Gesundheit

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UV-Strahlung im Sommer

"Das ist besonderer Stress für die Haut"

Ein herrlicher Sommer mit viel Sonne geht zu Ende. Doch viel UV-Strahlung erhöht auch das Risiko für Hautkrebs. Experten warnen: Sonnencremes schützen zwar vor Sonnenbrand, aber nicht ausreichend vor Hautkrebs.

DPA

Früherkennung: Ein Hautarzt untersucht die Haut einer Patientin

Dienstag, 11.09.2018   11:54 Uhr

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Eine ordentliche Portion Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 - und der Schutz vor Hautkrebs ist perfekt? "Ein Irrglaube", warnt der Hautkrebsexperte Claus Garbe von der Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Haut könne durch Sonnenschutzmittel nicht komplett vor Hautkrebs geschützt werden: "Vor Sonnenbrand ja, vor Hautkrebs nicht." Schon sehr niedrige Dosen UV-Strahlung verursachen dem Dermatologen zufolge Veränderungen des Erbguts in der Haut, die das Krebsrisiko vergrößern können. "Sobald die Haut braun wird, sind schon Mutationen ausgelöst", sagt Garbe.

Deutschlandweit erkranken laut Deutscher Krebshilfe jährlich mehr als 290.000 Menschen neu an Hautkrebs, weltweit sind es der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge zwei bis drei Millionen Menschen. Der weitaus größte Teil von ihnen ist vom - im Vergleich zum schwarzen Hautkrebs - weniger aggressiven weißen Hautkrebs betroffen, zu dem das Basaliom und das Plattenepithelkarzinom zählen.

Aggressiver Tumor durch UV-Licht

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Am schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) erkrankten im Jahr 2014 dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge 21.000 Menschen neu, weltweit sind es mehr als 250.000 neue Fälle jährlich. Es handelt sich dabei um einen bösartigen Tumor der Pigmentzellen (Melanozyten) in der Haut, der schnell Metastasen bildet und dann schwer zu bekämpfen ist.

Die Tendenz ist insgesamt deutlich steigend:

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Solange die Menschen das ausgiebige Sonnenbaden nicht unterließen, stiegen die Hautkrebsraten wohl weiter, befürchtet Garbe, der auch Tagungspräsident des ab dem 13. September in Stuttgart stattfindenden Deutschen Hautkrebskongresses ist. Bis 2030 werde eine Verdoppelung bei der Zahl der Neuerkrankungen erwartet.

Kleinkinder ab unter das Sonnensegel

Experten sehen in den deutlich steigenden Fallzahlen die späten Folgen UV-bedingter Hautschäden in Kindheit und Jugend. Ebenso erhöhen langjährige freizeit- und berufsbedingte Sonneneinstrahlung die Gefahr für die Entstehung von Hautkrebs. Je intensiver und anhaltender die Haut der UV-Strahlung (ultravioletten Strahlung) ausgesetzt war, desto höher ist das Krebsrisiko.

Dass man vor allem Kinder schützen und eincremen soll, sei inzwischen fast allen bewusst, meint der Berliner Kinderarzt Herbert Grundhewer. Die Grundregel ist dabei einfach: Je länger UV-Strahlen die Haut treffen, desto größer wird das Risiko. Vor allem kleine Kinder sind aufgrund ihrer dünnen Haut gefährdet. Viele Kitas hätten auf dieses Wissen reagiert, so Grundhewer, und ließen die Kinder vor allem unter Sonnensegeln im Sand spielen.

Grundhewer warnt zudem davor, Hitze mit UV-Strahlung zu verwechseln. Man sehe und spüre die gefährliche Strahlung nicht. Natürlich sollten Kinder raus in die Natur, aber auch an kühlen, sonnigen Tagen nur geschützt mit Creme und Kleidung - vor allem zwischen 11 und 15 Uhr. Auch seien Reisen in Sonnenländer kritisch, wo kaum Zeit sei, sich auf die plötzliche Belastung einzustellen. "Das ist besonderer Stress für die Haut", so Grundhewer.

Vor allem beim gefährlicheren schwarzen Hautkrebs gehen Experten davon aus, dass er durch akute UV-Überbelastung vor allem im Kindesalter bedingt ist. Der weiße Hautkrebs hingegen betrifft vor allem Langzeiturlauber, aber auch Bauarbeiter oder Dachdecker, die lange der Sonne ausgesetzt sind. Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung meldet deutlich steigende Zahlen des als Berufskrankheit anerkannten Hautkrebses.

War in diesem Jahr alles noch schlimmer?

Der Sommer in diesem Jahr war vor allem sonnig - und lang. Und damit stiegen die Chancen für verbrannte Haut. Zwar macht ein Sonnenbrand allein noch keinen Hautkrebs, aber: "Die Haut addiert auf", sagt Ralph von Kiedrowski vom Vorstand des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD). Im Laufe des Lebens wächst der sich aufsummierende Schaden - und die Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs steigt.

Hinzu kommen verschiedene genetische Voraussetzungen, die mitunter die Entwicklung von Hautkrebs fördern. Allerdings seien noch immer weite Teile der Bevölkerung nicht ausreichend für die Gefahren sensibilisiert, vermutet Kiedrowski, denn: "Nur 35 Prozent derjenigen, die eine Hautkrebs-Früherkennung in Anspruch nehmen könnten, tun das auch."

Eine Studie von der Universität Heidelberg hatte kürzlich gezeigt, dass künstliche Intelligenz Ärzten dabei helfen kann, schwarzen Hautkrebs zu erkennen. Bei einem Versuch mit 100 Bildern von bösartigen Melanomen und gutartigen Muttermalen stellte das Computerprogramm im Durchschnitt häufiger die richtige Diagnose als 58 Hautärzte aus verschiedenen Ländern.

hei/dpa

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