Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fenster-Streit: Nach mir die Zugluft!

Fenster auf, Zugluft rein: Nicht jeder schätzt das ständige Lüften Zur Großansicht
Corbis

Fenster auf, Zugluft rein: Nicht jeder schätzt das ständige Lüften

In der U-Bahn, im Fitnessstudio, zu Hause - überall lauert dieser Tage die Zugluft. Sie kann zu Erkältungen und Verspannungen führen. Es ist Zeit, sich gegen die Frischluftfanatiker zu erheben und endlich die Fenster zu schließen, meint Frederik Jötten.

Wenn ich in eine U-Bahn steige, knallt's - ich schlage erst einmal alle Fenster zu, die in Fahrtrichtung von mir liegen. Wegen der Zugluft. Die ist gefährlich. Das ist nicht nur meine Meinung, ich darf hier meinen zugluftkundigen Freund Basti nennen, von dem der Ausspruch stammt: "Fenster zu - die Zugluft wird uns alle umbringen!"

Als Kind habe ich es geliebt, Fenster im Zug aufzureißen und dann meiner Familie zuzurufen: "Zieht's?", "Ja, verdammt!", brüllte mein Vater. "Dreh dich um, dann drückt's!", sagte ich und lachte. War ein super Witz, fand ich damals, die wahre Gefahr von Zugluft verkennend. Denn ob sie drückt oder zieht - sie kann eine Mittelohrentzündung verursachen, Erkältungen, Muskelverspannungen. Leider ist die Welt voller Zugluft und - schlimmer noch - Menschen, die sich nicht an ihr stören oder sie sogar verursachen.

"Lassen Sie doch ein bisschen Luft hier rein!"

Eben zum Beispiel in der U-Bahn. Ständig sind alle Fenster offen - irgendwer muss die aufgemacht haben. Der Fahrtwind pfeift erbärmlich durch die Wagen. "Bamm, Bamm, Bamm!" Ich versuche nach dem Einsteigen möglichst schnell möglichst viele Scheiben zuzumachen - und jede schließt mit einem pistolenschussartigen Geräusch. Frauen und Kinder zucken zusammen, Männer gucken mich entgeistert an. Man kann keine Dankbarkeit erwarten, wenn man sich um die Volksgesundheit kümmert, das habe ich gelernt. Stattdessen muss man sich böse Blicke oder Vorwürfe gefallen lassen. "Lassen Sie doch ein bisschen Luft hier rein!"

Die Spezies der Frischluftfanatiker ist unverschämt und reißt überall die Fenster auf, ohne zu fragen, ob das jemanden stört. Ich schließe mich diesem höflichen Vorgehen an und mache sie wieder zu, ob im öffentlichen Nahverkehr, im Fitnessstudio oder im Büro. Ich halte es mit meinem ehemaligen Erdkundelehrer, genannt Stink-Pit, der immer sagte: "Es ist noch keiner erstunken."

Weil Frischluftfanatiker in aller Regel gewalttätig sind, gehe ich inzwischen in der U-Bahn kein Risiko mehr ein. Schon bei der einfahrenden U-Bahn registriere ich, wo offene Fenster sind - und steige möglichst weit entfernt davon ein. Wenn jemand neben einem geöffneten Fenster sitzt, beuge ich mich nicht über denjenigen, um das Fenster zu schließen, zu gefährlich. Ich lasse ihn in seiner Zugluft sitzen und suche mir einen Platz möglichst weit entfernt, ganz vorne im Waggon. Dort muss ich höchstens noch das Fenster gegenüber schließen - und dann: nach mir die Zugluft.

Wenn dieser Platz nicht frei ist und die Fenster trotzdem offen, ziehe ich mir die Kapuze meines Anoraks über den Kopf. Ich weiß, dass das bescheuert aussieht, aber das stört mich nicht. Wer gesund sein will, muss manchmal leiden.

RISIKO ZUGLUFT - FRAGEN AN EINE EXPERTIN

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dann mach ich halt die Fenster wieder auf...
klarafall 02.07.2014
Wie ich sie hassen kann, die Zeitgenossen die denken sie könnten darüber bestimmen, ob andere schwitzen sollen. Wenn es euch zu kalt oder zugig ist, setzt euch doch woanders hin - es sind ja nie alle Fenster offen. Fenster ungefragt zu schließen zieht bei mir nur eine Reaktion nach sich: ich mach sie wieder auf. Und wenn dann so ein Luft-Phobiker meint, er müsste ein von mir geöffnetes Fenster wieder schließen, gibts entsprechend was zu hören. Und das kann dann sehr unfreundlich werden...
2.
a.m.g. 02.07.2014
Zitat von sysopCorbisIn der U-Bahn, im Fitnessstudio, Zuhause - überall lauert dieser Tage die Zugluft. Sie kann zu Erkältungen und Verspannungen führen. Es ist Zeit sich gegen die Frischluftfanatiker zu erheben und endlich die Fenster zu schließen, meint Frederik Jötten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ventilator-erkaeltung-und-verspannung-koennen-folgen-von-zugluft-sein-a-978590.html
In der guten alten Zeit, als sich Zugfenster noch öffnen ließen: Sitzen drei Leute in einem Zugabteil. Der eine möchte das Fenster öffnen mit dem Argument, er würde bei geschlossenem Fenster ersticken. Der zweite plädiert dafür, das Fenster geschlossen zu halten, bei offenem Fenster müsste er erfrieren. Der Dritte hört sich die Streiterei der beiden anderen eine gewisse Zeit an, dann entscheidet er, dass das Fenster erst geöffnet wird, bis der eine erfroren ist und dann das Fenster so lange geschlossen bleibt, bis der zweite erstickt ist. Wenn er dann alleine ist hat er endlich seine Ruhe und kann selber darüber entscheiden das Fenster zu öffnen oder zu schließen.
3. Endlich jemand der mich versteht
horald 02.07.2014
Ich kann die Frischluftfanatiker auch nicht leiden. Ich versuche auch immer alle Fenster zuzumachen, damit ich nicht in der ungesunden Zugluft sitze. Für mich sind Frischluftfanatiker wie Raucher, wissen, dass es ungesund ist und machen die Fenster trotzdem auf. Das sie sich und anderen gesundheitlich schaden, stört sie überhaupt nicht. Gut dass man in vielen modernen Zügen die Fenster gar nicht mehr aufmachen kann, damit ist das Problem dann sowieso gelöst. Danke für den tollen Artikel!
4. Sehr deutsch
Pfaffenwinkel 02.07.2014
Der Schrei: "Es zieht" ist sehr deutsch. In keinem anderen Land ist das nämlich so ein Streitpunkt.
5. Öhm...
chramb80 02.07.2014
Verstehe ich einfach den Humor nicht? Ich glaube ja das dieser Artikel irgendwie sarkastisch gemeint ist. Oder darf inzwischen jeder der irgendeine Art von Schraube locker hat einen Artikel darüber verfassen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:


Frederik Jötten


Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: