Ultraschall-Screening nicht so ist, ist lange bekannt. Die Verwendung des Begriffes "Früherkennung" halte ich für eindeutiger.
Airkraft 11.09.2012
2. Solange jemand daran verdient...
ist das ja wohl "in Ordnung". Das Problem kennt man ja von Vorsorgeuntersuchungen wie bei Brustkrebs, Darmkrebs, Prostakrebs (PSA-Wert), Hautkrebs u.s.w. - ein Schuft, der böses dabei denkt ;-) Röntgenreihenuntersuchungen der Lunge bis in die 1980er hätte ich fast vergessen
altebanane 11.09.2012
3.
Zitat von spon-1226327550945An sich ja ein sinnvoller Artikel aber dass durch die sog. "Vorsorgeuntersuchung" Blutgerinnsel entstanden sind, klingt mir nicht plausibel. Soweit mir bekannt ist führt eine Ultraschalluntersuchung nicht zu Thrombosen. Auch bei simplen Blutentnahmen zur Untersuchung der Tumormarker ist das Risiko minimal. Nicht jedoch bei Operationen, um die es im Originalartikel vermutlich ging. Außerdem halte ich den Begriff "Vorsorgeuntersuchung", der hier verwendet wird, für problematisch, suggeriert er doch, dass es sich hier um eine Maßnahme handelt mit der ggf. ein Tumorleiden verhindert werden kann. Dass dem beim Ultraschall-Screening nicht so ist, ist lange bekannt. Die Verwendung des Begriffes "Früherkennung" halte ich für eindeutiger.
Das verwundert mich auch - ich werde viermal jährlich auf Kassenkosten geschallt und empfinde die Untersuchung nicht als riskant oder belastend, es piekst mich ja noch nicht mal jemand dabei. Wo sollen also Gerinnsel herkommen ?
groggybabe, 11.09.2012
4.
Diese ganzen bildgebenden Verfahren sind mir zutiefst zuwider.Alle Berichterstattung darüber,die ich lese ist irgendwie kritisch.Und vollends dagegen eingenommen hat es mich,dass man meine Schwägerin nach einer Mammographie sechs Monate lang mit einem "verdächtigen dunklen Schatten" in der Brust zum "Abwarten" nachhause geschickt hat.Nachdem mir mal eine Ärztin hingeknallt hat,ich hätte Diabetes -es stimmte nicht,sie wollte mich "nur schocken" (und hat mir dann jegliche Weiterbehandlung verweigert) kann ich mir in etwa vorstellen,was meine Verwandte durchgemacht haben muss.Mich kriegt da keiner hin.Lieber ein schönes Leben solange es geht und Schluss als wenn-und-aber zwei Jahre vorher schon
Laubhaufenwiese 11.09.2012
5. Haha
Wenn ich immer an die bösen Blicke meiner Ärztin denke, wenn Sie mich fragte "Und wie siehts aus? Heute ein Screening?" (für 30 Euro extra auf die Hand) und ich immer verneinen musste. Bisher aus finanziellen Gründen, weil ich mir dieses Extra einfach nicht leisten konnte. Aber nun steckt auch ein wenig Schadenfreude hinter.
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